Metadata : Unser Kaiser.

Gespräche  auf  Spazierwegen.  111

Die  Kaiserin  fragte  ihn  erstaunt:  „Kennen  Sie  denn  den
Kaiser?“

Nein.

„Haben  Sie  sich  wenigstens  bei  solchen  erkundigt,  die  ihn
persönlich  kennen?“

Nein.

„Aber  wie  wollen  Sie  dann  ein  Buch  über  ihn  schreiben?“

Ich  stelle  alles,  was  ich  an  Urkunden,  Zeugnissen,  Büchern
über  ihn  finde,  kritisch  zusammen,  und  danach  entwerfe  ich
sein  Bild.

„Aber  erlauben  Sie  einmal“,  erwiderte  die  Kaiserin,  „wenn
Sie  über  eine  geschichtliche  Persönlichkeit  der  Vergangenheit
schreiben,  etwa  über  Karl  den  Großen,  dann  sind  Sie  natürlich
nur  auf  schriftliche  Urkunden  angewiesen.  Aber  der  Kaiser
lebt  ja  noch!  Da  wäre  es  doch  das  Nächstliegende,  daß  Sie
einmal  selbst  kommen  und  sich  bei  ihm  erkundigen,  oder  doch
bei  solchen,  die  ihn  genau  kennen.  Das  ist  doch  mehr  wert
als  alle  papierenen  Zeugnisse!“  Und  nun  entwarf  ihm  die
Kaiserin  ein  Bild  von  meiner  Person,  meinen  Grundsätzen,
Gedanken  und  Auffassungen,  daß  der  Mann  erstaunte.

Ich  wundere  mich  ja  gar  nicht,  wenn  das  Ausland  solche
Dinge  über  mich  glaubt  und  verbreitet.  Aber  meine  eigenen
Landsleute  könnten  es  doch  wahrhaftig  besser  wissen.  Dreißig
Jahre  lang  habe  ich  in  der  größten  Offentlichkeit  vor  den
Augen  des  deutschen  Volkes  gelebt.  Jeder  konnte  sehen,  daß
mein  ganzes  Denken  und  Arbeiten  dem  Vaterlande  galt.
Ihm  habe  ich  meine  ganze  Lebenskraft  gewidmet,  ihm  meine
Person  immer  untergeordnet.  Da  könnten  es  wirklich  die
meisten  besser  wissen.  Hofprediger  Döring  hat  ja  neulich