Contents : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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heimstätte  wahrer  bildung.  —  heimsuchen,  vgl.  oben.  —
Heimsuchung,  f.  Handlung  des  Heimsuchens,  in  allen  Bed.
des  Verbums;  von  göttlicher  Strafe  Jer.  23,  12  u.  ö.  —
Heimtücke,  f.  heimliche,  bösartige  Hinterlist  (vgl.  dazu
unter  heimiseb):  gerechte  rache  für  ihre  heimtucke
Heyse  5,  336.  —  heimtückisch,  mit  Heimtücke  behaftet:
Franz  Moor,  ein  heuchlerischer,  heimtückischer  schleieher
  Schiller  2,  337;  die  tage,  wochen  und  monate
vergingen  so  sachte  und  heimtuekisch  Keller  Werke
2,  89.  —  heimwärts,  nach  Hause  oder  nach  der  Heimat,
ahd.  heimwartes,  mhd.  heimwert:  heimwärts  schlägt
der  sanfte  friedensmarsch  Schiller  Picc.  1,  4;  dasz
seinen  flug  der  storch  nun  heimwärts  lenket  Lenau
28;  älter  auch  ohne  Umlant:  da  ich  heim  warts  gieng
Simpl.  4,  31.  —  Heimweg,  m.  Weg  nach  Hausfe  oder
nach  der  Heimat:  den  h.  antreten.  —  Heimweh,  n.
heftige  Sehnsucht  nach  der  Heimat;  ursprünglich  schweizerisches
  Wort,  Name  und  Sache  geschildert  in  Scheuchzers
Naturgeschichten  des  Schweizerlandes  1705,  Nr.  15,  bald
in  der  allgemeinen  Schriftspr.  bekannt  geworden;  heimweh
  desidericmn  pabricqe  Steinbach;  das  heimweh
bekommen,  am  beimweh  sterben;  heimweh  nach  dem
himmel  Wieland  Ged.  an  Olympia  III.  —  Heimwesen,
  n.  Hauswesen,  eigene  Wohnung.  —  Heimzug,  m.
Zug  nach  Hause  2.  Macc.  13,  26;  sich  des  beimzugs
freun  Schiller  Siegesfest.

Heimat,  k.  Ort  oder  Land  wo  man  zu  Hause  ist;
ahd.  heimoti,  heimuoti  als  Neutr.,  mhd.  heimöt,  heimuot,
  heimuote  als  Neutr.  und  Fem.,  auch  im  Nhd.
findet  sich  in  älteren  Quellen  (in  mein  heimat  Schuppius
760)  und  mundartlich  noch  jetzt  das  Neutr.;  Ableitung
von  heim,  mit  einer  Bildungssilbe,  die  auch  in  armut,
kleinod  (s.  d.)  auftritt;  die  goth.  Form  ist  mit  Erweiterung
  der  Ableitung  haimöôbli,  dem  ahd.,  später
untergegangenen  heimodili  entsprechend;  Schwächung
der  uhd.  Form  zu  heimet,  heimt  nur  mundartlich;  Plur.
ungewöhnlich:  nach  verschiedenen  heimaten  A  Stifter
Studien  5,  79.  heimat  bezogen  auf  das  Land  der  Geburt
  oder  Ansässigkeit:  gott  ..  der  mich  von  meines
vaters  hause  genomen  hat,  und  von  meiner  heimat
1.  Mos.  21,  7;  leider  ist  die  heimat  zur  fremde  dir
geworden  Schiller  Tell  2,  1;  der  heimat  leicht  verlaszne
fluren  Grillparzer  3,  163;  die  alte  heimat  verlassen,
sich  eine  neue  heimat  suchen;  auf  Geburtsort  oder
ständigen  Wohnort:  vor  der  heimath  thoren  Uhland
379;  in  freierem  Sinne  auch  auf  den  Standort  von
Pflanzen,  Nistort  von  Vögeln:  heimat  dieser  pflanze
um  Göttingen;  selbst  auf  ein  einzelnes  Gut  oder  Haus:
das  heimath  sieht  nicht  am  besten  aus,  aber  das
land  ist  gut  JGotthelf  Schuldenb.  8;  —  in  gehobener
Spr.:  ich  weisz,  dasz  an  deinem  herzen  meine  heimath
ist  Freytag  Haudschr.  2,  114;  vom  Himmel:  ein  zarter
fremdling  auf  der  rauhen  erde.  der  bald  zur  heimath
sich  zurückgesehwungen  Uhland  126.  —  Zusammensetzungen:
  Heimatberg,  Berg  der  Heimat:  nach  der
heimathberge  grün  Freiligrath  1,  12.  —  Heimathaus,
  n.  elterliches,  Geburtshaus:  aus  deinem  heimathause
  Uhland  128.  —  Heimat-,  Heimatsland,  u.  Land
in  dem  man  zu  Hause  ist.  —  Heimat-,  Heimatsliebe,  (.
Liebe  zur  Heimat.  —  heimatlos,  ohne  Heimat:  wie  er.
sich  gewöhne  heimatlos  und  freundlos  zu  sein  Goethe
Wahlverw.  2,  10;  im  rechtlichen  Sinne  heimatlos  der,
dem  keine  Gemeinde  Unterkunft  und  Armenpflege  zu
geben  braucht.  —  Heimat-,  Heimatsrecht,  n.  Recht,  vermöge
  dessen  Jemandem  an  einem  Orte  Unterkunft  und
Armenpflege  gewährt  werden  muß.  —  Heimatschein,  m.
obrigkeitliche  Bescheinigung  über  die  Ortsangehörigkeit
Jemandes.

