180 Der Deutsch-dänische Krieg.
Der Wunsch des Preußen sollte bald in Erfüllung gehen.
In diesem Augenblicke ließen sich aus der Entfernung Stimmen und immer
lauter erschallendes Gelächter hören. Die Herannahenden waren, das hatte
man bald weg, höhere Offiziere. Ein Preuße sprang auf und ging auf eine
der Ordonnanzen zu, welche dem Trupp Reiter folgten.
Bald kehrte er zurück und berichtete folgendes: Der Kronprinz von
Preußen hatte eine Vorpostenkette abreiten wollen und war dabei von einem
österreichischen Posten angehalten worden.
„J bitt' halt schön um d'Losung“, sagte der Wachstehende.
„Ich bin ein preußischer Offizier.“ »
„Glaub's schon, aber die Losung?“ wiederholte dringender der Osterreicher.
„Die habe ich vergessen“, mußte der Prinz zugestehen, worauf ihn der
Mann ersuchte abzusteigen und ihn zum Arrestanten erklärte. In demselben
Augenblicke kam aber der zur Begleitung des Prinzen kommandierte österreichische
Adjutant heran und befreite den vergeßlichen Herrn. Dieser ergötzliche Zwischenfall
gab Veranlassung zu heiterer Rede und Gegenrede. Der Posten durfte
das ihm für die gewissenhafte Pflichterfüllung vom Prinzen angebotene Geldstück
allerdings jetzt nicht annehmen, und so bewahrte es denn der Offizier für
den Soldaten auf.
Zu der Zeit, als Prinz Friedrich Karl Vorbereitungen traf, die Schanzen
von Düppel wegzunehmen, wurde etwas südlicher einer der kecksten Handstreiche
dieses Krieges ausgeführt. Die achte Kompanie des fünften brandenburgischen
Regiments (Nr. 48), unter Befehl des Hauptmanns von Mellenthin, setzte
auf Kähnen bei hochgehender See von Heiligenhafen nach Fehmarn über, nahm
die dänische Besatzung gefangen und eroberte die Insel, just gerade, als zwei
feindliche Kanonenboote vor derselben kreuzten! . »
Solche Züge kühner Entschlossenheit, verbunden mit vorsichtiger Uberlegung,
haben den Ruf der preußischen Offiziere in diesem Kriege glänzend
bewährt. Sie zeigten sich nicht nur tapfer, sie waren auch kundige und unerschrockene
Führer, und ihrer vorsichtigen Gefechtsleitung waren die geringen
Verluste bei großen Erfolgen zu danken.