Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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zigen  Tochter  sah  und  hörte  Ulrich  gar  nichts,  und  bald
glaubte  er  auch  noch  fuͤrchten  zu  muͤssen,  daß,  wenn  selbst
Ferdinand  Wirtemberg  abtreten  sollte,  vielleicht  dieser  sein
einziger  Sohn  das  rechtmäßige  Eigenthum  seines  noch  lebenden
  Vaters  an  sich  reissen  werde.  Die  rühtigeren  Religionskenmnisse,
  welche  Ulrich  theils  schon  in  Mbmpelgard  von
einem  dorthin  geflüchteten  Schwäbischen  Prediger,  noch  reichlicher
  aber  am  Hessischen  Hofe  erhielt,  konnten  zwar  die
Wirkung  aller  dieser  Leiden  zur  Veredlung  seines  Charakters
lenken,  unstreitig  wurdo  er  auch  in  manchem  aufmerksamer
auf  seine  Fehler:  aber  jene  glückliche  Gewandtheit  der  Seelenkräfte,
  wodurch  manche  Menschen  auch  nach  einem  tiefen
Fall  glücklichschnell  sich  erholen,  fehlte  ihm  völlig,  und  Erkenntniß
  der  neuen  Wahrheiten  der  Reformatoren  war  auch
bei  ihm,  wie  bei  so  vielen  andern  Fürsien  dieses  Zeitalters
mehr  lebhaftes  Ueberzeugung,  mit  Indulgenzen  und  Reliquien
von  den  Pfaffen  bisher  betrogen  worden  zu  seyn,  als  moralischwirksame
  Annahme  der  Lehren  Luthers  und  Zwingli's.
Manche  herbe  Stunde  wurde  dem  unglücklichen  Herzog  zwar
wieder  versüßt,  wenn  er  Nachrichten  bekam,  wie  sich  vielleicht
  hie  und  da  einzelne  Wirtembergische  Landleute  nach
seiner  Regierung  gesehnt  hätten,  und  der  hieraus  gefaßte
neue  Schimmer  von  Hoffnung  setzte  seine  Seele  auf  kurze
Zeit  immer  wieder  in  einige  Schwingungen,  wodurch  sie
wenigsiens  vor  dem  äussersten,  einer  vlligen  Erschlaffung
und  Hinwegwerfung  ihrer  selbst  geschützt  wurde.

Jene  erwünschten  Nachrichten,  welche  Ulrich  von  Zeit
zu  Zeit  aus  Wirtemberg  erhielt,  waren  in  der  That  auch
vollkommen  richtig.  Nachdem  die  ersten  Ausbrüche  des  Hasses
  gegen  Ulrich  verbraust,  das  Angedenken  mancher  einzelnen
  grausamen  Thaten  verloschen  war,  so  hob  sich  in  der