26 Ole allgemelnen Kriegsvorbereltungen unserer Felnde.
holm auch in Schweden eine gewaltige Erregung verursachen. Ein letzter
Pariser Bericht, datiert vom Tage des Attentats von Serajewo, faßt
noch einmal vor- und rückschauend die Lage scharf ins Auge, spricht in
ernstester Besorgnie von den alles Maß übersteigenden russischen Rüstungen
und von den französischen Vorbereitungen. Gerade dieser letzte Bericht
des belgischen Vertreters in der französischen Hauptstadt ist bezüglich
der Frage nach der Schuld am Kriege ein besonders wirkungevoller
Entlastungezeuge für Deutschland.
Insgesfamt zeichnet sich das Bild mit voller Klarheit ab, daß
England fortgesetzt die kontinentalen Gegensätze mit allen Mitteln verschärft,
daß Frankreich aus der Unterstützung Englande immer neue Kraft
gesogen für die Verfolgung seiner Revancheidee, daß es schließlich zu
baldigem Loeschlagen gezwungen gewesen, weil es die Lasten der wieder--eingeführten
dreijährigen Dienstzeit auf die Dauer nicht hätte tragen
können, und daß Rußland, durch französisches Geld zu seinen Rüstungen
aufgepeitscht, sich in seiner Kriegslust gegen das verhaßte Deutschland
erzbereit glaubte. Deutschland allein konnte und wollte nach dem in den
belgischen Berichten entworfenen Bilde friedlich und in Ruhe den weiteren
Gang der Ereignisse abwarten, weil jedes Jahr ihm beträchtlichen Zuwachs
an Volks- und Wirtschaftskraft brachte, und weil die in Angriff
genommene Vermehrung seinee Heeres und seiner Flotte erst nach einigen
Jahren zur Vollendung gedieben wäre.
Diese eine so klare Sprache redenden belgischen Dokumente werden
ergänzt durch russische Veröffentlichungen nach der Revolution. Es
sei erinnert an die Enthüllungen des Suchomlinow-Prozesses vom August
I917, dessen Bedeutung im April 1918 von Professor Dr. Nobert Höniger
in der „Deutschen Rundschau“ an Hand der russischen Mobilisationsakten,
die als Kriegobeute in unseren Besitz gelangt sind, nach allen Richtungen
klargelegt worden ist. Da war klipp und klar nachgewiesen, daß Rußland
bereits seit dem 6. Mai 1914, sieben Wochen vor dem Mord von
Serajewo, in das Stadium der Gesamtmobilmachung eingetreten war.
Auch von diesen Nachweisen ist deutscherseits in der Offentlichkeit erstaunlich
wenig Gebrauch gemacht worden, obwohl bereits im Herbst 1914
durch die Vernehmung russischer Gefangener aus dem äußersten Osten
Asiens erwiesen war, zu welchem Zeitpunkt in Wahrhbeit die russische
Mobilmach ung begonnen hatte.
Unter den weiteren Veröffentlichungen aue russischen Gebeimarchiven
von bolschewistischer Seite beanspruchen namentlich die von Pokroweki
in der Moskauer „Prawda“ ans Licht gebrachten Dokumente lebhaftestes
Znteresse. Hier sehen wir vor allen Dingen wieder die Herren
Jewolski und Sasanow, aber auch die Grey und Genossen bei der Arbeit.