14 Erstes Kapitel.
Der Purpur an Mänteln, Kronen, Hüten u. dgl. kann
nicht als eine heraldische Farbe betrachtet werden, da diese
Gegenstände nur Behelfe und Zutaten zu Wappen und keinen
wesentlichen Bestandteil eines solchen bilden. Wie schon oben
erwähnt, erscheint Purpur in Spanien auch als Schildfarbe.
In Beziehung auf die Zusammenstellung der Farben und
Metalle herrscht der allgemeine Grundsatz, daß Farbe nicht
auf Farbe, Metall nicht auf Metallzu stehenkommen
sollen, sondern nur Farbe auf Metall oder umgekehrt.
Es soll z. B. kein roter Löwe auf blauen oder grünen
Grund (Feld) gemalt werden, sondern nur auf Gold oder
Silber; oder umgekehrt ein goldner Adler darf nicht im
silbernen, sondern nur in farbigem Felde stehen. Es versteht
sich von selbst, daß Gelb und Weiß, die bloß die Stelle der
Metalle bei einfacherer Darstellungsweise vertreten, als Gold
und Silber zu betrachten sind. Übrigens hat man genug
Beispiele aus der besten heraldischen Zeit, wo diese Regel
nicht beobachtet erscheint.
Diese Regel hat sich durch die Praxis herausgebildet und
wurde zumeist befolgt; Abweichungen sind, wenn künstlerisch
auch nicht besonders schön, doch keine heraldischen Fehler.
Die von älteren Heraldikern so genannten Rätselwappen,
d. h. solche, bei denen dieser Grundsatz nicht befolgt
erscheint, beruhen meist auf Irrtümern, da bei alten Wappen
die Metalle bisweilen, durch die Zeit verändert, das Aussehen
einer Farbe erhielten und dann für eine solche gehalten
wurden; so wird das Gold durch Abnützung und Alter manchmal
rot, das Silber schwarz oder blau.
Hieraus sind schon ungezählte Irrtümer entstanden, weshalb
in solchen Fällen nur von diesen, nicht aber von Rätseln
gesprochen werden kann. Rätselhaft könnte höchstens die Unwissenheit
oder Ungeschicklichkeit, durch die dabei oft recht
grobe Fehler entstanden sind, genannt werden.
Größere, leere, d.h. mit keiner Figur belegte Fläche, Farbe
oder Metall wird zuweilen mit einem Dessin versehen, der
mit einer arabeskenhaften, damastartigen Zeichnung, in älterer