Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

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preußischen  Armee.  Von  Natur  mehr  für  Kunst  und  Wissenschaft
  beanlagt,  ward  er  durch  seinen  Patriotismus  zu  der  kühnen
Tatkraft  eines  großen  Feldherrn  begeistert.  Er  ist  der  Retter
Berlins  gewesen  und  hat  mit  seinen,  größtenteils  aus  Landwehr
bestehenden  Truppen  1813,  1814,  1815  die  meisten  Erfolge  im
Felde  gehabt.  Ihm  gleich  an  Einsicht  und  Energie  zeigte  sich
Graf  Boguslaw  Friedrich  v.  Tauenzien  (geb.  15.  September
1760  zu  Potsdam,  +  1824).

Den  einzigen  Sieg,  den  die  Böhmische  Armee  gewann,  bei
Kulm,  verdankte  sie  nur  der  patriotischen  Entschlossenheit  des
preußischen  Generals  Emil  von  Kleist  (F  1823),  der  auf  Grolmans
  Rat  den  gefährlichen  Weg  über  Nollendorf  antrat.  Kleist
zeichnete  sich  auch  bei  Leipzig  (am  16.  Oktober)  aus,  indem  er  das
Dorf  Markkleeberg  erstürmte  und  behauptete.

Die  übrigen  preußischen  Feldherren  leisteten  ebenfalls  Vorzügliches,
  besonders  v.  Hirschfeld,  v.  Borstell  bei  der  Nordarmee,
v.  Horn,  v.  Hünerbein  bei  der  Schlesischen.

Desto  weniger  richtete  die  preußische  Diplomatie  aus:  auch  im
Vertrage  mit  England,  den  Preußen  am  14.  Juni  zu  Reichenbach
  schloß,  ward  letzteres  übervorteilt,  erhielt  nur  ½  Millionen
Pfund  Sterl.  Hilfsgelder  (Nußland  das  Doppelte)  und  ließ  sich
mit  unbestimmten  Vergrößerungsaussichten  abfsinden,  während
Hannovers  künftige  Vergrößerung  genau  festgesetzt  wurde.  Im
Vertrage  mit  Österreich  zu  Teplitz  am  9.  September  gestanden
Preußen  und  Rußland  die  unbedingte  Unabhängigkeit  der  deutschen
  Mittel-  und  Kleinstaaten  zu.  Hardenberg  nahm  auch  den
Vertrag  zu  Ried  hin,  in  welchem  Osterreich  (8.  Oktober)  Bayern
für  dessen  notgedrungenen  Übertritt  und  für  Rückgabe  Tirols  die
Souveränität,  den  Besitz  von  Ansbach  und  Bayreuth  und  noch
andere  Entschädigung  in  Deutschland  zusicherte.  Auch  jetzt  unterließ
  es  die  preußische  Regierung,  sich  genau  bestimmte  Entschädigungen
  auszumachen.

Daß  Deutschlands  „Wiedergeburt“,  die  das  Kalischer  Manifest
verheißen  hatte,  ausblieb,  war  nicht  die  Schuld  Preußens  und
Rußlands,  sondern  Ssterreichs,  welches  nur  einen  Kabinettskrieg
führen  wollte,  und  des  (außerpreußischen)  deutschen  Volkes,  welches
  so  wenig  wie  seine  Fürsten  sich  erhoben  hatte.  Diese  mußten
von  den  Preußen,  Russen  und  Österreichern  mit  Gewalt  von
Frankreichs  Seite  gerissen  werden.  Noch  bei  Leipzig  standen
mehr  Deutsche  gegen  als  neben  den  Preußen.  So  ist  denn  1813
Deutschland  nicht  durch  das  deutsche  Volk  (dessen  große  Mehrzahl
nach  dem  Willen  seiner  Fürsten  sich  still  hielt  und  seine  Söhne
für  Napoleon  weiter  fechten  ließ),  sondern  durch  die  preußische