700 Beuisches Reich. (Juli 18.)
Im übrigen würde, selbst wenn wir gezwungen wären, einen Frieden ohne
Entschädigung und Sicherung zu erstreben, die Friedensresolution das ungeeignetste
Mittel sein. Gerade dann müßten wir nach anderer Methode
verfahren. Aber wir brauchen solchen Frieden durchaus nicht zu erstreben.
Halten wir uns an die Zuversicht, die in den Aeußerungen des Feldmarschalls
Hindenburg zum Ausdruck gelangt. Weder vorübergehende Verschärfung
der Ernährungssorgen noch Sorgen für später in dieser Beziehung
dürfen uns jetzt veranlassen, die Nerven zu verlieren und nach
einem Frieden zu greifen, der unsere Zukunft, und. zwar ganz besonders
die unserer Arbeiterschaft, gefährdet; denn die unbeirrbare, zähe Fortführung
des Unterseebootkriegs wird uns zwar nicht heute oder morgen,
aber sicher und rechtzeitig den Erfolg bringen, für den wir nach zahlreichen
Kundgebungen Ew. Exz. kämpfen. Hoffentlich sind Sie ganz wieder hergestellt.
18. Juli. Neuordnung des Nachrichtenwesens des Feldheeres.
In Ergänzung der Verfügung vom 14. Jan. (s. S. 27) wird durch
Kaiserl. Erlaß bestimmt, daß der Chef der Feldtelegraphie fortan die Bezeichnung
Chef des Nachrichtenwesens führe und für die Entwicklung und
Bereitstellung aller Nachrichtenmittel des Feldheeres sowie für die Vorbereitung
und Leitung der verschiedenen im Nachrichtendienst tätigen Kräfte
auf gemeinsamer technischer Grundlage verantwortlich sein soll. Die Telegraphentruppe
wird fortan Nachrichtentruppe benannt.
18. Juli. Telegrammwechsel zwischen dem Reichskanzler
Dr. Michaelis und den leitenden Ministern der Verbündeten.
An den Minister des Aeußern Grafen Czernin richtet Dr. Michgelis
folgende Begrüßungsdepesche: In dem Augenblicke, in dem mich S. Maj.
des Kaisers und Königs Vertrauen auf den Posten des Reichskanzlers berufen
hat, ist es mir ein tiefgefühltes Bedürfnis, in Ew. Exz. den Bertreter
der ausw. Angelegenheiten des Reiches zu begrüßen, mit dem in
engster und treuester Bündnisgemeinschaft zusammenzuhalten seit nunmehr
fast vier Jahrzehnten der leitende Grundsatz jedes deutschen Kanzlers gewesen
ist. Dieses kostbare Erbe unverbrüchlich zu bewahren, betrachte auch
ich als meine vornehmste Pflicht. Von ganz besonderem Werte würde es.
für mich bei diesem Bestreben sein, wenn Ew. Exz. auch mir die rückhaltlose
Unterstützung bewahren wollten, die von Ew. Exz. meinem Herrn Vorgänger
in so reichem Maße zuteil geworden ist. Oesterreich-Ungarn und
Deutschland werden, das ist mein felsenfester Glaube, siegreich aus diesem.
schweren Kampfe hervorgehen und ihren heldenmütigen Völkern eine glückliche
und schöne Zukunft sichern.
Graf Czernin antwortet: Für die warmen Worte, mit welchen Ew.
Exz. mich gelegentlich Ihres Amtsantritts zu begrüßen die Güte hatten,
bitte ich meinen tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen. In der innigen,
vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Leitern der deutschen Politik in
unverbrüchlichem Festhalten an dem altbewährten Bündnis erblicke ich die
sicherste Gewähr für eine glückliche Zukunft unserer heldenmütigen Völker.
Zur Sicherung unserer Existenz, zur Wahrung unserer heiligsten Güter
stehen wir in dem gewaltigsten Kampfe aller Zeiten, und ich vertraue zu
Gott, daß wir in treuem Ausharren das ersehnte Ziel erreichen werden.
Zu einem ehrenvollen Frieden bereit, sonst aber zu dem Kampfe bis aufs
äußerste entschlossen, werden sich Deutschland und Oesterreich-Ungarn gemeinsam
die Bedingungen für eine ungestörte friedliche Zukunft erzwingen.
An den Großwesir Talaat Pascha richtet Dr. Michaelis folgendes
Telegramm: Durch das Vertrauen S. Maj. des Kaisers und Königs zu