heimsuchen  —  heimatlich.

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Heimchen,  u.  Hausgrille,  neben  Heime,  m.  k.  der
älteren  Spr.;  ahd.  heimo,  mhd.  heime,  wohl  als  häusliches
  Tierchen  gefaßt  und  von  beim  abgeleitet,  lebt
nhd.  bis  ins  18.  Ih.,  jetzt  abgekommen:  gesang  der
vögel  und  heimen  Voß  1,  181;  daneben  gab  es  im
Ahd.  eine  Zusammensetzung:  mühheimo,  später  mücheim
(über  müh,  auf  die  Verborgenheit  des  Tierchens  zielend,
vgl.  meuchel-),  umgesetzt  heimamneb,  heimuch  Maaler,
in  der  Form  zurückgegangen  bis  auf  heimch  Alberus,
niederd.  hiemk,  hemeke  cẽcada  Dief.;  hieran  lehnt  sich
unser  heutiges,  bald  als  Dim.  zu  heime  gefaßtes  heimehen:
  heimchin,  heimichin,  heumchin  ebd.;  beim  gesange
  der  heimchen  Goethe  W.  Meister  8,7;  bei  solcher
ordnung  schwirrten  wir  vergnügt  wie  die  beimchen
Freytag  Erinn.  335;  als  Hausgeist  gefaßt:  in  den
minuten  eines  unruhigen  morgenschlummers  arbeiteten
dienstfertige  heimchen  und  andere  unsichtbare  geister
im  solde  der  frauen  Handschr.  2,  140;  todverkündend:
das  heimchen  zirpte  klüglich  gelt,  sagten  alle  bauern,
gelt,  unser  pfarrer  stirbt  Hölty  13.

