319 keinmal — Kelle.
keincs weges der älteren Spr., in der neueren zufammengeschrieben;
— in keinem Wege, auf keinen Fall:
erklärte, dasz er den toast auf den täufling auszubringen
keineswegs gesonnen sei Freytag Handschr. 2, 21;
als starke Ablehnung: keineswegs! rief herr Heinrich
CF FMeyer d. Heilige 151; nach zugebendem Vordersatz:
der deutsche bund . sei zwar nur zur vertheidigung
bestimmt, aber keineswegs neutral Treitschke 4, 71;
doch (sind wir) ihn zu suchen, keineswegs gewillt
Grillparzer 8, 31. — keinmal, aus älterem unverbundenem
kein mal (Jer. 2, 6): einmal ist keinmal
Hebel 2, 5.
Kelch, m. Trinkgefäß mit Fuß; frühes Lehnwort der
Kirche aus dem Stamm calic- von lat. calix, ahd.
chelih, kclih, mhd. kelch, altsächs. kelik, altengl. calic,
altnord. kälkr; für das Abendmahl: das ist der kelch,
das newe testament in meinem blut Luc. 22, 17; den
kelch des suns, dämit er uns ze sinem vater brähte
Minnes. 2, 3392; da der kelch mit wine stet, und diu
oblat Uit ddror Lamprecht Syon 3136; auf weltliche
Gefäße gleicher Form übertragen: schluegen Posthumio
das haupt ab, machten ain kelich und kopf drauss,
beschluegen in mit golt Aventin 1, 454; goldener,
silberner, gläserner kelch, vgl. kelchglas; in den Glashütten
heißt man kelch das obere offene Teil eines
Weinglases oder Pokals, worein der Wein gegossen wird
Jacobsson; bildlich nach der Spr. der Bibel: sol ich
den kelch nicht trinken, den mir mein vater gegeben
hat? Joh. 18, 11; seines zorns kelch Offenb. 14, 10;
ein kelch des jamers und trawrens Hes. 23, 33; aus
eben dem kelche, woraus Sie die bittere galle schöpfen,
schöpft meine laune lustige scherze Schiller 2, 351;
ich will den kelch auf einmal ausleeren Iffland
Thurneisen 2, 8; vielmehr soll man, je bittrer der kelch
ist, ein desto suszere miene machen Goethe DuW. 16;
neuer enst auch der kelch der lust Bürger Heloise
3°, vgl. auch freudenkelch; dichterisch = Blumenblüte:
kuhn öffnen sich im holden dämmerlicht die
kelche schon Schiller Erwartung; — in der wissenschaftlichen
botanischen Spr. — äußerer Blütendeckenkreis,
der zunächst die Blumenkrone umgibt, mit Anlehnung
an das vorige Wort aus griech. kälüx Knospe,
Blumenhülle umgebildet. — Zusammensetzungen: Kelchblatt,
n. eins der Blattorgane, welche den Blumenkelch
bilden. — Kelchblume, f. Pflanze die einen Kelch ohne
Blumenkrone trägt, in welchem die Staubgefäße festsitzen.
— Kolchdeckel, m. Deckel des Abendmahlskelches
für die Hostie, Patene. — kelchförmig, in Form eines
Kelches. — Kelchglas, n. Glas in Kelchform: ein kelchglas
ward zum loos mit fug dem freudgen stamm
don Elenhel Uhland 354. — Kelchteller, m. Kelchectel.
Kelle, (. löffelartiges Schöpfgefäß mit Stiel; hochund
niederdeutsches Wort dunklen Ursprungs, ahd.
ehella, kella, mhd. mud. kelle; zufrühest als Maurergerät
bezeugt: #r’##lla kelle dar men mede muret, chell,
Lell, kel, murerskell Dief.; Heinrich Jones. war
seiner profession nach ein maurer, und vertauschte,
wie der alte Ben Johnson, seine kelle mit der feder
Lessing Dram. 59; Sinnbild bei den Freimaurern;
Tempelgerät: sieben kellen an einer lampen Sacharja
4, 2; die becher, schalen, die gulden kellen 1. Macc. I, 23;
Küchengerät: kell, capula (neben trulla) Schottel;
dasz dic köchin kurz zuvor in dic kell oder wasserschapf
gebrunzelt. hütto Simpl. 3, 324; nach dem
verschiedenen Gebrauche rühr-, schaum -, schöpf-, schmelzkelle
Adelung; in der Form ähnliches Trinkgefäß:
da risz und schält man den wein ausz kellen, hofbechern,
tassen Garg. 156; im Gebrauche der Hüttenwerke
und Kupferhammer zum Schmelzen und Ausschöpfen;
beim Gärtner kelle. garten-, grabekelle, zum
Abstechen und Ausheben kleiner Pflanzen in Beeten. —
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Ein in älterer Spr. gebräuchliches, mhd. kelle — Hundehütte,
Schlupf, schlechtes Loch, mag ein anderes Wort sein.
