74 3. Der jpanifche Erbfolgefrieg.
gententaten, tiefgehende Reformen darf man aber unter ihm weder im
Reich noch in feinen Erblanden fuchen. Mehr durfte man von feinem
Kachfolger, Sofjephl, erwarten, der geiftig regjamer, begabter und
wenn auch iweniger fleißig in unfruchtbarer Gefchäftigfeit al3 jein
Vorgänger, für die höheren Aufgaben feiner Stellung offeneren Sinn
und größeres Berftändnis befaß. Er änderte fein Minifterium, doc)
gejchah in diefem erjten Sahr der neuen Regierung außer Der Behauptung
der günftigen Stellung in Bayern nichtS Bedentendes.
An Ereigniffen reicher war das Jahr 1706. Im April fpradh
der neue Kaifer feierlich die Acht über die beiden Wittelsbacher aus,
wa3 dann die reichsrechtliche Streitfrage hervorrief, ob der Kailer
ohne einen Beichluß der Kurfüriten zu diefem Akt befugt jet, der
übrigens die Dinge ließ, wie fie waren. An drei Stellen geichahen
bedentungsvolle Entfcheidungen, in Italien, in den Niederlanden
und in Spanien, und eine Zeitlang drohte dem Bunde no
ein neuer Gegner und Ludwig ein Verbündeter zu erftehen: im
Norden, wo der Gang des nordilchen Kriegs den König von
Schweden, Karl XII, auf deutschen Boden führte. In den Niederlanden
erfodht Marlborvugh am 23. Mai den großen Sieg bei
Ramillies, und die Städte Mecheln, Brüfjel, Gent, Brügge fielen
den Berbündeten in die Hände: auch hier wurde Karl III al
König ausgerufen. Sn Italien wandelte fich die bi3 dahın für
Öfterreich8 Sache ungünftige Lage völfig. Bring Eugen hatte den
Befehl wieder übernommen, fonnte aber während des Jahres 1705
nicht weiter al3 bi8 zur Adda gelangen: während de3 Sommers
1706 trafen Berftärfungen aus Deutichland ein, unter ihnen die
Brandenburger unter dem jungen Fürften Xeopold von Anbalt-Defjau,
der damal3 feinen Krieggruhm begründete, und Eugen fonnte
die Dffenfive wieder aufnehmen. E3 galt, den Herzog Amadeus zu
entjegen, der von den Franzofen in Turin eingeichloffen und belagert
war. Durd) einen feiner gefchidten Märjche gelang eg Eugen,
die Belagerung aufzuheben, und e3 fam am 7. September 1706 hier
bei Turin zu einer großen Schlacht gegen den Herzog von Orleans,
in welcher die Sranzofen aufs Haupt geichlagen wurden; fie mußten