Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beutiches  Reich.  (Februar  12.)  107

12.  Febr.  Keine  Verhandlungen  zwischen  Deutschland  und  Amerika.

Zu  der  von  „Reuter“"  verbreiteten  Meldung  der  „Associated  Preß"“,
wonach  die  deutsche  Regierung  an  die  Vereinigten  Staaten  eine  Note  gerichtet
  habe,  in  der  sie  um  Vorschläge  für  die  Vermeidung  des  Krieges  ersuchte,
  teilt  „WTB.“  halbamtlich  mit:  Diese  Meldung  ist  vollständig  aus
der  Luft  gegriffen,  sie  ist  übrigens  nach  einem  von  dem  „Temps“  veröffentlichten
  Telegramm  aus  New  Vork  bereits  von  Lansing  und  dem  Schweiz.
Gesandten  in  Washington  Ritter  dementiert  worden.  (S.  auch  S.  109  f.)

Bei  den  von  Deutschland  eingeleiteten  Besprechungen  handelte  es  sich
um  die  Auslegung  des  preuß.-amerik.  Freundschaftsvertrages  vom  Jahre  179#.
(S.  Ver.  Staaten  10.  Febr.)

12.  Febr.  Internationale  Gewerkschaftskonferenz?

Aus  Stockholm  wird  der  „Intern.  Korr.“  gemeldet:  Auf  Veranlassung
der  gewerkschaftlichen  Zentrale  Schwedens  hat  das  Internationale  Gewerkschaftliche
  Sekretariat  in  Berlin  bei  den  Gewerkschaften  der
standinav.  Länder  angefragt,  ob  sie  geneigt  wären,  sich  auf  einer.  internationalen
  gewerkschaftlichen  Konferenz  vertreten  zu  lassen.  Die  französischen,
belgischen  und  deutschen  Landeszentralen  haben  einer  solchen  Konferenz
zugestimmt,  während  von  englischer  Seite  keine  Zusage  über  eine
Teilnahme  eingetroffen  sei.  Die  schwed.  Landeszentrale  hat  ihre  Teilnahme
zugesagt,  vorausgesetzt,  daß  auch  die  andern  nord.  Länder  sich  vertreten  lassen.

Eine  spätere  Meldung  aus  Kristiania  besagt:  Das  Sekretariat  der
gewerkschaftlichen  Landeszentrale  der  Arbeiter  Norwegens  hat  vom  Präsidenten
  des  Internationalen  Gewerkschaftsbundes,  Carl  Legien,  eine  Mitteilung
erhalten,  daß  die  Delegierten  der  schweiz.  Landeszentrale,  die  die  Weihnachtskonferenz
  der  franz.  Gewerkschaften  besuchten,  ein  Einverständnis  erzielten,
wonach  die  französischen,  spanischen,  italienischen,  belgischen  und
möglicherweise  auch  die  englischen  Landeszentralen  sich  bereit
erklärten,  Vertreter  zu  einer  internationalen  gewerkschaftlichen  Konferenz,
die  von  der  schweiz.  Landeszentrale  in  der  Schweiz  veranstaltet  werden
sollte,  zu  senden.  Aber  nur  unter  der  Voraussetzung,  daß  Legien  diesem
Vorschlage  zustimmt.  Legien  teilt  in  seinem  Schreiben  mit,  daß  er  die  Frage
als  außerordentlich  wichtig  betrachte  und  daß  nichts  versäumt  werden  dürfe,
was  geeignet  sei,  die  gewerkschaftliche  Internationale  wieder  zusammenzubringen
  und  gleichzeitig  für  die  Verbreitung  des  Friedensgedankens  unter
den  Arbeitern  aller  Länder  zu  wirken.  Er  sei  deshalb  mit  dem  schweiz.  Vorschlag
  einverstanden  und  diese  Stellungnahme  werde  von  den  deutschen  Gewerkschaften
  gebilligt.  Legien  hat  somit  die  Angelegenheit  den  Landeszentralen
zur  Abstimmung  vorgelegt.  Das  norwegische  Sekretariat  hat  dem  Vorschlage
über  die  Abhaltung  der  Konferenz  zugestimmt  und  Legien  hierüber  telegraphisch
  benachrichtigt.  Es  wird  auch  erwartet,  daß  die  Konferenz  so  zahlreich
  und  möglichst  vollständig  beschickt  werde,  daß  sie  als  wirkliche  Vertreterin
  der  gewerkschaftlichen  Internationale  werde  betrachtet  werden  können.

Der  „Vorwärts“  schreibt  dazu:  Zum  erstenmal  seit  dem  Ausbruch
des  Krieges  nimmt  somit  der  Gedanke  eines  internationalen  Arbeiterkongresses
während  des  Krieges  festere  Gestalt  an.  Daß  seine  Verwirklichung  solange
auf  sich  warten  ließ  und  auch  jent  noch  nicht  vollständig  gesichert  ist,  liegt
an  den  tragischen  Umständen  der  Kriegsentstehung  und  an  den  bedauerlichen
  Irrtümern,  denen  sich  die  Arbeiter  des  Auslands  über  die  Haltung
ihrer  Kameraden  in  Deutschland  hiagaben.  Es  liegt  vielleicht  bis  zu  einem
gewissen  Grade  daran,  daß  sich  die  Arbeiter  anderer  Länder  den  seelischen
Einflüssen  der  politischen  Kriegführung,  wie  sie  von  den  Regierungen  getrieben
  wurde,  zugänglicher  zeigten  als  die  deutschen.  Aber  davon  soll  in