thumbs : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Die  Überraschung  zu  wahren,  hatte  die  O.  H.  L.  ein  gewaltiges  System
von  „Täuschungmaßnahmen"“  luszenlert.  In  der  Champagne,  von  der  aus  ulcht
eln  elnziges  Bataillon  zum  Angriff  schrelten  sollte,  waren  seit  Wochen  und
Monaten  alle  Dörfer  für  die  Aufnahme  ungezählter  Dioislonen  vorbereitet
worden.  In  der  Picardie,  wo  unser  Aufmarsch  sich  tatsächlich  vollzog,  wußten
nicht  einmal  die  Ortekommandanten  eine  halbe  Stunde  vor  dem  Einrücken
unserer  Quartiermacher,  .  sie  am  Adend  ein  Vierteldutzend  Regimenter  zu
dehausen  haben  würden.

Hinter  der  kaum  leise  von  fernem,  murrenden
Front  wurden  wir  In  vielstündigen  Nachtmarschen  quer  durch  Belgien  und  Frankrelch
  in  unsere  Frontadschnitte  geführt.  Wohl  schien  der  Felnd  deunruhigt  —
selne  Flleger  schwedten  del  Tag  und  Nacht  üder  dem  Hinterlande,  das  wlt  durchduerten
  —  aber  zu  sehen  dekamen  sie  nchte,  warfen  ihre  Bomden  aufs  Geratewohl
auf  die  Ortschaften,  ln  denen  wir  gerade  waren  oder  auch  nicht  waren
Seldst  der  kolossale  Aufmarsch  der  unzähllgen  Tausende  von  Geschützen,  der  Antransport
  der  gigantischen  Munltlonsmassen  muß  undemerkt  geblieden  sein,
denn  eine  ledhaftere  Artillerletätigkeit  des  Feindes  wurde  ulcht  deobachtet.
Wohl  faßte  einmal  ein  Zufallstreffer  einen  der  frisch  aufgehäuften  Granatstapel
und  schleuderte  ihn  ln  die  Lüste  —  ader  das  war  lmmer  schon  gelegentlich
geglückt.

Zwei  Tage  vor  der  Schlacht  slnd,  nach  Ludendorffs  Bericht,  zwel  Mann
einer  Minenwerferkompagnie  zum  Feind  üdergelaufen.  Sie  sollen  nach  später
gefundenen  feindlichen  Aufzelchnungen  Angaden  üder  den  bevorstehenden  Angeiff
  gemacht  haden.  Offendar  hat  man  ihnen  keine  besondere  Bedeutung  delgelegt.


Im  letzten  Quartier  erhielten  wlr  am  20.  März  adende  6  Uhr  den  Befehl
zum  Einrücken  In  unsere  Ausgangsstellungen.  Die  Begelsterung  muß  man  miterlebt
  haben.  Noch  heute  trüdt  sich  mir  das  Auge,  wenn  ich  dieses  Augendlicke
gedenke.  BVier  Stunden  später  lagen  wir  im  Graben  —  des  nächtlichen  Momente
bharrend,  welcher  die  Eröffnung  des  Bomdardemente  bringen  sollte  —  und  der
Morgenstunde,  die  une  gegen  den  Feind  werfen  würde.

MWIT9  Glrlilles:  1326241

2.

Mit  glelch  ungeheurer  Spannung  erwartete  der  Oberste  Kriegeherr,  erwartete
  die  O.  H.  L.  den  Beginn  des  Entscheidungskampfes.

Das  Große  Hauptquartier  war  nach  einem  Zahre  Verbleide  in  Kreuznach
zu  Anfang  März  nach  Spaa  verlegt  worden.  Es  gehörte  jetzt  an  die  Westfront.
Für  die  Beodachtung  der  Schlacht  aber  hatte  es  slch  elne  „vorgeschodene  Befehlestellung“
  ln  dem  altehrwürdigen  Städtchen  Aveenee  errichtet.  Hier  hartten
die  Feldberren  der  glelchen  Stunde,  der  Millionen  deutscher  Soldatenberzen
ln  Hoffnung  und  Ahnung  entgegenfieberten.

Nicht  minder  erregt  die  Heeresgruppenführer,  die  deiden  Kronprinzen,
und  die  ihnen  unterstellten  Armeeführer:  die  Generale  Otto  v.  Below  als
Führer  der  von  Monchy  bls  Camdral  aufgestellten  17.  Armee,  General  v.  d.  Marwitz
  als  Führer  der  2.  Armee  im  Abschnitt  Cambral-Belllcourt,  endllch

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