§ 15. Andere Handelsgewerbe. 101
Anzeige, eine vorhergehende Anzeige forderte allerdings der Entwurf zur
Gewerbeordnung, diese Bestimmung ist aber vom Reichstage gerade
beseitigt worden 1).
Verfälscht befundene oder verdorbene Milch kann von der Polizei
vernichtet, insbesondere fortgegossen werden?). Seine Rechtfertigung
findet dieses Vorgehen im § 132 Ziff. 3 des Gesetzes über die allgemeine
Landesverwaltung.
F. Butterhändler.
Erwähnens= und nachahmenswerth sind Polizeiverordnungen 2), welche
den Käufern verbieten, von der zum Verkauf ausliegenden Butter Proben
mit dem Finger zu entnehmen, und den Verkäufern, dieses zu dulden.
G. Mlineralwasserfabriken.
Polizeiverordnungen verbieten bei der Fabrikation künstlichen Mineralwassers
theils die Verwendung von Brunnenwasser überhaupt,
theils — an Orten, an welchen öffentliche Wasserleitungen nicht bestehen
— wenigstens von solchem, welches bei der chemischen und bakteriologischen
Untersuchung nicht als unbedenklich geeignet befunden wird,
beziehen sich weiter auf die Beschaffenheit der Herstellungsräume und
der chemischen Präparate"). Natürlich sind sie gültig.
8 15. Andere Handelsgewerbe.
1. Verschiedene Handelsgewerbe werden durch die nicht seltenen
Polizeiverordnungen betroffen, welche die Art und Weise des Verkaufs
regeln, ob nach Gewicht, Stückzahl u. s. w. Die Verordnung des
Polizeipräsidenten zu Berlin vom 27. V. 18929) schreibt z. B. vor,
daß nichtflüssige Nahrungs= und Genußmittel im Handelsverkehr nur
nach Gewicht, Stückzahl oder Bundzahl verkauft werden. Umfassender
ist die Polizeiverordnung des Polizeipräsidenten zu Posen vom 14. X.
1) Vgl. Sten. Berichte über die Verhandlungen des Nordd. Reichstages 1869,
S. 270.
2) Vgl. z. B. Ortspolizeiverordn. f. Königshütte vom 13. II. 90 (Verwaltungsbl.
Bd. 11, S. 387).
3) Ortspolizeiverordn. f. Halle vom 20. XII. 92 (v. Holly a. a. O. S. 340).
4) Verordn. des Polizeipräs. zu Berlin vom 9. IV. 88 (Samml. Bd. 1, S. 24),
des Regierungspräs. zu Cassel vom 23. III. 93 (A. Bl. S. 134).
5) Samml. Bd. 2, S. 19. Gleichlautend Verordn. des Regierungspräs. zu Potsdam
vom 25. I. 93 (A. Bl. S. 39).