73 Hauptort — Hauptzug.
Markt, und Ort wo er gehalten wird; größter Marktplatz
eines Ortes. — Hauptort, m. erster Ort: im
hauptort jedes landes Schiller Tell 2, 2. — Haurtperson,
k. vornehmste, wichtigste Person. — Hanntprobe,
i. letzte zusammenfassende Probe vor einer Aufführung.
— Hauptpunkt, m. in älterer Spr. — Scheitelpunkt
Maaler; in der Perspective der Punkt auf einer
Tafel, wo die Linie hinfällt, die aus dem Ange
perpendilular darauf gezogen wird Frisch; übertragen:
haubtpunkt, pars sive guaestio principalis Stieler:
das ist freilich der hauptpunkt, brüderchen! Goethe
W. Meister 5, 2. — Hauptauartier, u. Quartier des
Oberbefehlshabers eines Kriegsheers. — Hauptsache, k.
wichtigster, bedentendster Teil einer Sache; in älterer
Spr. Rechtswort: aber so die hauptsach der missethat
. bewiesen würde Carolina Art. 23; in neuerer
Spr. allgemein: der bibliothekssaal war nun in der
hauptsache hergestellt Goethe Tagh. 1820. — hauptsächlich,
die Hauptsache betreffend, wichtigst: das erste
aber und hauptsächlichste bei allem irdschen ding
ist ort und stunde Schiller Picc. 2, 1; verblaßter
vorwiegend, zumal: (die Autorität) ist hauptsächlich
ursache, dasz die menschheit nicht vom flecke kommt
Goethe 50, 133. — Hauptsatz, m. wichtigster, hervortretendster
Satz unter mehreren verbundenen, rednerisch,
grammatisch, musikalisch, u. a. — Hauptschlacht, k. entscheidende
Schlacht. — Hauptschlüssel, m. Schlüssel zu
allen Schlössern eines Hauses; bildlich: eben der Lomellino
ist der hauptschlussel zu allen tollheiten Dorias
Schiller Fiesko 2, 15. — Hauptschmuck, m. Kopfschmuck:
wic ein frisches rosenpaar im lenz ihr ganzer
hauptschmuck war Wieland Ged. an Olympia IV;
hauptsächlicher Schmuck: die frische jugend war ibr
hauptschmuck. — Hauptschuld, f. in älterer Spr. —
Kapitalverbrechen; jetzt — hauptsächliche Schuld oder
Verschuldung. — Hauptseite, f. hauptsächliche Seite eines
Gegenstandes; Vorderseite eines Hauses, Kopfseite einer
Münze. — Hauptspaß, m. hervorragender, besonderer
Spaß: das ist ein hauptspasz Schiller Fiesko 3, 1.—
Hauptstadt, k. erste oder bedeutendste Stadt eines Landes
oder einer Landschaft. — hauptstädtisch, einer Hauptstadt
eigen oder gemäß. — Hauptstamm, m. hervorragendster
Stamm eines Baumes, übertragen auch auf
den Stammbaum eines Volkes oder Geschlechtes; Kapital
im Gegensatz zu Zinsen und Kosten. — Hauptstärke, k.
vornehmlichste Stärke. — Hauptstelle, f. bedeutendste,
wichtigste Stelle, in mehrfacher Bed. des letzteren Subst.
(s. d.). — Hauptstimme, f. hauptsächliche Stimme, besonders
in der Musik; auch freier: er hatte bei der
beratung einc hauptstimme. — Hauptstück, u. wichtigstes,
bedeutendstes Stück, Hauptteil eines Ganzen; hauptstücke,
die hauptsächlichen Formeln der christlichen Lehre.
— Hauptsumme, k. Hauptinhalt, vornehmster Inbegriff
in Zusammenfassung: las uns die heubtsumma aller
lehrc hören Pred.
al. 12, 13 ; hauptsächliche Summe
einer Schuld, Kapital gegenüber Zinsen und Kosten
4. Mos. 5, 7. — Haupttreffen, n. entscheidendes Gefecht
zwischen zwei Heeren. — Haupttreffer, m. großer Gewinn
in einem Glücksspiele. — Haupttreppe, f. hauptsächliche
Treppe eines Hauses, im Gegensatz zu Seiten-,
Neben-, Hintertreppen. — Hauptuhr, k. Uhr nach der
sich andere richten, Normaluhr. — Hauptunterschied, m.
