80 _ Sybel über die Revolution und Stellung des neuen Reichs zu derselben.
rieht (freiem Entree in die Bildungsanstalt des Theaters) und
mit Besoldung der Bürger für den Besuch der Volksversammlungen,
wie für den Beisitz in den Gerichten versucht; es brachte
ferner die Armen in dem wachsenden Heer wıd dessen lolımenden
Posten unter, oder es schickte sie als Beamte zu den Bundesgenossen,
selbst zur Plünderung in die Provinzen.
Wir, in dem neuen Reich, sehen noch vergeblich einem, der
Auflösung des verfallenen Rechtsstaats entsprechenden Steuersystem
entgegen, und doch schwebt schon am Horizont das Bild
einer socialistischen Unterbringung der Massen in centralisirten
Beamten- und Arbeiteranstalten der vereinigten Eisenbahnen und
von der Regierung monopolisirten Industriezweige. Sybel selbst
hat mit seinen „deutschen Verein“ für die Ausbreitung eines
Schreckens gesorgt, der sich mit demjenigen der französischen
Revolution recht wohl messen kann und die Reichsbeamten und
deren Familien mit dem Gespenst der Spionage und Denuneiation
in beständiger Angst erhält.
Zunächst (denn gelegentlich werden wir noch manchmal auf
seine Auffassung der preussischen Politik zurückkommen) interessirt
uns an seinem Geschichtswerk nur noch der Schauder, mit
dem er das Zusammentreffen des französischen Vorschreitens und
der „gleich revolutionären" Politik Russlands betrachtet. Demnach
wird der folgende Abschnitt den geneigten Leser nach
Warschau nnd Petersburg führen und ihm das Bild entrollen,
wie im Brande, der Polen verzehrte, die Burg der russischpreussischen
Freundschaft in die Höhe wuchs.
IX.
Das preussisch-russische Verhältniss,
Vilbort erzäblt in der oben angeführten Schrift, Fürst
Gortschakoff, der in den ersten Tagen des August 1866 mit
einer schr ernsten Note die Betheiligung der europäischen Mächte
an der Regulirung der nach dem Ereigniss von Königgrätz sich
aufdrängenden politischen und territorialen Fragen forderte, habe
bis dahin „über die politischen Schwänke des Herrn von Bismarck
viel gelacht“ Das Lachen des russischen Kanzlers spielt