4. Das preußifche Königklum. Friedrich I und
Friedrich Wilhelm 1.
GAuowig XIV Starb bald nach dem Abjchluß des Friedens, am
1. September 1715, fiebenundfiebzig Sabre alt. Der Name
dDiejeg fehr tätigen und bedeutenden Herricher® hat bei unjerem
Bolfe einen üblen Klang: er gilt al3 der DVertreter franzöfilcher
Ehrjucht, die fih auf Koften feiner Nachbarn und bejonders
Deutichlandg zu befriedigen juchte und die Begriffe und Anmaßungen
diefer Ehrfucht aller Folgezeit vererbt hat. Aber aud)
wenn man einen höheren Standpunkt der Betrachtung, den allgemeinen,
europäischen, weltgejchichtlichen einnimmt, kann das Urteil
nicht viel günftiger lauten und der Name des Großen, den ihm
die zeitgenöffiiche Schmeichelei gab, hat fi) nicht behauptet. Er
hat unzweifelhaft Frankreich gut regiert und glänzend vertreten,
aber doch nur in einem jehr äußerlichen Sinn, und ein ideenarmer
Geift wie er war, hat er nichts von Freiheit und ihren Kräften
verjtanden, in verächtlicher Bigotterie fat wie in Spanien den
glimmenden Docht des jelbjtändigen religiöfen Denkens zertreten und
damit auch die Anregungen in Literatur und Kunft, die von feiner
Regierung ausgingen oder mit ihr zulammendingen, unfruchtbar
gemacht oder mindejtens für die Menfchheit im ganzen ihre
Wirkfamkeit gejchmälert und gefälicht. Ludwigs Nachfolger fonnten,
abgejehen davon, daß fie perjönlich dazu nicht geeignet waren, jchon
wegen des wirtichaftlichen Niederganges, den Frankreich) durch
Ludwigs XIV Eroberungspolitif erlitten Hatte, nicht im entfernteften
daran denken, Diefe wieder aufzunehmen.
Der Tod hatte furchtbar in der Umgebung und Familie des
ftolgen und lange Zeit glüclichen Königs Ernte gehalten. Der
Dauphin, deffen Sohn, der Herzog von Bourgogne, und zwei von
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