Contents : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

Gasvergiftung  —  Generalquartiermeister

oder  Patronen,  die  die  Einatmungsluft  von  schädlichen
  Gasen  befreien.  Auch  Pferde  und  Hunde  in
bedrohten  Abschnitten  erhielten  Gasmasken.  —  Bei
drohender  Gasgefahr  wurde  Gasalarm  mit
Glocken,  Pfeifen,  Tamtams  u.  a.  m.  gegeben.  Nach  der
Vergasung=  eines  Abschnittes  waren  noch  länger
andauernde  Vorsichtsmaßregeln  erforderlich,  weil  das
schwere  Gas  sich  in  Vertiefungen,  Kleidungsstücken,
Speisen  usw.  festsetzte.  Vgl.  Bd.  I,  S.  278  sowie  Gasvergiftung.

asvergiftung,  schädliche  Einwirkung  durch

Gase,  die  beim  Gaskampf  (s.  d.)  Verwendung  finden.
Schon  die  Explosionsgase  der  gewöhulichen  rtilleriegeschosse
  tönnen  beim  Einschlagen  großer  Geschosse
in  Keller  oder  tiefe  Unterstände  den  Tod  der  Besatzung
durch  Kohlenoxydvergiftung  bewirken.  Bei  Gasgranaten
  hängen  Stärke  und  Nachhaltigkeit  der  Giftwirkung
  von  der  Art  der  Gase  ab;  besonders  gefürchtet
find  zyanhaltige  Gase  wegen  ihrer  blitzschnellen  Wirkung,
  anderseits  Phosgengas  (vgl.  Gaskanuf),  weil
es  zuerst  keine  spürbaren  Wirkungen  verursacht,  sogar
die  Betroffenen  in  heitere  Stimmung  versetzt,  später
aber  höchst  gefährliche  Lungeneiterungen  veranlaßt.
Heilung  ist  oft  sehr  schwierig  und  langwierig;  zuweilen
scheint  sich  dauerndes  Siechtum  zu  ergeben,  auch
Todesfälle  sind  häufig.

„Gaulois,-,  franz.  Linienschiff,  kämpfte  vor  den
Dardanellen;  s.  Bd.  J,  S.  250  (18.  März)  u.  267.

Gavrelle,  Dorf  im  frz.  Dep.  Pas--de-Calais,  nordöstl.
  von  Arras,  war  einer  der  Hauptkanepfpunkte  in
der  Schlacht  bei  Arras  April-Mai  1917.  Vgl.  S.  14.

Gaza  (Ghaza),  Stadt  in  Südpalästina,  südwesttich
  von  Jerusalem.  Bei  G.  erfocht  der  türk.  General
Dschemal  Pascha  27.  März  und  18.  April  1917  zwei
Siege  über  die  Engländer,  deren  Frühjahrsoffensive
gegen  Palästina  dadurch  scheiterte.  Die  Türken  gaben
am  7.  Nov.  1917  angesichts  drohender  Umfassung  von
Beerseba  her  und  eines  Flottenangriffs  G.  auf.  Vgl.
S.  129.

Gazette  des  Ardennes,  (.  Kriegszeitungen.
Gebirgsgeschütze,  s.=  Die  Artillerie  im  Kriege-,

.  154

Geddes,  1)  Sir  Auckland,  engl.  Staatsmann,
Professor  der  Anatomie  in  Kanada.  seit  Aug.  1917
Minister  des  nationalen  Hilfsdienstes,  10.  Jan.  1919
Minister  für  Wiederaufbau,  25.  Aug.  1919  Präs.  des
Handelsamts,  1920  Botschafter  in  Washington.  —
2)  Sir  Eric,  engl.  Politiker,  geb.  1876  in  Indien,
1916—17  Generaldir.  der  Militäreisenbahnen  u.  Generalinspektor
  des  Transportwesens,  Juli  1917  Erster
Lord  der  Admiralität,  Jan.  1919  Minister  o.  Portef.

Gedenkblatt.  Am  27.  Jan.  1915  stiftete  der  deutsche
  Kaiser  den  Familien  der  Gefallenen  ein  künstlerisches
  G,  entworfen  von  Prof.  E.  Doepler  d.  J.  Ein
anderes  G.  wurde  den  Hinterbliebenen  gefallener
Marineangehöriger  gewidmet.

Gefechtsmast,  auf  großen  Kriegsschiffen  hoher
Stahlrohraufbau,  innen  mit  Treppen,  oben  mit  Geschützen,
  Scheinwerfern  und  Signalgeräten.

iß,  Anton,  Mehrheitssozialist,  bis  1918  bad.
Landtagsvizepräsident,  wurde  Nov.  1918  bad.  Ministerpräsident,
  Jan.  1919  auch  Kriegsminister,  April
1919  bad.  Staatspräsident.

Geisterwald,  Hügelland  i.  Siebenbürgen  zwischen
Fogaras  u.  Kronstadt,  war  Anf.  Okt.  1916  beim  Vormarsch
  der  9.  deutsch.  Armee  Wallenu  Schauplatz

elbbuch,  s.  Buntbücher.  6  iger  Kämpfe.

