Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1824. (1)

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zu  Colmar  den  Zoll  seiner  Verehrung  dar  in  der  sogenannten
Chronik  von  Colmar,  welche  die  Geschichte  Rudelfs  und  seiner  beiden
Nachfolger  im  Reich  bis  1304  erzählt.  Das  Buch  ist  dem  Anscheine
nach  mit  Sachkenntnis  geschrieben  und  liest  sich  wie  eine  Reihe  von
Novellen  mit  lebhaftem  Dialeg  und  allerlei  pikantem  Aufpu#z.
Diese  Mönche  kamen  überall  umher,  verkehrten  mit  allen  Ständen,
vom  Kaiser  bis  zum  Bettler,  wurden  zu  manchem  benutzt,  in  vieles
halb  eingeweiht,  den  Rest  mochten  sie  errathen.  Man  empfängt
bei  der  Schrift  den  Eindruck,  als  ob  eine  Anzahl  solcher  weitgereister
  Herren  sich  eines  schönen  Tages  bei  einem  guten  Diner  zusammenfinden
  und  sich  gegenseitig  ihre  Geschichten  auftischen,  möglichst
  in  dem  Ton  von  Leuten,  die  dabei  gewesen  sind:  ungefähr
wie  englische  Reporters,  die  sich  in  den  Hauptquartieren  kriegführender
  Mächte  aufhalten  dursten.

Ein  anderer  Dominicaner  von  Colmar  verfaßte  geographischstatistische
  Arbeiten  über  Deutschland  und  das  Elsaß,  sowie  Annalen
bis  1305.  Der  Mönch  macht  seine  Aufzeichnungen  von  Jahr  zu
Jahr  mit  der  Naivetät  eines  jungen  Mädchens,  das  ihr  Tagebuch
führt  und  ein  neues  Kleid,  das  sie  bekemmt,  mit  derselben  Wichtigkeit
  einträgt,  wie  die  Capitulation  von  Sedan.  Wenn  man  sich
den  Inhalt  einer  Zeitung  bunt  durcheinander  gewürfelt  denkt,  jetzt
ein  Stück  Feuilleton,  dann  ein  Stück  Inland,  jetzt  ein  Stück  Tagesneuigkeiten,
  dann  ein  Stück  Ausland,  jetzt  ein  Stück  Volkswirthschaftliches,
  dann  ein  Stück  Meteorologisches:  so  bekommt  man  ungefähr
  ein  Bild  dieser  sonderbaren  Arbeit.

Jedenfalls  aber  liefert  sie  mit  ihren  Notizen  aus  allen  Lebensgebieten
  den  Beweis,  wie  vielfeitig  die  Interessen  dieser  Mönche
waren.  Wie  sollten  sie  auch  nicht?  Albert  der  Große,  ein  schwälischer
  Edelmann,  den  seine  Zeit  den  Doctor  universalis  nannte,
den  die  unfrige  mit  Alexander  ven  Humboldt  vergleicht,  ein  Mann,
der  den  ganzen  Umfang  des  damaligen  Wissens  beherrschte  wie  kein
Zweiter,  und  der  namentlich  in  der  Naturferschung  Epoche  machte,
Albert  der  Große,  war  auch  ein  Dominicanermönch.  Seine  mannig-5