Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1897. (81)

-über  {hn  aus;  aber  Zuther  verbrannte  öffentlih  und  feierlich  Die
Bannbulle  vor  dem  Elftertbor  zu  Wittenberg  am  10.  Dez.  1520,
Vormittagg  9  Uhr,  mit  den  Worten:  „Weil  Du  Den  Heiligen  bes
Herrn  betrübet  haft,  verzehre  Dich  Das  euer!”

42.  Cntwicelung  der  Neformation.

Unterbefien  war  Kaifer  Maximilian  (1519)  geftorben,  und  fein  Entel,
Karl  V.,  auf  den  deutjchen  Thron  erhoben  worden.  hm  lag  e8  am
Herzen,  die  Glaubensfpaltung  in  Deutichland  zu  befeitigen;  deshalb  lub
er  Luther  zur  Verantwortung  auf  den  Reichstag  zu  Worms,  und
verfprach  ihm  frete8  Geleit.  Seine  Freunde  waren  bejorgt;  denn  man
bahte  an  das  Schikfal  des  Huf.  Luther  aber  gehordhte,  und  ging
nad)  Worms,  obgleich  er  faum  von  einem  Fieber  genejen  war.  Seinem
Freunde  Melanchthon  fagte  er  zum  Abfchied:  „Komme  ich  nicht  wie:
der,  und  morden  mich  meine  Feinde,  fo  bejchwöre  ich  Dich,  Tieber
Bruder,  laß  nicht  ab  zu  lehren  unb  bei  ber  Wahrheit  zu  beharren!
Du  Fannit  e8  noch  befjer  machen.”  Auf  der  Reife  weifjagte  mar  ihm
hier  und  da  nur  Bande  und  Trübfal.  Doch  Luther  fprah:  „Und
wenn  te  ein  euer  machten  zwijchen  Wittenberg  und  Worm8  bi8  an
den  Himmel  Hinanz  jo  wollte  ich  Doc  Im  Namen  bed  Herrn  erjcheinen,
Chriftum  befennen  und  Ddenfelben  walten  Iaffen.”  Noch  vor  Worms
fprach  er  zu  feinem  mwarnenden  Freunde  Spalatin:  „Nah  Worms
bin  ich  berufen,  nah  Wormd  muß  ich  ziehen;  und  wenn  auch  jo  viel
Teufel  darin  wären,  al8  Biegel  auf  den  Dächern,  mollte  ich  doch
hinein!”  So  z0g  Yuther  den  16.  April  1521  im  offenen  Wagen  zu
Worms  ein,  begleitet  won  mehr  derm  2000  Menjchen,  unb  blieb
im  Deutichen  Haufe  dafelbft.  Um  anbern  Tage,  Nachmittags  4  Uhr,
jollte  Zuther  auf  dem  Neichstage  erichernen.  Da  Elopfte  ihm  vor  dem
Saale  der  berühmte  Feldherr  Georg  von  Frundsberg  auf  bie  Schul
ter  und  fpradh:  „Mönchlein,  Mönclen,  du  gehft  jeßt  einen  Gang,
dergleichen  ich  in  der  größten  Schlacht  nicht  gethan  Habe.  Bift  bu
aber  in  deiner  Sache  gewiß,  fo  fahre  In  Gotte8  Namen  fort,  und  fei
getroft,  Gott  wird  Dich  nicht  verlaffen!”  Nun  trat  Quther  in  den  Saal.
Da  faßen:  Katjer  Karl  v.,  7  Rurfürften,  24  Herzoge,  8  Mark:
grafen,  mehr  denn  30  Bischöfe,  1  päpftlicher  und  5  königliche
Sejandte,  und  noch  über  200  hohe  Standesperfonen.  Draußen
wogten  Zaujende  von  Menjhen.  Quther  wurde  gefragt:  1)  ob  er  Die  auf
einer  Bank  Tiegenden  Schriften  al8  Die  feinen  anerfenne,  und  2)  ob  er
das  in  Ddenjelben  Enthaltene  widerrufen  wolle.  Da  antwortete  Quther.
„Diefe  Bücher  muß  ich  für  Die  metnigen  anerkennen.  Das  Zweite  aber
it  eine  Sache  des  Glaubens  und  der  Seelen  Geltgfeit,  und  bitte  ich
darum  von  Ew.  Kaijerlichen  Majeftät  Bedenkzeit,  auf  daß  ich  richtig
antworten  möge."  Am  folgenden  Tage,  Ubenbs  6  Uhr,  erklärte  Ruther,
er  könne  feine  Schriften  nicht  widerrufen,  wolle  th  aber  gern  wider:
legen  lafjen,  wenn  e8  auf  Grund  der  Heiligen  Schrift  gejchehe.  Da
forderte  man  von  ihm  eine  kurze,  einfache‘  Antwort,  ob  er  wiberrufe,