B.
Die Theorien des internationalen Strafrechts.
Das Territorialprinzip.
Wenn man durch die räumliche Umgrenzung der ddelinquierenden
Personen das Strafrecht des Staates aus der
subjektiven Seite des Verbrechens herleitet, so kommt man
zum Territorialprinzip. Denn nach diesem unterliegen die
von allen denjenigen Personen, die sich im Territorium des
Staates aufhalten, begangenen strafbaren Handlungen —
aber auch nur diese — der Strafgewalt des Staates. Dies
sagt schon eine These des Instituts für internationales Recht
vom 7. September 1883: „La competence territoriale de
la loi penale est celle du pays oü söjourne le coupable lors
de son activit& ceriminelle‘t); denn „daß alle im Inlande
begangenen Verbrechen bestraft werden, versteht sich von
selbst‘). Dies ist auch insofern richtig, als der Staat
verlangen kann, daß er in seinem Territorium unbedingter
Herrscher ist und die Handlungsfreiheit der sich in seinem
Gebiete aufhaltenden In- und Ausländer durch Strafgesetze
soweit begrenzen kann, wie es ihm gut dünkt, „denn ohne
dies würde unser Staat nicht Herr in seinem Territorium sein
und die Achtung seiner Rechtsordnung von dem Gutbefinden
des Heimathsstaats der Ausländer abhängig machen‘). Ja
1) Annuaire, 8. 123.
?) v. Lilienthal, Zeitschrift 8. 267.
®) v. Bar, Kritik 8. 43.