Metadata : Ein Volk in Waffen.

Wer  auf  der  Straße  ging,  war  daher  nicht  zu  sehen;  wer  aber
aus  einem  Fenster  schoß,  wäre  sofort  ertappt  worden.  Alle  Haustüren
  mußten  zunächst  unverschlossen  bleiben.  Nach  einiger  Zeit
wünschten  aber  die  Einwohner  aus  Furcht  vor  den  Soldaten  ihre
Haustüren  schließen  zu  dürfen,  und  der  Wunsch  wurde  bewilligt.

Bei  meinem  Besuch,  also  am  8.  Oktober,  machte  Namur  einen
belebten  Eind  ruck.  Noch  ½8  Uhr  abends  waren  die  meisten  Geschäfte
  offen  und  auf  den  Straßen  viel  Verkehr.  Sogar  junge
Damen,  die  anfangs  nicht  auszugehen  gewagt  hatten,  zeigten  sich
wieder.  Aber  noch  durfte  niemand  ohne  besonderen  Ausweis  nach
9  Uhr  abends  außer  dem  Hause  sein.  Die  vielen  Uniformen,
Militärautos  und  Transporte  verwandelten  Namur  in  eine  deutsche
Garnisonstadt.  Aber  Namur  war  auch  noch  etwas  anderes;  das
bewiesen  die  weißen  Fahnen  an  vielen  Fenstern,  namentlich  in  den
Hauptstraßen;  sie  bedeuteten:  wir,  die  wir  in  diesem  Hause  wohnen,
finden  uns  in  die  neue  Ordnung  der  Dinge.  Wer  durch  Belgien
reist,  murß  sein  Herz  verhärten,  denn  jeder  Schritt  erinnert  daran,
welches  Unglück  es  sein  muß,  die  Freiheit  im  eigenen  Lande  verloren
  zu  haben.  Und  man  denkt  mit  Schrecken  daran,  wie  man
selbst  bei  gleichem  Unglück  fühlen  würde.  Ein  Strafgericht  geht
jetzt  über  Europa.  Wehe  den  Völkern,  die  nicht  beizeiten  ihr
Haus  besorgt  haben  und  sich  auf  Vereinbarungen  und  papierne
Erklärungen  verlassen;  denn  nur  die  Macht  gibt  den  Ausschlag,  und
nur  der  Starke  und  Wachsame  flößt  Respekt  ein  nach  allen  Seiten!

34.  Generalgouverneur  Exzellenz  von  der  Goltz.

m  Nachmittag  des  9.  Oktober  fuhr  ich  mit  einem  Militärauto
  nach  Brüssel,  in  der  Absicht,  vor  dem  Einbruch  der
Dunkelheit  wieder  in  Namur  zu  sein.  Der  Weg  führte  mich  über
das  Schlachtfeld  von  Waterloo.  Ich  besuchte  das  dortige  Schlachtenpanorama
  und  den  kolossalen  Löwen,  den  die  niederländische  Regierung
  aus  eroberten  französischen  Kanonen  hat  gießen  und  dort  auf
einem  Hügel  hat  aufstellen  lassen.
Dämmerung  senkt  sich  auf  diese  blutgetränkte  grüne  Erde

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