156 Die Stabilisierung der Mark
Eigenkapital wurde teils aus den in deutschen Händen befindlichen, nicht unerheblichen
Devisenbeständen, teils mit Hilfe des Auslandes aufgebracht. Das
Grundkapital der Bank bestand aus 10 Millionen Pfund-Sterling, von denen die
Reichsbank 5 Millionen Pfund-Sterling (Aktien Gruppe A) und ein fast die
gesamte deutsche Bankwelt umfassendes Konsortium gleichfalls 5 Millionen
Pfund-Sterling (Aktien Gruppe B) übernahmen. Die Einzahlungen erfolgten
in Devisen, und zwar auf die Aktien der Gruppe A mit 100% und auf die
Aktien der Gruppe B mit zunächst 25% des Nennwertes. Der Reichsbank wurde
für diesen Zweck von der Bank von England ein Kredit von 5 Millionen Pfund-Sterling
eingeräumt. Es war damals beabsichtigt, mit der Errichtung der endgültigen
Währungsbank die laufenden Geschäfte der Golddiskontbank zu liquidieren.
Mit Inkrafttreten des neuen Bankgesetzes wurde die Golddiskontbank
daher ihres übrigens niemals benutzten Notenausgaberechts entkleidet und mit
der Liquidation begonnen. Die Liquidation ging, obgleich sie ohne jede Schärfe
durchgeführt wurde, mit unter dem Einfluß des Hereinströmens anderweitiger
Auslandskredite ziemlich rasch vonstatten, und die von der Golddiskontbank
der deutschen Wirtschaft gewährten Kredite, welche in den Monaten August und
September des Jahre 1924 mit rund 14 Millionen Pfund-Sterling ihren Höchststand
erreicht hatten, waren etwa Ende Januar 1925 auf die Höhe des eigenen
Kapitals, Anfang Mai 1925 auf etwa 3½ Millionen Pfund-Sterling gesunken.
Inzwischen hatte die Reichsbank sämtliche Anteile der Bank erworben, wozu sie
durch ein besonderes Gesetz vom 19. März 1924 (RGBl. II S. 73) ermächtigt
war, und den bei der Bank von England aufgenommenen Kredit in Höhe von
5 Millionen Pfund-Sterling — bereits vor Fälligkeit — zurückgezahlt. Den
Konsortialmitgliedern wurden in Höhe der von ihnen gemachten Goldeinzahlungen
Bezugsrechte auf neue, vom 1. Januar 1925 ab gewinnmberechtigte
Reichsbankanteile eingeräumt. Im April des Jahres 1925 entschloß sich dann
die Reichsbank mit Zustimmung aller beteiligten Stellen, die Golddiskontbank
aus dem Liquidationszustande wieder herauszuführen, da es im Interesse der
deutschen Wirtschaft und angesichts der fortdauernden Kapitalknappheit erwünscht
erschien, auch diese volkswirtschaftlich zweckmäßigste Möglichkeit der
Aufnahme von Auslandskrediten den am Außenhandel beteiligten Wirtschaftskreisen
zu erhalten. Die Golddiskontbank befindet sich demgemäß seit Mitte
Mai 1925 wieder in voller Tätigkeit. Ihre Kredite hatten nach dem Stande
vom 23. Dezember 1925 wieder einen Betrag von 9,2 Millionen Pfund-Sterling
erreicht; weitere Kredite in Höhe von rund 400 000 Pfund-Sterling