Full text : Illustriertes Realienbuch.

 

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20.  Deutsche  Stadt  im  Mittelalter.

kam  später  zu  großem  Reichtum  und  artete  aus.  Philipp  der  Schöne
lockte  ihn  nach  Frankreich,  ließ  ihn  vom  Papste  aufheben,  verbrannte  den
letzten  Ordensmeister  und  eignete  sich  die  Schätze  an.  —  Die  Ritter  des
deutschen  Ordens  trugen  ein  schwarzes  Kreuz  auf  dem  weißen  Mantel.
Sie  wurden  später  nach  Preußen  gerufen  und  machten  das  heidnische,
wilde  Land  durch  Schwert,  Wort  und  Pflugschar  zu  einem  christlichen  und
deutschen.  Der  Hochmeister  hatte  seinen  Sitz  in  der  prächtigen  Marienburg
  an  der  Nogat.  Die  Macht  des  Ordens  verfiel,  als  er  von  seiner  Ein—
fachheit  und  Sittenstrenge  abwich.  Preußen  wurde  1525  ein  weltliches  Herzogtum
  unter  Albrecht  I.  von  Brandenburg.

2.  Das  Bürgertum.  Anfänglich  wollten  sich  die  Bewohner  des  platten
Landes  nicht  zwischen  den  Mauern  der  Städte  „lebendig  begraben“.  Doch
mehr  und  mehr  entstand  ein  großer  Zudrang  dahin,  als  man  sah,  wie  sicher
und  gut  man  da  lebte,  und  wie  alle  Werke  des  Friedens  gediehen.  Die
Städte  waren  mit  Wallgräben  und  Mauern  umgeben,  auf  denen  runde  und
eckige  Türme  standen.  Die  engen  Thore  wurden  jeden  Abend  geschlossen.  Durch
die  schmalen,  krummen  und  schmutzigen  Straßen  wurde  das  Vieh  auf  die
Weide  getrieben  und  jeden  Morgen  von  dem  Hirten  mit  dem  Horn  zusammen
„getutet“.  Die  Häuser  standen  mit  dem  Giebel  nach  der  Straße,  hatten  übergebaute
  Stockwerke  und  als  Zierden  allerlei  Schnitzwerk,  Bilder  und  fromme
Sprüche.  Die  einzelnen  Gewerke  schlossen  sich  zu  Zünften  zusammen  und
suchten  ihre  Erzeugnisse  immer  mehr  zu  vervollkommnen.  Die  Lehrlinge
wurden  nach  mehrjähriger  Lehrzeit  und  einer  Prüfung  Gesellen.  Diese
gingen  dann  von  Stadt  zu  Stadt  auf  die  Wanderschaft,  um  sich  weiter  auszubilden.
  Dabei  „grüßten  sie  das  Handwerk“  mit  bestimmten  Sprüchen  und