Full text : Die Reichsbank 1876-1900. (1)

Der  Giro-  und  Abrechnungsverkehr.  55

Die  Einrichtung  wurde  rasch  beliebt,  wie  sich  darin  zeigt,  daß  die  Einzahlungen  von  Nichtkonteninhabern
  (vergl.  Tab.  35),  welche  im  Jahre  1876  nur  133/  Millionen  Mark
betragen  hatten,  sich  bis  zum  Jahre  1882  bereits  auf  1  317  Millionen  Mark,  das
sind  reichlich  25  Prozent  der  in  diesem  Jahre  durch  rothe  Checks  nach  auswärts  überwiesenen
  Summen,  gesteigert  hatten.

In  der  Zunahme  dieser  Einzahlungen  aber  lag  ein  der  Gesammtentwickelung
des  Giroverkehrs  hinderliches  Moment.  Da  sich  der  am  meisten  ins  Auge  springende
Vortheil  der  Girokunden)  unentgeltlich  nach  auswärts  Zahlungen  leisten  zu  können,
in  der  kostenfreien  Ueberweisung  der  Nichtkonteninhaber  ohne  den  Jwang  der  Festlegung
  eines  gewissen  Kapitals  ebenso  gut  darbot,  so  wurden  zahlreiche  Interessenten
vom  Beitritte  zum  eigentlichen  Giroverkehr  abgehalten.  Das  Publikum  beaachtete
hier  nur  den  am  nächsten  liegenden  Vortheil  und  bedachte  nicht,  daß  die  Wirksamkeit
  dieses  Verkehrs  nicht  nur  von  der  Bereitwilligkeit  größerer  Kreise  abhängt,
Girozahlungen  zu  machen,  sondern  auch  davon,  daß  genügend  Konten  vorhanden
sind,  auf  die  diese  Einzahlungen  gemacht  werden  können.  Nur  der  Verkehr  der  Girokonteninhaber
  untereinander  kann  als  eigentlicher  Giroverkehr  angesehen  werden,  auch  kann
die  Bank  nur  in  den  unverzinslichen  Guthaben  das  Entgelt  für  ihre  Bemühungen  finden.
An  mehr  wie  einem  Platz  war  aber  die  Wahrnehmung  gemacht  worden,  daß  die  Einzahlungen
  von  Nichtkonteninhabern  im  Verhältniß  zu  der  Jahl  der  Girokunden  einen
übermäßigen  Umfang  angenommen  hatten.  Darum  beschloß  die  Bank,  die  Unentgeltlichkeit
  dieser  Einzahlungen  aufzuheben  und  dadurch  die  hauptsächlichsten  Interessenten
dieses  Verkehrs  in  den  eigentlichen  Giroverkehr  hinüberzuziehen.  So  sehr  die  Bank
Werth  darauf  legen  muß,  an  dem  Prinzip  der  unentgeltlichen  Uebertragungen
im  Giroverkehr  festzuhalten,  so  kam  doch  hier  die  Erwägung  in  Betracht,  daß  bei  der
Annahme  dieser  Einzahlungen  Personen  ein  Dienst  erwiesen  wird,  welche  an  den  Giroverkehr
  überhaupt  nicht  angeschlossen  sind.  Allerdings  befinden  sich  unter  diesen  Einzahlern
  manche,  die  Inhaber  eines  Girokontos  an  einem  anderen  Orte  sind  und  nun
selbst  oder  durch  ihre  Geschäftsreisenden  die  durch  die  Reichsbank  gebotene  günstige
Jahlungsweise  zu  Ablieferungen  an  ihre  eigene  Firma  benutzen.  Zuweilen  geschieht  diese
Benutzung  auch  hauptsächlich  im  Interesse  des  Empfängers,  welchem  sonst  die  Kosten
der  Uebermittelung  obliegen  würden.  Im  allgemeinen  steht  jedoch  die  Erhebung  einer
Gebühr  auf  Einzahlungen  von  Nichtkonteninhabern  nicht  im  Widerspruch  zum  Prinzip
der  Unentgeltlichkeit  im  Giroverkehr  und  rechtfertigt  sich  zudem  durch  die  der  Bank  entstehenden
  Auslagen  für  die  Avisirung  und  Lieferung  der  Formulare.

Die  am  1.  Juli  1884  eingeführte  Gebühr  ist,  als  sich  die  beabsichtigte  Wirkung
—  Anreiz  zum  Anschluß  an  den  Giroverkehr  —  nur  langsam  äußerte,  wiederholt