Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Die  gewaltige  Anspannung,  die  Kerensti  dem  russischen  Heere  noch  einmal
zugemutet  hatte,  und  dle  deutschen  Gegenwirkungen,  welche  sie  ausgelöst  hatte,
waren  für  den  Rest  von  Kampffreudigkeit,  der  in  der  russischen  Armee  unter
der  begeisternden  Einwirkung  der  Revolutlon  noch  einmal  aufgeflammt  war,
eine  allzu  starke  Abkühlung  gewesen.  Die  drobende  Geste,  mit  der  dle
deutsche  Heereeleitung  über  Riga  und  die  Inseln  nach  Peteroburg  zu  zielen
schien,  warf  das  Regime  der  sozlalistischen  Demokratie  über  den  Haufen.

Zuerst  drach  die  russische  Armee  innerlich  zusammen.  Der  Wahnwitz  trat
seinen  Kriumphzug  an.  Er  begann  mit  der  Zerrüttung  der  Heeresorganisation:
die  Befehlsgewalt  des  Offiziers  wurde  aufgehoben  —  an  seine  Stelle  trat  der
Soldatenrat.  Ein  Heer,  das  nach  Mehrheitsbeschlüssen  einer  Körperschaft
seiner  Mannschaften  befehligt  wird!  Soiange  die  Welt  steht  und  Kriege  geführt
wurden:  ein  solcher  Irrsinn  war  noch  nicht  erlebt  worden.

Aber  weiter:  die  gesamte  gesellschaftliche  Gliederung  dee  ruffischen  Volkes
wurde  zertrümmert.  Das  Zarenreich  floß  in  einen  formlosen  Urbrel  auseinander.
Das  Volk,  nicht  zufrieden,  seinen  Selbstherrscher  und  die  autokratische  Verfassung
gestürzt  zu  haben,  vernichtete  nun  auch  den  Oberbau  dee  Besitzes  und  der  Bildung.
  Das  Bürgertum,  die  verhaßte  Bourgeofssie,  sollte  ausgerottet  werden.

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