Die gewaltige Anspannung, die Kerensti dem russischen Heere noch einmal
zugemutet hatte, und dle deutschen Gegenwirkungen, welche sie ausgelöst hatte,
waren für den Rest von Kampffreudigkeit, der in der russischen Armee unter
der begeisternden Einwirkung der Revolutlon noch einmal aufgeflammt war,
eine allzu starke Abkühlung gewesen. Die drobende Geste, mit der dle
deutsche Heereeleitung über Riga und die Inseln nach Peteroburg zu zielen
schien, warf das Regime der sozlalistischen Demokratie über den Haufen.
Zuerst drach die russische Armee innerlich zusammen. Der Wahnwitz trat
seinen Kriumphzug an. Er begann mit der Zerrüttung der Heeresorganisation:
die Befehlsgewalt des Offiziers wurde aufgehoben — an seine Stelle trat der
Soldatenrat. Ein Heer, das nach Mehrheitsbeschlüssen einer Körperschaft
seiner Mannschaften befehligt wird! Soiange die Welt steht und Kriege geführt
wurden: ein solcher Irrsinn war noch nicht erlebt worden.
Aber weiter: die gesamte gesellschaftliche Gliederung dee ruffischen Volkes
wurde zertrümmert. Das Zarenreich floß in einen formlosen Urbrel auseinander.
Das Volk, nicht zufrieden, seinen Selbstherrscher und die autokratische Verfassung
gestürzt zu haben, vernichtete nun auch den Oberbau dee Besitzes und der Bildung.
Das Bürgertum, die verhaßte Bourgeofssie, sollte ausgerottet werden.
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