-über {hn aus; aber Zuther verbrannte öffentlih und feierlich Die
Bannbulle vor dem Elftertbor zu Wittenberg am 10. Dez. 1520,
Vormittagg 9 Uhr, mit den Worten: „Weil Du Den Heiligen bes
Herrn betrübet haft, verzehre Dich Das euer!”
42. Cntwicelung der Neformation.
Unterbefien war Kaifer Maximilian (1519) geftorben, und fein Entel,
Karl V., auf den deutjchen Thron erhoben worden. hm lag e8 am
Herzen, die Glaubensfpaltung in Deutichland zu befeitigen; deshalb lub
er Luther zur Verantwortung auf den Reichstag zu Worms, und
verfprach ihm frete8 Geleit. Seine Freunde waren bejorgt; denn man
bahte an das Schikfal des Huf. Luther aber gehordhte, und ging
nad) Worms, obgleich er faum von einem Fieber genejen war. Seinem
Freunde Melanchthon fagte er zum Abfchied: „Komme ich nicht wie:
der, und morden mich meine Feinde, fo bejchwöre ich Dich, Tieber
Bruder, laß nicht ab zu lehren unb bei ber Wahrheit zu beharren!
Du Fannit e8 noch befjer machen.” Auf der Reife weifjagte mar ihm
hier und da nur Bande und Trübfal. Doch Luther fprah: „Und
wenn te ein euer machten zwijchen Wittenberg und Worm8 bi8 an
den Himmel Hinanz jo wollte ich Doc Im Namen bed Herrn erjcheinen,
Chriftum befennen und Ddenfelben walten Iaffen.” Noch vor Worms
fprach er zu feinem mwarnenden Freunde Spalatin: „Nah Worms
bin ich berufen, nah Wormd muß ich ziehen; und wenn auch jo viel
Teufel darin wären, al8 Biegel auf den Dächern, mollte ich doch
hinein!” So z0g Yuther den 16. April 1521 im offenen Wagen zu
Worms ein, begleitet won mehr derm 2000 Menjchen, unb blieb
im Deutichen Haufe dafelbft. Um anbern Tage, Nachmittags 4 Uhr,
jollte Zuther auf dem Neichstage erichernen. Da Elopfte ihm vor dem
Saale der berühmte Feldherr Georg von Frundsberg auf bie Schul
ter und fpradh: „Mönchlein, Mönclen, du gehft jeßt einen Gang,
dergleichen ich in der größten Schlacht nicht gethan Habe. Bift bu
aber in deiner Sache gewiß, fo fahre In Gotte8 Namen fort, und fei
getroft, Gott wird Dich nicht verlaffen!” Nun trat Quther in den Saal.
Da faßen: Katjer Karl v., 7 Rurfürften, 24 Herzoge, 8 Mark:
grafen, mehr denn 30 Bischöfe, 1 päpftlicher und 5 königliche
Sejandte, und noch über 200 hohe Standesperfonen. Draußen
wogten Zaujende von Menjhen. Quther wurde gefragt: 1) ob er Die auf
einer Bank Tiegenden Schriften al8 Die feinen anerfenne, und 2) ob er
das in Ddenjelben Enthaltene widerrufen wolle. Da antwortete Quther.
„Diefe Bücher muß ich für Die metnigen anerkennen. Das Zweite aber
it eine Sache des Glaubens und der Seelen Geltgfeit, und bitte ich
darum von Ew. Kaijerlichen Majeftät Bedenkzeit, auf daß ich richtig
antworten möge." Am folgenden Tage, Ubenbs 6 Uhr, erklärte Ruther,
er könne feine Schriften nicht widerrufen, wolle th aber gern wider:
legen lafjen, wenn e8 auf Grund der Heiligen Schrift gejchehe. Da
forderte man von ihm eine kurze, einfache‘ Antwort, ob er wiberrufe,