Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Oktober 5. 6.) 133
Regierungen über Herbeiführung einer Betriebsmittelgemeinschaft
zwischen den süddeutschen Staatsbahnen und der preußisch-hesfischen
Eisenbahngemeinschaft.
5. Oktober. (Posen.) Eröffnung des Kaiser-Friedrich-Museums.
6. Oktober. (Heilbronn.) Eine Konferenz von Vertretern
der Neckaruferstaaten berät über Vorarbeiten zur Herstellung eines
Großschiffahrtsweges Mannheim-Heilbronn.
6. Oktober. (Danzig.) Die neuerbaute technische Hochschule
wird eröffnet. Der Kaiser verliest folgende Eröffnungsrede:
Es gereicht Mir zu hoher Befriedigung, heute eine neue Bildungsstätte
für technische Wissenschaften eröffnen zu können. Von der Erkenntnis
durchdrungen, daß bei dem Wettlauf der Nationen in der kulturellen
Entwicklung der Technik ganz besondere Aufgaben zufallen und deren
Leistungen für das künftige Wohl des Vaterlandes und die Aufrechterhaltung
seiner Machtstellung von größter Bedeutung sind, halte Ich es für
eine Meiner vornehmsten landesherrlichen Pflichten, für die Verbreitung
und Vertiefung der technischen Wissenschaften einzutreten und auf eine Vermehrung
der technischen Hochschulen hinzuwirken. Denn die ungeahnte
Entwicklung, welche die deutsche Technik seit dem Beginn des Zeitalters
der Eisenbahnen nach allen Richtungen erfahren hat, haben wir nicht zufälligen
Entdeckungen und glücklichen Einfällen, sondern der ernsten Arbeit
und dem auf dem Boden der Wissenschaft fußenden, systematischen Unterricht
an unseren Hochschulen zu verdanken. Die Mathematik und die theoretischen
Naturwissenschaften haben die Wege gewiesen, auf denen der Mensch
in Gottes allgewaltige Werkstatt der Natur immer tiefer einzudringen vermag,
die angewandte Wissenschaft hat diese Wege kühn beschritten und ist
zu staunenswerten Erfolgen gelangt. Den technischen Hochschulen liegt es
ob, theoretische und angewandte Wissenschaft zu fruchtbarem Zusammenwirken
zu vereinigen, und zwar mit der umfassenden Vielseitigkeit, die das
auszeichnende Merkmal dieses in Deutschland entstandenen Typus dieser
Anstalten bildet. Sie stellt in ihrer Eigenart eine wissenschaftliche Universität
dar, die mit der alten Universität um so mehr verglichen werden
kann, als ein nicht unbeträchtlicher Teil des Lehrgebietes beiden Anstalten
gemeinsam ist. Die Gleichwertigkeit und Ebenbürtigkeit derselben habe
auch Ich Mich bemüht, auch nach außen hin zum Ausdruck zu bringen,
indem Ich den technischen Hochschulen die gleiche hohe Stellung, wie sie
die Universitäten seit langem behaupten, in Meinen Landen eingeräumt
und ihnen das Recht beigelegt habe, akademische Grade zu verleihen.
Dieses Recht soll auch der neuen Hochschule zustehen, welche auch im
übrigen ihren älteren Schwestern in allen Stücken gleichgestellt ist. Eine
besondere Genugtuung ist es Mir gewesen, die neue Bildungsstätte hier
in dieser altehrwürdigen, erinnerungsreichen Handelsstadt erstehen zu lassen
und damit den Meinem Herzen so nahestehenden Ostprovinzen, wie der
Stadt Danzig, einen neuen Beweis Meiner landesväterlichen Fürsorge zu
geben. Auf einem Boden errichtet, den deutsche Tatkraft einst der Kultur
erschloß, soll die Anstalt hier stehen und wirken als ein fester Turm, von
dem deutsche Wissenschaft, deutsche Arbeitsamkeit und deutscher Geist sich
anregend, fördernd und befruchtend in die Lande ergießen. Mögen immer
unsere Ostprovinzen nach Lage und Natur der Verhältnisse für eine indu-