Full text : Geschichte des Preußischen Staates

August  Wilhelms  Zug.  —  Hadik  in  Berlin.  —  Großjägerndorf.  —  Kloster  Zeven.  373

Schweden,  Franzosen,  ihre  Vorbereitungen  beendigt  und  ihrerseits  den  Kampf
begonnen.  Der  König  gab  die  Belagerung  Prags  auf,  rückte  mit  der  einen
Hälfte  seines  Heeres  nach  Sachsen,  um  dieses  zu  decken,  während  die  andere
Hälfte  unter  seinem  Bruder,  dem  Prinzen  August  Wilhelm  von  Preußen,  dem
Winterfeldt  als  Ratgeber  beigegeben  wurde,  Schlesien  mit  der  Lausitz  schützen
sollte.  Doch  dieser  Truppenteil,  belästigt  durch  fortwährende  kleine  Gefechte  und
nicht  von  einem  einheitlichen
festen  Willen  geführt,  erlitt  8
schwersten  Verluste  und  kam  in
der  Lausitz  in  trostlosestem  Zustande
  an.  Die  Verbindung
mit  Schlesien  war  verloren,  ja
der  Weg  nach  der  Mark  stand
den  Feinden  offen.  Und  nicht
lange  sollte  es  dauern,  bis  die
Oesterreicher  in  Schlesien  eindrangen.
  Nadasdy  überfiel  im
September  den  General  von
Winterfeldt  bei  Moys,  wo
dieser  Freund  des  Königs  sein
Leben  verlor,  und  General
Hadik  konnte  in  der  That
Friedrichs  Hauptstadt  Berlin
erreichen  und  brandschatzen.
Die  königliche  Familie  flüchtete
nach  Spandau,  doch  ging  die
schlimmste  Gefahr  vorüber,  als
die  Nachricht  kam,  der  Prinz
Moritz  von  Anhalt  nähere  sich
zum  Entsatze.  Inzwischen  waren
aber  auch  die  Russen  in  Bewegung
  gekommen,  hatten  Ostpreußen
  überschwemmt  und  den

 

betagten  General  Lehwald  bei  W  0  .
Großjägerndorf  südöstlich  von  —  tr
Königsberg  besiegt.  Doch  trotz  fiupserstich  .  Johann  Esajas  Nilson  (1721—1788),
des  Sieges  mußten  sie  sich  auf  elwa  dle  Hälfte  verkleinert.

wieder  zurückziehen.  Dagegen
waren  die  Franzosen  gegen  die  Weser  vorgedrungen,  hatten  dem  Herzoge  von
Cumberland  bei  Hastenbeck  am  26.  Juli  ein  Gefecht  geliefert,  und  alsbald
zeigte  sich  auch  in  ihm  die  Sorge  um  Hannover  stärker  als  die  Ehrliebe  des
Feldherrn.  Am  7.  September  schloß  er  mit  dem  französischen  Marschall  Richelien
die  Konvention  von  Kloster  Zeven,  durch  welche  ein  Waffenstillstand  und  zugleich
die  Auflösung  der  niedersächsischen,  d.  h.  der  einzigen  Armee  zugestanden  wurde,
welche  Friedrich  vor  den  Franzosen  retten  sollte.

ie  eine  Armee  derselben,  welche  der  Prinz  von  Sovubise  befehligte,  vereinigte
  sich  mit  der  Reichsarmee  unter  dem  Prinzen  von  Hildburghausen  im  August,