348 Bayern unter Koͤnig Max J Joseyph.
lichkeit ein, zu jedem Bundeskriege 30,000 Mann zu stellen,
wofür ihm durch drei Artikel der Bundesakte namhafte Vortheile
zugewendet wurden. Die Artikel 13 und 17 bestimmten, daß
Bayern die erkaufte Herrschaft Wiesen steig und die Landvogteirechte
auf die Abtei Wiblingen bei Ulm an Württemberg abtrete
und zum Ersatz die Reichsstadt Nürnberg mit Gebiet
(20 Quadratmeilen mit 80,000 Seelen), sowie die Deutschordens-Comthureien
Rohr und Waldstetten erhalte. Noch größer
war der Gewinn, der Bayern aus dem 24. Artikel der Bundesakte
zufloß. Nach diesem wurden viele, bisher unabhängige
deutsche Reichsfürsten und Reichsgrafen der Landeshoheit
einzelner Bundesglieder untergeordnet und so aus unmittelbaren
Fürsten und Herren zu mittelbaren gemacht, d. h. sie
wurden mediatisirt.
Der König von Bayern erhielt alle Landeshoheitsrechte über
folgende Herrschaften:
1) Fürstenthum Schwarzenberg (Markt Scheinfeld, Schloß
Schwarzenberg, Geiselwind, Seehaus, Nordheim, Erlach,
Marktbreit, Michelbach);
2) Grasschaft Castell (Castell, Remlingen, Rüdenhausen);
3) Herrschaft Speckfeld (Markt Einersheim, Sommerhausen,
Winterhausen); 1
4) Herrschaft Wiesentheid (Dorf und Schloß gl. N. des Grafen
Schönborn);
5) Fürstenthum Hohenlohe, soweit es von der Markgrasschaft
Ansbach und dem Rothenburger Gebiet unschlossen ist
(SSchillingsfürst, Kirchberg a. d. Jart);
6) Gefürstete Grasschaft Sternstein in der Oberpfalz (Neustadt
an der Waldnaab, Schönsee, Dorf Sternstein mit Schloßruine
— 1807 ganz an Bayern übergegangen);
7) Fürstenthümer Oettingen (Oettingen, Aufkirch, Mönchsroth,
Dürrwangen, Spielberg, — Wallerstein, Bissingen, Allerheim,
Harburg, Hohenaltheim, Deggingen);
8) die Besitzungen des Fürsten von Thurn und Taxis, welche
nördlich vom Fürstenthum Neuburg liegen (Eglingen, Dischingen,
Neresheim, Balmershofen — in der Folge zu Württemberg);
9) Grasschaft Edelstetten (des Grafen Esterhazy) im Bereiche
der ehemaligen Markgrafschaft Burgau;
10) die Besitzungen der Fürsten und Grafen Fugger (Baben-