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Die Tochter hielt nachdenklich in ihrer Hantie—
rung an.
„Lichter — ja der Name paßt auch!“ sagte sie
lebhaft. „Nein, durch und durch ging einem das,
wie das Tier einen angesehen hat!“
„Angeäugt,“ murmelte Beethman in Erinnerung
an seinen Leutnant, wieder pflichtschuldigst und
nicht ohne Selbstzufriedenheit, hielt es aber nicht
für der Mühe wert, das Mädchen nochmals zu ver—
bessern.
So ging Marieken bald wieder
Gedanken nach, die rasch von dem gequälten Wild
auf Näherliegendes übersprangen.
Das war nun gut zwei Wochen her.
Aus dem naßkalten Nebel jenes Spätnachmittags
hatten sich Vorreiter des Winters losgerungen.
Auch heute abend schlug der Sturm schmetternd
die Wogen an den Strand und lärmte in den klei—
nen Schornsteinen der Vitter Hütten.
Dazu klatschte der Regen unheimlich gegen die
Fenster.
Marie hatte große Flicken in ihres Vaters
dunkelblaue Flanelljacke gesetzt, und beeilte sich, die
„Nachtkost“ auf den Tisch zu bringen; denn nach
dem Abendimbiß arbeitete sie für sich. — Sie
wolle sich „all ihr Zeug doch mal gründlich zurecht
machen,“ erklärte sie, wenn in dieser Zeit jemand
mit irgend einem mehrsagenden Lächeln
fragte, was sie denn so eifrig ihre Wäsche in Ordnung
bringe?
Da sie nicht nur an ihren Sachen nähte und
flickte, sondern auch in Spitzen= und Kantenhäkelei
große Kunstfertigkeit entfaltete, konnte sie es in
kindlichem Vergnügen kaum abwarten, bis zum
letztenmal am Tage der
tisch abgeräumt war.
„Halt bloß auf, Miele!“ sagte sie zur Schwester,
die sich unter ihrer Leitung auf der neben, den
Tisch ger #ckten Nähmaschine übte. „Pack alles über
Seit! Hier must du runter!“ Und schon hatie sie
Brot und Butter, den „Stippmilch“ benannten weißen
Käse, Syrup und einen Rest gebratenen Fisches
aus dem Schrank genommen.
„Und ihr müßt auch vom Tisch mit eurem
Schulkram, Jungens!“
Jetzt ließ sich ein gröhlendes Lachen hören.
„Ich bin doch man einer Woran Marieken
woll wieder denkt?“
„Bist'n Döskoppl
der is?“
„Bei Fritze Strohmeyern, sich das Rechnen holen!"
Marieken war wirklich zerstreut, sonst hätte sie
besorgt gefragt, ob August sich wenigstens beim
Hinausgehen seine Hose umgekrempt habe.
Plötzlich horchte sie auf.
„Da is er schon!“ sagte sie, eben im Begriff
aus dem Ofenloch die auf einem Dreifuß thronende
eiserne Kaffeekanne zu holen.
Obgleich der Kaffee überzukochen drohte, ließ sie
große, rotgestrichene Eß-Sag
lieber, wo August wie-AUnser
Pommerland:
ihren eigenen
ihn noch im Feuer stehen und ging auf den kleinen
lehmgedielten Hausflur hinaus.
Wie es hier erst tobtet
Man hörte die See deutlich durch die dünnen
Wände und die alte wackelige, in der Mitte durchgeleilte
Haust r brüllen.
Und nicht genug damit! So viel sonderbare
Nebengeräusche waren heute abend zu hören! Bald
knackte es hier, bald pfiff und klapperte es dort.
Und das war nicht einmal das Schlimmste.
Fortwährend seufzte es irgendwo.
Marie machte vorsichtig die
Haust ir auf. Eisiger Regen peitschte ihr ins Gesicht.
Von August war nichts zu hören!
Aber hinter ihr seufzte es schon wieder. Sie
fuhr zusammen und wagte nicht, rach rückwärts zu
treten.
sich
„Starke Gedanken!“
Lippen.
Einen Augenblick preßte sie sich mit aller Gewalt
gegen die Wand, als könne das sie beruhigen.
So halte er sich lange nicht „gemeldet“!
„Mein Jung! Mein Jung! — Bloß kein Havarie!
— Komm mir bloß lebendig wieder an
Haus! — Gott im Himmel, laß Malte Pipern wieder
an Haus kommen!“
Er hatte ihr nicht ein einzigesmal geschrieben,
und sie hatte auch keinen Brief erwartet. Wäre das
ein Gerede gewesen in dem kleinen Dorf! Wenn
die Menschen so in zehn Häusern zusammen wohnen,
ist alles wie eine große Familie und Malte
mochte keinen „Familientratsch"“ Besonders Gustavs
wegen; denn er kannte im Grunde recht gut seines
Bruders Wünsche und Gedanken, so wenig er sich
auch darüber ausließ.
Aber in zwei Monaten mußte er hier sein.
Möglich wars ja auch, daß er schon früher, daß
er bald, sehr bald kam! Schon heute oder morgen,
wenn sie besonderes Glück mit der Rückfracht
gehabt hatten!
„Herr Gott, laß seine „starken
aus dem Unglück kommen!“
Es gab ja auch „starke
und der Sehnsucht. —
Marie trat in die Stube zurück. Wieder sah sie
verdutzt um sich.
Da zischte etwas! — Nein; geknirscht hatte es!
— Ges'nirscht, wie Schrauben am Kran, wenn ein
Schiff ausgeladen wird. — Vom Ofen kams.
Sie kniete vor dem Feuerloch nieder und sah
eine Sekunde leis' lächelnd auf den sich hebenden
obere Hälfte der
rang es über ihre
Gedanken" nicht
Gedanken“ des Glücks
Deckel der Kanne. Er tanzte förmlich auf dem
bräunlichen Gischt der Zicorienbrühe. Dann wikkelte
sie ihren Schürzenzipfel um die Hand und
langte in die nur noch schwälende Gllut.
„Starke Gedanken des Glücks und der Sehnsucht!“"
—
Fröhlich spiegelte sich auf einmal der Widerschein
geheimnisvoller Funken in den blauen Mädchenaugen.