Geld.  Die  Verhältnisse  des  deutschen  Geldmark-239



tes  bei  Ausbruch  des  Krieges  und  die  ersten  Finanj.
maßnahmen  der  deutschen  Regierung  sind  Bd.  J.
S.  411ff.  sowie  S.  388  u.  382  geschildert.  —  Um  der
Metallgeldknappheit  zu  steuern,  sah  sich  Deutschland
Okt.  1915,  Osterreich-Ungarn  Nov.  1916  zur  Einführung
  von  eisernen  Münzen  veranlaßt.  Die
Fünf.  und  Zehnpfennigstücke  wurden  aus  Siemens-Martin-Stahl
  geprägt.  Zum  Schutz  gegen  Rost
dienten:  das  Passivmachen,  d.  h.  das  Eintauchen  in
bestimmte  Säuren,  die  den  Stahl  so  verändern,  daß  er
nicht  mehr  rostet,  auch  von  schwächeren  Säuren  nicht
mehr  angegriffen  wird,  sowie  das  Sherardisieren,  ein
besonderer  Verzinkungsprozeß  mit  Zinkstaub.  1910
und  1917  kamen  Münzen  aus  Zink  (10-Pfg.-Stücke)
und  Aluminium  (1.Pfg.  -Stücke)  hinzu.  Zinkmünzen
führten  u.  a.  auch  Bulgarien  und  Luxemburg  ein.
Deutsch-Ostafrika,  das  vor  dem  Kriege  keine  eigne
Münze  hatte,  prägte  in  Tabora  Metallgeld  aus  Messing
  von  Geschohhrsen.  Geräteteilen  u.  a.  —  Bald
wurde  auch  die  Ausgabe  anderen  Notgeldes  erforderlich.
  Nicht  nur  in  Deutschland  und  Osterreich.
Ungarn,  sondern  auch  in  den  feindlichen  Staaten
mußten  die  Regierungen,  ferner  Städte,  Gemeinden
und  selbst  private  Unternehmungen  Notgeld  als  Ersatz
  für  das  fehlende  *  eld  herstellen  (vgl.  auch
Bd.  L,  S.  415).  Diese  gedruckten  kurzfristigen  (in
Frankreich  u.  Belgien  langfristigen)  Notscheine  (als
„  Gutscheine,  rbegöwefellchein.,  !  Notstandsgeld
„Kriegsgeld  usw.  bezeichnet)  wurden  in  Werten  von
20  Mark  bis  herab  zu  5  Pfennig  ausgegeben.  Viele
waren  von  Künstlern  (Heinz  Schiestl.  Hhastein,  Fischinger,
  Ehmcke,  Bühler  u.  a.)  entworfen,  bes.  in  Süddeutschl.
  (Augsburg,  Kindenburgim  Algäuu.  a.)  sowie
mithumorvollen  Abbildungen,  Unterschriften  u.  Sprüchen
  versehen  (Bielefeld  mit  einer  Kohlrübe  und  den
Worten  Verbrauch  Winter  1916/17:  30000  Zentner“;
  Selb  „Biegen  oder  brechen,  Siegen  oder  blechen
  usw.).  Banken  gaben  Kriegswechsel  auf  1—
5  Mk.  aus,  die  von  der  Reichsbank  anerkannt  und
zum  Verkehr  zugelassen  wurden.  Diedurch  den  Russeneinfall
  in  Ostpreußen  geschaffene  Notlage  zwang  zur
Ausgabe  von  Papierstücken  aller  Art,  oft  von  zweifelhaftem
  Wert.  Für  den  Gebrauch  in  deutschen  und
öfterr.  Gefangenenlagern  galt  aus  Papier  gefertigtes
Lagergeld,  das  aber  nicht  gesetzliches  Fahrungs.
mittel  war,  damit  nicht  Münz=  oder  Papiergeld  durch
die  Kriegsgefangenen  dem  Verkehr  entzogen  und  Me.
tallgeld  ins  Ausland  verschleppt  wurde.  Offentliche
Sammlungen  von  Notgeld  bergen  besonders  das
Deutsche  Kulturmuseum  für  Buch  u.  Schriftin  Leipzig,
das  Städtische  Museum  für  Handel  und  Industrie  in
Köln,  die  Welikriegsbüchereiin  Berlin.  Vgl.  Schramm,
Deutsches  Notgeld  1914—19  (Leipz.  1619).  —  Vgl.
Zahlungsverkehr,  Valuta.
meinwirtschaft,  s.  Volkswirtschaft.
Gemona,  oberital.  befestigte  Stadt  am  oberen
Tagliamento,  wurde  von  der  österr.-ungar.  Armcegruppe
  Krauß  2.  Nov.  1917  erobert.
Generalfeldpostdirektor,  der  Leiter  des  österr.
ungar.  Feldpostwesens  (Hofrat  Vacklik).
neralissimus,  bei  der  Entente  oberster  Befehlshaber
  der  gesamten  Landstreitkräfte.
Generalkommando,  oberste  Kommando=  und
Verwaltungsbehörde  eines  Armeekorps;  im  Kriege
tritt  an  dessen  Stelle  in  der  Heimat  das  Stellvertretende
  G.,  mit  vollziehender  Gewalt.
Generalquartiermeister,  erster  Gehilfe  des  Generalstabschefs
  im  Kriege,  hat  die  Oberaufsicht  über