Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1824. (1)

Orts,  nach  der  Gewerbsamkeit  und  den
sonstigen  oͤkonomischen  Verhaͤltnissen  der
Einwohner,  nach  der  Gattung  der  Waaren,
  und  nach  der  mehr  oder  minder  vortheilhaften
  Gelegenheit,  welche  bisher  schon
fuͤr  die  Anschaffung  derselben  gegeben  war,
zu  beurtheilen,  in  keinem  Fall  aber  der
Errichtung  eines  Krams  an  Orten  Statt  zu
geben,  wo  in  den  Artikeln,  von  welchen
die  Rede  ist,  bereits  ein  kaufmaͤnnischer
Handel  betrieben  wird,  der  das  Beduͤrfniß
der  Orts-Einwohner  befriedigt.

g.  3.

In  Beziehung  auf  die  Person  des  Concessionsuchenden
  bommt  in  Betracht,  ob
derselbe  von  unbescheltenem  Rufe  seyc,  oder
wenigstens,  wenn  er  früher  Verfehlungen
sich  zu  Schulden  gebracht,  das  Vertrauen
in  seine  Person  durch  nachherige  gute  Aufführung
  wieder  hergesiellt  habe.  Auch  ist
darauf  Rücksicht  zu  nehmen,  in  wie  fern
das  Kram-Gewerbe  als  Mittel  zu  seinem
Fortkommen  für  ihn  Bedürfniß  sey,  und
demnach  keinem,  bei  welchem  dieses  nicht
mehr  oder  weniger  der  Fall  ist,  ohne  besondere
  für  sein  Gesuch  sprechende  Gründe,
die  Concession  zu  ertheilen.

6.  .
Der  Concessionirte  hat  sich  in  die  Hand-31



lungs-Innung  des  Oberamts-Bezirks  aufnehmen

  zu  lassen.  Er  kann  keine  andere

kaufmaͤnnische  Waaren  fuͤhren,  als  welche
das  Concessions-Dekret  ausdruͤckt.
C.  5.

Die  ertheilte  Kram-Berechtigung  kann
nach  dem  Tode  des  Krämers  von  dessen
Wittwe,  so  lange  sie  im  Wittwenstand
bleibt,  ausgeübt,  außerdem  aber  nicht  auf
andere  Personen  übertragen  werden.

g.  6.
1  Ueber  diebeider  Beurtheilung  einces  Kram-Concessir-?-Gesuchs
  zu  berücksichtigenden
Umsiände  hat  sich  das  Oberamt  durch  Vernehmung
  des  Gemeinde-Raths  und  der  Vorsteher
  der  Handels-Innung  zu  unterrichten.

-'2
Der  Verkauf  selbstfabrizirter  Waaren,
deren  Fabribation  nicht  in  der  ausschließlichen
  Befugniß  eines  zünftigen  Handwerks
  liegt,  ist  weder  von  einer  besondern
Concession,  noch  von  der  zünftigen  Erlernung
  des  Handels-Gewerbes  abhängig.
*i
Vorstehende  Bestimmungen  sind  nur
auf  den  ordentlichen  Kram,  welcher  mittelst
  offenen  Ladens  in  dem  Wohnort  des
Krämers  getrieben  wird,  anwendbar.
Gesuche  um  Erlaubniß  zum  Hausir=  oder
Landhandel  sind  wie  bisher  der  betreffenden
  Kreis-Regierung  vorzulegen.
Stuttgart  den  29.  Jannar  132-4.
Schmidlin.