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Augenblick die Realisierung einer dauerhaften Neutralitätsbasis
für die Zentralmächte, die nur ungehinderte
Durchfuhr ihrer Materialien nach dem neutralen
Bulgarien verlangten und dafür weites Entgegenkommen
boten, möglich erscheinen. Allein wieder
überwog bei der rumänischen Regierung die eingebildete
Aussicht auf größeren Gewinn durch künftigen
Anschluß an Rußland. Der verblüffende Erfolg
der Deutschen und ÖOsterreicher in Serbien brachte
in Rumänien eine Ernüchterung, und das Ministerium
wankte. Aber aus biöher noch nicht öffentlich
geklärten Ursachen vermochie sich schließlich der rußlandfreundliche
Ministerpräsident Bratianu zu hallen,
ohne sein Ministerium durch Aufnahme neutralitätsfreundlicher
oder deutschfreundlicher Parteiführer umagestalten.
Von da ab fanden die Verhandlungen
ratianus mit der russischen Regierung immer offener
statt, und der Anschluß des rumänischen Offizierkorps
an das russische wurde immer deutlicher. Als im
Sommer 1916 den Russen die Eroberung von Luzk,
Giernowiß und der Bukowina gelang, benutzte Rußland
die Gelegenheit, um den rumänischen Ministerfrandenten
durch die Androhung eines gewaltamen
Durchmarsches russischer Truppen durch die
Moldau zur Entscheidung zu zwingen. die, in blindem
Vertrauen auf ungeheuerliche russische Verheißungen
territorialer Vergrößerung, gegen die Zentralmächte
aussiel.
Aller Erwartung widersprechend, dankte König
Ferdinand, der ehemalige deutsche Offizier, nicht ab,
sondern übernahm den Oberbefehl und identifizierte
sich sogar mit der Art der Kriegserklärung, die als
perfider überfall auf die schwachen ungarischen Grenzwachen
in den Karpathenpässen zustande kam. Den
vielen tausend reichs deutschen und österreichisch-ungarischen
Staatsangehörigen in Rumänien wurde die
Rückkehr ohne jede Warnung versperrt, und sie wurden
unter vielen Mißhandlungen ciner Internierung
in rücksichtslosester Form unterworfen.
Trotzdem brachte es die rumänische Eroberungsarmee,
die in Siebenbürgen eindrang, nur zu einem
Augenblickserfolg. Sobald dort deutsche Truppen erschienen
und den Widerstand aufnahmen, gelang
es unter Leitung des Generals v. Falkenhayn schnell,
Siebenbürgen zu säubern.
Bulgarien war von den Rumänen im Augenblick
ihrer Kriegserklärung an ÖOsterreich-Ungarn durch
Schießereien an der Grenze provoziert worden und
griff wenige Tage nach der Kriegserklärung Rumäniens
in den Kampf ein. Unter Leitung des Feld-I.
Politik und Geschichte
marschalls v. Mackensen wurde von bulgarischen und
reichsdeutschen Truppen die zur Festung ausgebaute
Stadt Tutrakan erobert, Silistria genommen und die
bulgarische Grenze in schnellem Forrücken bis zur
Linie Tschernawoda—Konstanza vorgeschoben-Während
der Zeit zwischen diesen Erfolgen und der
schließlichen Besetzung der ganzen Walachei und Dobrudscha
durch die verbündelen Heere der Zentralmächte
versuchten nicht nur russische Hilfstruppen,
sondern auch französische Offiziere die Widerstandskraft
der rumänischen Armee zu stärken. Außerdem
aber erschienen im Land englische Agenten, die im
Augenblick des Vorrückens der Verbündeten einen
großen Teil des im Lande aufgestapelten Getreides
und Maismehls vernichteten und fast die gesamten
Petroleumquellen, Tankanlagen und Raffinerien zerstörten.
Gleichzeitig wurde von den russischen Truppenkörpern
das in Polen geübte System der Zerstörung
aller Ortschaften auf ihrer Rückzugslinie nach
Möglichkeit durchgeführt und die rumänische Bevölkerung
zur Flucht nach der Moldau und Rußland
veranlaßt oder gezwungen. Auch ein Teil der internierten
deutschen und österreichisch= ungarischen ##
vilbevölkerung wurde verschleppt. So wurde die
Moldau, wo allein in Erinnerung an die Leiden unter
den früheren russischen Durchzügen und Besetzungen
das Feindschaftsgefühl gegen Rußland in breiteren
Schichten fortlebte, zum Friedhof jenes vertriebenen
Elends und zum Schauplatz der Unordnung,
Gewalttätigkeit und Teuerung, die das geschlagene
rumänisch-russische Heer dorthin mitbrachte.
Der rumänische Bauer aber, der niemals politische
Partei ergriffen, sondern sich stumpf den Befehlen
seiner Führer gefügt hatte, nahm die deutschen Sieger
willig auf. Auch die Kreise des Handels und der
Gebildeten, die nicht geflohen waren, fanden sich leicht
mit der deutschen Besetzung und Verwaltung ab, die
sofort mit einer Reorganisation begann.
Literatur. Annuarul statistic al Romfniei, (Bukarest,
seit 1909); Armata romänä in timpul ultimilor 40
de anni, 1866—1906= (das. 1906); L. Colescu, Proresche
economice ale Romfhniei (das. 1907); M. Serban,
Rumäniens Agrarverhältnisse (Berl. 1914); C. G.
Antonescu, Die rumänische Handelspolitik von 1875—
1910 (Leipz. 1915); J. F. Neigebaur, Die Donaufürstentümer
(Bresl. 1854); E. Fischer, Die Kulturarbeit
des Deutschtums in Rumänien (Hermannstadt 1911); „Aus
dem Leben König Carls von Rumänien= (Stuttg. 1891—
1900, 4 Bde.); N. Jorga, Geschichte des rumänischen
Volkes im Nahmen seiner Staatsbildungen (Gotha 1905);
O. Freiherr von Dungern, Rumänien (das. 19160).
Die neufralen Mächte Europast
von Professor Dr. Richard Sternfeld in Berlin-Zehlendorf
Die Schweiz. Kein neutraler Staat hat unter dem
Weltkrieg so schwer zu leiden gehabt wie die Eidgenossenschaft.
Die Gefahr, selbst in den Krieg hineingezogen
zu werden, die dadurch bedingten großen Ausgaben
für den Grenzschutz, die wirtschaftliche Bedrängnis,
der keine Riesengewinne gegenüberstehen, die
Spaltung und Erhitzung der drei Sprachengebiete —
das alles machte die Stellung der Schweiz sehr schwie-1
Abgeschlossen Ende Jum 1917.
rig. Trotzdem hat ihre Regierung die Neutralität
mit peinlicher Ehrlichkeit gewahrt.
Daß die Stimmungen der Bürger hierheftig gegeneinander
fluteten, ist begreiflich. In der welschen
Schweiz spricht die Gemeinsamkeit der Sprache und
Rasse zu stark mit, als daß die Sympathien nicht
ganz auf der Seite Frankreichs stehen sollten, besonders
wenn eine geworbene Hetzpresse die Gemüter geen
Deutschland aufreizte. Nicht so schlimm war es im
5i sin, weil hier irredentistische Bestrebungen wenig
Boden finden. Die deutsche Schweiz hat sich,
wenn auch mehr oder weniger kühl dem Lebenskampf
des Deutschen Reiches zusehend, von deutschfeindlichen