Keller, m. 1) unterirdischer gemauerter Raum als
Behälter; frühes Lehnwort aus lat. cellarium, mit
Geschlechtswechsel, ahd. chellari, kellari, mhd. keller.
altniederd. kelleri, kellere; das altnord. kjallari seinerseits
ist wohl wieder Lehnwort aus dem Deutschen. Als
unterirdischer Vorratsraum: apotl#eca, prontptuarium
kelre, kellir, keller, keler Dief.; der herr wird gebieten
dem segen, das er mit dir sei in deinem keller
5. Mos. 28, 8; sie (die Raben) haben auch keinen keller
noch schewnen Luc. 12, 21; die kuchenkräuter jetzt in
keller einzubringen Brockes 2, 534; so kuch als keller
süllen 537; näher bestimmt in Zusammensetzungen:
wein-, bier-, milch-, frucht-, holz-, vorratskeller u. a.,
vgl. auch flaschenkeller; eingeschränkt auf den weinkoller
und den Vorrat darin: er hat, führt einen guten
keller; weine aus dem furstlichen keller; ausgebaut
als Raum für Verkauf und Schenkwirtschaft, vgl. delicatessen-,
bier-, wein-, speisekeller, nach dem Eigentümer
auch ratskeller, eigentlich unter dem Rathause,
manchmal auch in besonderen Gebäuden, furstenkeller;
als Wohnraum: im keller wohnen, vgl. kellerwohnung:
als Gefängnis: die keller unter den thürmen
Schiller Tell 1, 3; bezogen auf ein in Felsen gehauenes
ähnliches Gemach, felsenkeller; auf natürliche
Höhlungen, worin sich Krystalle finden, krystallkeller;
in der scherzhaften Redensart Häuschen im keller, vgl.
Unter Hans. 2) anderes keller aus lat. cellarius, mhd.
kellære, Verwalter eines Kellers, dann auch der Weinberge,
überhaupt der Einkünfte von Ländereien: der
keller, der meyer und der banwart (des Gotteshauses
zu Luzern) Weist. 1, 166; so soll ein keller zu Steinheim
oder schultheis zu Auheim dieselbige guter
vor gericht ufbieten 5, 322; Kellerdiener, namentlich
für Gäste: hundert hend musz ein keller und hauszknecht
haben Garg. 192; in vornehmen Häusern: (da
ich) so gar keinen . koch, keller, page, noch einzigen
favoriten oder dellerlecker nicht sahe Simpl. 2, 69;
noch bei Schiller: wie sie .. über keller und koch
rüsonnieren Kab. 1, 2, später zu Gunsten von kellner
gewichen; dazu kellerin, in dem weiteren Sinne der
Schaffnerin, Haushälterin: da führt man dann den herrn
bfarrherr voll heim sampt der källerin Garg. 92; (in
ciner großen Haushaltung) war eine eine wäscherin, die
andre eine bettmacherin. die fünfte kellerin Simpl.
2, 90; ebenso verschwunden. — Zusammensetzungen
zu 1: Kellerassel, k. Name des Insekts oniseus asellus.
— Kellerfenster, n. Fenster eines Kellers. — Kellergeschoß,
n. unter die Erde herabreichendes Geschoß eines
Hauses; — nach anderer Bed. von geschosz in älterer
Spr., witzige Bezeichnung des Weins: von Bachi kellergeschosz
zorngrimmig Hegendorff Encom. R 3b; dafür:
ach wie verwund von des kellers geschosz Garg. 188. —
Kellerhals, m. Eingang oder Wölbung eines Kellers, über
das Haus vorspringend; Name der Strancharten dapline
mesereum und dapline laureola: in beiden Bed. schon
mhd. in gleicher Form. — Kellerloch, n. Luft= oder Lichtloch
eines Kellers; spöttisch auch für eine schlechte niedrige
Wohnung. — Kellerluft, k. dumpfe Luft eines Kellers
oder wie in einem Keller. — Kellermeister, m. Aufseher
über einen großen Wein= oder Bierkeller; mhd. in gleicher
Form auch — keller 2 (s. d.). — Kellerranm, m. Raum
eines Kellers oder der einen Keller bildet. — Kellerschabe,
f. Kellerassel. — Kellerwechsel, m. neuere Bezeichnung
eines Wechsels mit dem Accept einer Person
oder Firma, die gar nicht vorhanden ist, auch eines
auf solche Person oder Firma gezogenen Wechsels. —
Kellerwohnung, k. Wohnung in einem Kellergeschoß. —
Kellerwurm, m. Kellerassel.
Kellerei, k. Gesamtheit großer Kellerräume und Betrieb
derselben; in älterer Spr., mhd. kellerie, auch nach
Keller — Kellerei.