Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

1223

putzet,  kömmt  ein  gast  Rockenphilos.  1,112;  unsinnlicher:
  sich  mit  einf  ällen  putzen,  aufputzen;  ietzt  wöllen

Putzlappen  —  Onader.

sich  euwer  gelehrten  putzen  Luther  5,  82";  —  intrans.  P

das  kleid  putzt.  ziert,  bringt  den  Eindruck  des  Putzens
hervor.  Bei  Maurern  ein  haus  putzen  (Adelung)
den  Bewurf  desselben  glätten.  2)  putzen,  an  butze  1
(Bd.  1,  525)  angeschlossen,  =  sich  vermummen:  leere
schneckenhäuser,  gar  manch  gespenst  hat  sich  darein
geputzt  Goethe  Faust  II,  4.  —  In  Zusammensetzungen
zu  1:  Putzlappen,  m.,  -wulver,  n.,  Lappen,  Pulver  zum
Putzen.  —  Putzschere,  k.  Schere  zum  Putzen  eines  Lichtes.
—  Putzsucht,  k.  Sucht  sich  zu  putzen.  —  Putztuch,  n.
Tuch  zum  Putzen.  —  Putzzeug,  n.  Zeug  zum  Putzen:
zwei  taschen  mit  karten  und  putzzeug  Moltke  4,  44.

Putzer,  m.  der  da  putzt;  Gerät  zum  Putzen;  oberdeutsch
  Verweis  Schmeller:  einen  p.  erhalten,  einem
einen  p.  geben.  —  putzig,  drollig,  von  butze  1  (Bd.  1,
525)  —  Kobold,  neckende  Gestalt,  gebildet:  dem  putzigen

Pyramide  —  Qual.  1224

thierchen  Geibel  2,  138;  frack,  der  sehr  putzig
um  seine  eingeschnurrten  gliedmaszen  herumhing  Heyse
ar.  3,  195;  wie  ein  putziger  bedienter  hinten  auf  dem
wagen  steht  Keller  Werke  10,  167.  In  Tirol  butzig
7  klein,  winzig  Schöpf;  auch  Frisch  kennt  putzig

ein.

Phramide,  k.  Bezeichnung  der  altägyptischen  Königsgräber,
  in  eigentümlicher,  oben  in  eine  Spitze  endender
Form,  aus  griech.  pyramis;  von  pyramidenförmigen
Dingen,  Denksteinen,  Grabmälern:  das  mausoleum  deines
oheims  —  seine  einzige  pyramide  Schiller  Fiesko  2,  13;
eine  pyFramide  in  der  kirche  Seume  Spaz.  1,  19;  Bezeichnung
  eines  geometrischen  Körpers;  im  östlichen
Deutschland  pyramide,  weihnachtspyramide  ein  hölzerner,
spitz  zulaufender,  mit  Querhölzern  versehener  Ständer,
der  an  Stelle  des  Weihnachtsbaumes  mit  Lichtern  und
Zuckerzeug  behängt  wird;  bei  Soldaten:  gewebre  in  eine
pyramide  zusammensctzen.

O.

O,  Laut  und  Zeichen,  stets  nur  in  der  Verbindung
qu  (—  ky)  erscheinend;  der  Name  nach  lat.  Vorbilde  kü.

Quabbe,  quack,  quacken,  quäcken,  s.  quappe,  quak,
qduaken,  qdunken.

QLuackelei,  f.  unstetes,  unfertiges  Thun:  ungereimdte
quackeley  Simpl.  4,  398;  bei  Goethe  59,  269  quaäkelei.
—  qauackeln,  schwanken,  wanken,  nicht  recht  wissen,  was
man  eigentlich  will,  thöricht  schwatzen:  was  da  der
schöne  dummkopf  (ein  Wiedehopf)  qguackelt  C  wackelt)
Gleim  3,  268;  als  derbe  Schimpsworte  quackelhans,
guackelliese  für  in  Thun  und  Reden  unentschiedene
Personen.  —  Znassalber,  m.  unwissender  Arzt,  Kurpfuscher;
  aus  niederl.  quacksalver,  allpfes,  katraleptes,
e#us  unguentarius  (Kilian),  eigentlich  den  umherziehenden
  und  schreienden  Heilsalbenverkäufer  bezeichnend,
  seit  16.  Ih.  hochdeutsch:  kauft  inn  der  noht,  sagen
die  betrengten  quacksalber,  so  habt  zhrs  im  tod  Garg.
158;  quaksalber  unguenkarins  Schottel;  der  erschrockene
  quacksalber  muszte  .  seinen  apothekerkasten
  ausräumen  CFMeyer  Jenatsch  257;  Schimpfwort
  für  einen  Arzt  insgemein:  der  donner  soll  dem
verlluchten  quacksalber  die  Knochen  entzwei  schmeiszen
Rabener  3,  141.  —  Ouacksalberei,  f.  Thun,  Beschäftigung
  als  Quacksalber:  qu.  treiden;  Mittel  eines  Qunacksalbers:
  von  solchen  quacksalbereien  wird  kein  mensch
gesund.  —  quacksalbern,  Quacksalberei  treiben:  an  einem
herum  quacksalbern;  auch  bildlich:  am  staate,  an  gesellschaftlichen
  übeln  quacksalbern.