Heimelu,  heimisch  berühren,  in  anheimeln  (s.  d.);
schweizerisch  auch  einfach:  es  heimelet  mich  Stalder.
—  heimisch,  dem  Heim  eigen  oder  zugehörig,  mhd.
heimisch;  von  Personen:  domesticus  ein  huszlicher,
heimscher  Dief.;  heimische  leute  an  einem  Orte  oder
Lande  wohnend;  fremd  und  heimisch  Simpl.  2,  174;
Reineke  trat  in  die  wohnung  der  frauen  und  fand  sie
nicht  heimisch  (zu  Hause  anwesend)  Goethe  Rein.  F.  3;
heimisch  sein,  werden,  heimatgewohnt:  um  den  Tourenne
zu  wehren,  dasz  er  sich  in  unserm  gäu  nicht  zu
heimisch  und  gemein  machen  sollte  Simpl.  3,  215;  wie
schnell  und  gut  sie  in  der  stadt  heimisch  geworden
war  Freytag  Handschr.  2,  112;  er  ward  hier  (in  Kursachsen)
  nie  ganz  heimisch  Treitschke  3,  196;  von
Orten,  Dingen,  Einrichtungen  (vgl.  einheimisch):  heimisches
  land,  heimische  tracht;  zu  Delos  heimschem
herd  Schiller  Dido  27;  in  fremdem  land  zu  suchen
heimisch  gluek  Grillparzer  4,  19;  weil  dies  neue
wesen  dem  heimischen  brauche  widersprach  Treitschke
2,  269;  gaul  von  heimischer  race  CF  Meyer  d.  Heilige?;
in  älterer  Spr.  von  Tieren  und  Pflanzen  =  unserm
zahm,  im  Gegensatz  zu  wild:  heimische  und  wilde  thier
SFranck  Germ.  Chron.  172-;  daz  kraut  (Senf)  ist
zwaierlai:  daz  ain  ist  wild  und  daz  ander  haimisch
Megenberg  398,  33;  auch  —  tückisch,  aus  der  Vorstellung
  des  häuslich  Verborgenen  heraus:  ein  heimisch
duckisch  volk  S  Franck  Weltb.  1365;  heimische  böse
neue  tück  Schade  Sat.  1,  90.  —  heimlich,  dem  Heim
eigen  oder  gemäß,  mhd.  heimelich.  heimlich,  heinlich;
1)  zugehörig  zum  Hause  oder  eigenem  Lande:  an  aim
fremden  mensehen  sam  an  aim  haimleichen  Megenberg
  483,  3;  von  Tieren,  im  Gegensatz  zu  wild:  wann
man  die  wilden  enten  fahen,  und  heimiich  oder  zam
machen  will  Sebiz  Feldb.  112;  wiewol  der  hirz  ein
vast  heimlich  und  zam  tier  ist,  so  wil  man  im  doch
übe!  Eppendorff  Plinius  65;  mit  dem  Nebensinne
des  vertrauten:  David  machte  jn  zum  beimlichen  rat
2.  Sam.  22,  23;  des  freundlichen,  zutraulichen:  der  treip
sin  wip  von  im,  darumbe  daz  su  eime  bischove  zü
heimelich  waz  D.  Städtechr.  8,  34;  in  der  neueren  Schriftspr.
  zurückgetreten,  aber  noch  bei  Goethe:  ich  fuhle
es  noch,  wie  heimlich  mirs  war,  als  ich  zum  erstenmale.
  hinein  trat  (in  ein  einsames  Plätzchen)  Werther  1:
und  mundartlich  oberdeutsch  bis  jetzt  geblieben.  2)  gewendet
  zu  dem  Sinne  des  fremden  Augen  Entzogenen,
Verborgenen  (vgl.  geheim):  die  heimliche  schetze,  und
die  verborgen  kleinot  Jes.  45,  3;  heimliche  sunde  Hiob
20,  11;  zu  offenbaren  heimliche  vertrawete  rede  Sir.

Heimchen  —  heimlich.

Heimatlich,  der  Heimat  angehörig,  in  Bezug  zu  ihr  12,  29;  ich  hab  .  dir  was  heimlichs  zu  sagen  Richt.
stehend:  als  ich  kum  ins  heimatliche  thal  Schiller  3,  19;  verborgenen  heimlichen  haszauszstoszen  Maaler;
Tell  2,  2;  die  heimatlichen  bäume  Lenau  16;  die  (die  gefährlichsten  heimlichen  zusammenkunfte  Goethe

heimatliche  sprache,  heimatliche  sitten,  u.  a.

Egm.  1;  wir  richter  des  hohen  heimlichen  gerichts