Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

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andauernden  Erkrankungen  handelte  es  sich  fast  immer  um  ein  schon  vor  der  Impfung  vorhanden
  gewesenes  oder  um  ein  früher  nur  scheinbar  geheiltes  Leiden.  Zur  Entwicklung
eines  vorübergehenden  Hautausschlages  mag  in  verschiedenen  Fällen“  die  vakzinale  Reizung
der  Haut  beigetragen  haben.  Einige  Impfärzte  glaubten  über  den  ganzen  Körper  verbreitete
Ausschläge  besonders  da  beobachtet  zu  haben,  wo  eine  besonders  stark  wirkende  Lymphe  zur
Verwendung  gekommen  war.  Wenn  dies  nach  Ansicht  des  bayerischen  Berichterstatters  auch
teilweise  zutrifft,  so  hat  er  doch  darauf  hingewiesen,  daß  solche  Ausschläge  mitunter  bei
völlig  erfolglos  geimpften  Kindern  auftreten;  andererseits  sei  die  Beobachtung  gemacht,  daß
in  manchen  Familien  jedes  Kind  nach  der  Impfung  in  der  gleichen  Weise  erkrankte;  hieraus
lasse  sich  schließen,  daß  in  solchen  Fällen  eine  persönliche  Empfänglichkeit  ausschlaggebend  sei.

Ekzeme  traten  in  den  verschiedensten  Formen  und  an  den  verschiedensten  Körperstellen
  auf.  In  den  aus  Hamburg  gemeldeten  54  Fällen  waren  die  Impfstellen  fast  nie
oder  nur  dann  die  Ausgangsstelle  des  Ausschlags,  wenn  die  Pusteln  andauernd  mit  Ollappen
  oder  Wasserumschlägen  behandelt  worden  waren,  wie  dies  öfter  zu  geschehen  pflegte.
In  mindestens  14  Fällen  konnte  nachgewiesen  werden,  daß  es  sich  um  ein  Wiederaufleben
alter  oder  um  eine  Verschlimmerung  bestehender  Ausschläge  handelte.  Bei  einem  im  Oktober
geimpften  Kinde  war  die  Erkrankung  ziemlich  hartnäckig.  Ein  9  Tage  nach  der  Impfung
aufgetretenes  feuchtes  Ekzem  am  Kopf  breitete  sich  später  über  den  ganzen  Körper  aus  und
war  am  Jahresschluß  noch  nicht  geheilt.  Längere  Zeit  zur  Heilung  brauchte  auch  eine
Erkrankung  im  Bezirk  Bamberg  (Oberfranken).  Dort  trat  an  der  Impfstelle  ein  Nässen
der  Haut  ein,  so  daß  das  Abborken  der  Pusteln  sehr  verzögert  wurde.  Die  Umgebung
der  Impfstelle  war  noch  nach  mehreren  Wochen  gerötet,  geschwollen  und  mit  gelben  Krusten
bedeckt.  An  der  Stirn  zeigte  sich  ein  schuppendes  Ekzem,  das  früher  nicht  bestanden  hatte.
Aus  dem  Bezirk  Rudolstadt  liegt  ein  ähnlicher  Fall  vor.  Bei  einem  12  jährigen  Mädchen
trat  in  der  dritten  Woche  nach  der  Impfung  ein  nässendes  Ekzem  an  der  Oberlippe  auf
und  im  Anschluß  daran  eine  Schwellung  der  Mandeln.  Je  1  Fall  von  Ekzem  ist  aus
den  Regierungs-Bezirken  Königsberg,  Danzig  und  Osnabrück  bekannt  geworden.  In
Sachsen-Weimar  heilte  ein  Ekzem  des  Oberarms  erst  4  Wochen  nach  der  Impfung  ab.
Über  das  Auftreten  von  Ekzem  im  Königreich  Sachsen  berichten  die  Impfärzte  von  vier
Bezirken.

Eine  Ekzemerkrankung  ist  in  der  Zeitschrift  „Der  Impfgegner“  1)  als  Impfschädigung  dargestellt
worden.  Danach  soll  das  Kind  eines  Tischlermeisters  in  Chemnitz,  das  bisher  gesund  war,  14  Tage
nach  der  im  Jahre  1903  erfolgten  Impfung  einen  juckenden  Ausschlag  mit  Eiterstellen  am  Körper  bekommen
haben,  der  beim  Erscheinen  der  Zeitschrift  im  Jahre  1905  noch  vorhanden  gewesen  sein  soll.  Die  amtlichen
Ermittlungen  haben  ergeben,  daß  das  Kind  bereits  im  September  1908,  und  zwar  ohne  Erfolg,  geimpft
worden  ist.  Von  den  mit  derselben  Lymphe  geimpften  Kindern  sind  Impfschäden  irgend  welcher  Art  nicht
bekannt  geworden.  Im  Jahre  1904  wurde  das  Kind  wegen  Schwäche  und  1905  wegen  Ekzems  von  der
Impfung  zurückgestellt.  Nach  Angabe  der  Mutter  soll  das  Kind  14  Tage  nach  der  erfolglosen  Impfung
angefangen  haben  sich  zu  kratzen,  ohne  daß  ein  Ausschlag  sichtbar  gewesen  wäre.  Erst  im  November  1904,
also  länger  als  ein  Jahr  nach  der  Impfung,  sei  plötzlich  ein  Bläschenausschlag  im  Gesicht,  an  den
Armen,  den  Beinen  und  dem  Rumpf  aufgetreten,  den  ein  hinzugezogener  „Naturheilkundiger“  für  Spitzblattern
  gehalten  habe.  Der  Ausschlag  dauerte  bis  zum  Frühjahr  1905,  wo  eine  vom  Impfarzt  verordnete
Salbe  Heilung  brachte.  Bei  der  dann  im  November  1905  vorgenommenen  Untersuchung  war  von  einem
Ausschlag  nichts  mehr  zu  bemerken,  nur  an  den  Armen  und  Beinen  waren  einige  weißliche  runde  Narben
sichtbar.  Ein  Zusammenhang  dieser  Erkrankung  mit  der  Impfung  erscheint  ausgeschlossen.

Das  Auftreten  eines  allgemeinen,  bläschenbildenden  Hautausschlages  wurde  2  mal  im
Reg.-Bez.  Schleswig  beobachtet;  bei  einem  Impfling  im  Reg.-Bez.  Merseburg  zeigten

1)  „Impfgegner“  1905,  Nr.  9/10.