unseree Gefühle hat tief einschneidende Folgen auch für unser Wirtschaftsleben,
bringt die Gesamtheit und jeden Einzelnen um die Früchte seines Fleißee.
Deun: die Entfesselung des strupellosen Wirtschaftsegoiemue, welche die
entsetzlichste und verhängnieträchtigste Folge der falschen Kriegswirtschaftsmaßnahmen
ist und zugleich ein letzter gräßlichster Erfolg der uns von der Weltwirtschaft
abschneidenden Hunger- und Rohstoffblockade — sie hat unser gesamtes
Arbeite- und Erwerbeleben unter die Grundeinstellung des Wuchers,
das ist der Uberforderung auf Grund des Besitzmonopole, gezwungen. Jeder
versucht sein Eigentum an lebensnotwendigen Erdgütern so teuer als möglich
loszuschlagen. Jeder Besitzende wuchert heute — nicht zuletzt der Deutsche,
der nichts ale selne zwei Arbeltshände besitzt, mit eben dieser Arbeitekraft.
Eine Volkswirtschaft ist aber nur gesund, solange das genauentgegengesetzte
Prinzlp sie beherrscht: das Streben jedes einzelnen, das Beste möglichst billig
nicht nur herzustellen, sondern auch zu verdußern. Die gegenseitige Unterbietung
ist, so parabox das auch klingen mag, die Grundlage eines blühenden Gemeinschaftslebene.
Wenn, wie heute in Deutschland, jeder auf Erzielung einee
möglichst hohen Gewinnes nicht durch Steigerung seiner Gesamtleistung, sondern
durch Herabdrückung dieser Gesamtleistung und gleichzeitige Erzielung eines
Mmöglichst hohen Gewinnes für jede Einzellelstung ausgebt — dann schrauben
wir uns gegenseitig mit unseren Ansprüchen bie zur Schwindelhshe des Unmsglichen
empor. Die Folge ist ein wirtschaftlicher Kampf aller gegen alle, der
zu dem politischen eine furchtbare Parallele zleht.
Hier kann nur eine tiefinnere Umkehr belfen. Und woher soll die kommen?
Die grimmige Not wird siee ne Tages erzwingen. Aber was da vorher alles
noch in Trümmer geben m
Es scheint fast ast angesichte der wirtschaftlichen und polltischen
Entwicklung Deutschlande — und übrigene der ganzen Welt — noch an etwas
wie einem menschheitlichen und gar nationalen Optimiemus festhalten zu wollen.
Wir habemse sa an Rußlande Beilspiel erlebt, daß der Selbstmord elnes Zwelhundert-Millionenoolkes
eine grauenhafte Möglichkeit unserer bie zum Frrsinn
überspannten und aus den Fugen geratenen Gegenwart ist — die Rache der
Dinge am Größenwahn des menschlichen Geistes, der sich zum Herrn der Erde
aufgeworfen hat, obne die Herrschaft über sich selbst erlangt zu haben.
Und dennoch, meine Freunde, wir glauben, nicht wahr? — an die Wiedergeburt
unseres deutschen Vaterlandes. Wir glauben — weil wir glauben müssen.
Well ohne diesen Glauden unser Leben selnen Sinn verloren hätte. Weil ohne
ihn wir wandelnde Automaten geworden wären, deren Uhrwerk seelen- und
zwecklos abschnurrte, bis die Feder still stände, die, von rätselhafter Macht aufgezogen,
seinen Lauf beschwingt.
Wir glauben, weil die Geschichte une belehrt, daß in unserem Volke geheimnlevolle
Kräfte leben, die es schon unzählige Male aus gleich tragischem
Verfall wieder emporgerissen haben. Unser Warten auf den Augenblick, da
dlese Genesungemächte beginnen werden sich auszuwlrken, ist von einem ungebeuren
Spannungerelz. Aber wir dürfen uns nicht tatenloe diesem Seelenkitzel
bingeben: in unserer Hand liegt es, die Gesundung zu beschleunigen durch Entschluß
und Tat.
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