Full text : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

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Friedrichsruh,  5.  Januar  1891.

Unterredung  mit  dem  Schriftsteller  Max  Bewer,
betreffend  Brandes,  das  Rembrandbuch,  die  Fürsorge
  für  den  deutschen  Bauern,  die  Konservativen.“

Bismarck:  „Ihr  Streit  mit  dem  Dänen  Brandes  hat
mir  viel  Spaß  gemacht,  den  haben  Sie  gründlich  abgeführt;
was  Sie  geschrieben  haben“)  ist  besser,  als  wenn  Sie  ihm
eine  ordentliche  Quart  gehauen  hätten.“

Bewer  erwiderte,  daß  sein  Freund  Brandes  im  Gegenteil
triumphiere  und  kürzlich  erst  von  einem  deutschen  Blatte
engagiert  worden  sei,  über  geistige  Dinge  in  Deutschland  zu
urteilen.

Bismarck:  „Von  einem  deutschen  Blatt?“

Bewer:  „Vom  „Berliner  Tageblatt“.

Bismarck:  „Nun,  da  gehört  er  auch  hin!“

Jetzt  mischte  sich  Graf  Herbert  ins  Gespräch  und  meinte,
daß  Brandes  überhaupt  wohl  international-literarische  Beziehungen
  unterhalte.  Bewer  erwiderte,  daß  er  ein  Elied

genug  unter  den  feindlichen  Anstürmen  gegnerischer  Reden,  vor
der  Oeffentlichkeit  gesprochen  hatte  und  in  seiner  Art  wohl  der
erste  Redner  seiner  Zeit  gewesen  ist,  bei  der  Aufgabe,  eine  harmlose
  Tischrede  zu  halten,  vom  Lampenfieber  ergriffen  wurde.  Vielleicht
  erklärt  sich  dies  so,  daß  Bismarck  als  ein  Mamn,  dessen
ganzes  Denken  und  Handeln  stets  nur  auf  ein  praktisches  Ziel,
auf  reale  Wirkung  gerichtet  war,  jene  sogenannte  „Rednergabe“
nicht  besaß,  die  in  schöner  Form  augenblicklichen  Empfindungen
(Ausdruck  geben  kann,  zu  keinem  anderen  Zweck,  als  um  die
Stimmung  zu  heben.  Handelte  es  sich  aber  um  reale  Dinge,
dann  konnte  er  mit  seinem  Wort  „hart  hinter  ihnen  her“  sein  und
die  gewaltigsten  Rednertriumphe  feiern.

*)  Entnommen  der  Broschüre:  „Bismarck  von  Max  Bewer,
Dresden;  Druck  und  Verlag  der  Druckerei  Glöß  1891.

*)  Bismarck,  Moltke  und  Goethe,  eine  kritische  Abrechnung
mit  Dr.  Georg  Brandes,  Düsseldorf  1890.  Verlag  von  Felir
Bergel.  Preis  Mk.  1.—.