Quader,  m.  f.  viereckiger  behauener  Stein,  mhd.  als
Masc.  und  Neutr.  quäder,  vom  mittellat.  Gewerksausdruck
  quadrus  (lapis)  viereckiger  (Stein)  entlehnt:
qunadrus  ein  quader  Dief.;  die  ältere  masculine  Form,
mit  dem  Plur.  die  quader:  den  ungeheuren  quader
Schiller  Fiesko  3,  4;  weinen  möchten  diese  quader
5,  5,  ist  in  heutiger  Spr.  fast  allgemein  dem  Fem.,  mit
dem  Plur.  die  quadern  gewichen:  aus  unsrer  burg  zu
brechen  eine  quader  Geibel  1,  240;  eine  dieser  gewaltigen
  quadern  Moltke  4,269;  im  eigentlichen  Sinne:
wenn  quader  fest  an  quader  schlieszt  Geibel  1,  200;
straszen  mit  .  den  schönen  aus  quadern  erbauten
palästen  Moltte  1,  220;  frei,  vergleichend:  die  ehre
einer  frau  ist  eine  ehrne  mauer,  wer  die  durchgräbt,
der  spaltet  quadern  auch  Grillparzer  5,211;  von
quaderförmigen  Zeichnungen:  sie  (die  Thür)  war  in
marmorirten  quadern  ubermalt  Wildenbruch  Nov.

128.  —  Zusammensetzungen:  Quaderstein,  m.  verdeutlichend
  für  quader,  mhd.  quäderstein:  die  kleine  burg,
aus  rohem  quaderstein  gesugt  Droste  218;  ebenso
Quaderstück,  n.:  brunnen  mit  diamantenen  quader--stücken
  gepflastert  Wieland  Sylv.  6,  3.

Quak,  das  Froschgeschrei,  auch  das  Geschrei  der  Enten
nachahmend.  —  qualen,  den  Laut  quak  ausstoßen;  auch
quacken,  selbst  guaguen  bei  Schuppius;  von  Fröschen:
coaxare  quacken  ader  schrihen  als  ein  frosz,  quaxen
wie  die  fröschen,  gwaxen  Dief.;  mit  langem  Vocal:
hört  ihr  den  laubfrosch  qguaken?  Voß  JIdyll.  18,  71;
die  quakenden  frösche  Seume  Spaz.  1,  120;  kurzvocalisch:
  wenn  aber  die  frösche  lange  nicht  quacken
wollen,  so  will  auch  das  laub  nicht  kommen.  folglich
quacken  die  frösche  das  laub  heraus  Hebel  2,  37;  von
Enten,  Gänsen,  Raben,  Krähen:  enten  und  gänse
qduakten  im  teiche;  schweizerisch:  auagen,  quaken  schreien
wie  ein  Rabe  Stalder;  krähe  die  .  quackend  umherbüpfte
  Keller  Seldw.  2,  34;  frei  und  tranf.:  märsche
quacken  Lenan  354.—  quäken,  Nebenform  des  vorigen,
von  einem  helleren  Tone  gebraucht;  bei  Jägern  von
der  Stimme  der  Füchse  und  dem  Geschrei  der  Hasen
Adelung;  auch  von  der  Stimme  der  Frösche:  er
dveket  wie  ein  frosch  Stieler;  so  läszt  der  frösche
volk  sein  quecken  hören  Haller  101;  eind  wir
schon  in  frösche  verwandelt?  ..  mich  däucht  ich  höre
mich  selbst  schon  quäken  Wieland  Sylov.  3,2;  von
Menschen:  quäkende  kinder;  man  entscheide  sich,  quäkte
das  polizeimännlein  Gaudy  Erz.  91.  —  Quäker,  m.
der  da  quäkt;  vom  Frosch:  da  er  (der  Storch)  im  begriff
  war,  den  kleinen  unschuldigen  quäker  hinunter
zu  schlingen  Wieland  Sylv.  1,  6.  Anderes  qunker,
religiöse  Sekte  in  England  Hebel  2,  231.

Onal,  k.  großes  Weh,  Pein;  nur  hoch=  und  niederd.
Wort,  ahd.  chwala,  quala,  chäla,  alts.  qguäla,  mhd.  quäle,
küle  und  qual,  kal,  im  Ablaut  zu  altengl.  cwalu  gewaltsamer
  Tod;  zu  dem  alten  ausgestorbenen  Verbum
altengl.  ewelan,  alts.  quelan,  ahd.  quelan,  chelan,  mhd.
queln,  gewaltsam  steben,  gepeinigt  werden,  gehörig,  das
wieder  im  litt.  gelti  wehe  thun,  gela  Schmerz,  altflar.
zali  Leid  seine  Urverwandten  hat;  wahrscheinlich  ein  alter
Rechtsausdruck  für  eine  schmerzhafte  Leibes=  und  Lebensstrase,
  daher  spät  auch  noch  für  Folter  gebraucht;  ein
Plur.  im  vereinzelnden  Sinne  ist  erst  eine  jüngere  Erscheinung.
  Masculine  Nebenform  ganz  vereinzelt:  Rey-