kallen (plump zu verfahren)
vornehmlicher Unterschied. — Hanuptverdienst, m. u. hauptsächlicher
Verdienst: cin hauptverdienst um den staat;
des arbeiters bauptverdienst im Gegensatz zu kleinen
Nebenverdiensten. — Hauptwache, k. Ebpe?d*2 Wache,
von der aus andere Wachen besetzt werden; Ort wo
diese untergebracht ist. — Hanptwort, u. hauptsächliches,
besonders wichtiges Wort; in der Grammatik Verdentschung
von Subst., durch Gottsched eingeführt. —
Hauptzahl, f. besonders hervortretende, wichtige Zahl;
in der Grammatik = Grundzahl. — Hauptzug, m.
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hervorragender Zug, eines Bildes, Charalters: ein
hauptzug: gewicht und strenge, befchlende küurze
Schiller Fiesko, Personenverzeichnis; hauptsächliche
Richtung, in der etwas Ziehendes sich bewegt, und das
jo Ziehende selbst: hauptzug, hauptzüge der wolken;
hauptsächliche Richtung eines Gebirgsstockes; im Bergwesen
lang ausgedehnter bauwürdiger Gang; im Eisenbahnwesen
ein auf lauger Strecke durchgehender Zug. —
Hauptzweck, m. vorne bulicher Zweck.
Häuptling, m. Oberhaupt, Anführer; zufrühest als
friesisches Wort, altfries. härding, hävdling, Mitglied
dort herrschender Adelsfamilien; seit dem Ende des
18. Ih. auch hochdeutsch in allgemeinerem Sinne, noch
nicht von Adelung, wohl aber von Campe so angeführt:
die berühmtesten häuptlinge der wilden ebd.;
den Saracenen . . bin zum häuptling ich gesetzt
Uhland 182; jecder häuptling (unter den deutschen
Dichtern) Goethe Tagh. 1794; ein alter häuptling
der Teutonen (einer Studentenverbindung) Freytag
Handschr. 2, 210. — häuptlings, mit dem Haupt voran,
kopfüber; zuerst von Campe als neugebildetes Wort
verzeichnet, er entsank häuptlings hinab in den staub
aus Voß; mit sehenden augen häuptlings sturztcst
du dich selber in die tiefe Geibel 6, 24.
Haus, u. Bauwerk zum Wohnen. Gemeingerm.
Wort, goth. nur in der Zusammensetzung gud-hüs,
sonst durch ein anderes Wort ersetzt; altnord. altengl.
altsächs. ahd. mhd. hüs; ohne entsprechende urverwandte
Bildungen, aber in Verwandtschaft zu haut und hütte
(s. d.), und zu altengl. h#dan bedecken, bergen, mit dem
ursrünglichen Begriffe also des Bergeraums. Der im
Nhd. allein übliche Plur. häuser kommt schon in der
alten Spr. neben hüs auf: ahd. hüsir, hiusir, mhd.
hiuser. hbaus steht 1) im eigentl. allgemeinen Sinne,
von einem Wohngebäude: groszes, kleines, altes, neues,
enges, weites, geräumiges haus u. s. w.; der sein haus
auf einen felsen bawet Matth. 7, 24; die da weiche
kleider tragen, sind in der könige heuser 11, 8; der
widwen heuser 23, 14; giengen in das haus Philippi
des evangelisten Ap. Gesch. 21, 8; bei größeren Bauwerken
gern mit titelhafter näherer Bezeichnung: da er
aufs gebirge Ephraim kam zum hause Micha Richt.
17, 5; haus Gottfried in Tölz; hier ist das haus zum
schwarzen garten Keller Werke 9, 259; Dim. in älterer
und jetzt noch in altertümeluder Spr. häuslein, sonst
häuschen: so will ich euch bitten, mir das büusgen
drunten im dorf zu räumen Schiller Räub. 4, 3; in
dem zarten birkenhain sah ich ein häuschen blinken
Lenau 1; Plur. häuschen und häuserchen: sehr viele
häuscrchen stchen unmittelbar an den canälen Goethe
ital. Reise 1; in der allitterierenden Formel haus und
hof: ze hüse und ze hove Aarauer Urk. S. 18 (v. 1301);
viel unsrer brüder sind geplagt, von haus und hol
darzu verjagt P Gerhard s, 32; fiel den nachbarn
unverhofft in hof und stall und haus Bürger der
Raubgraf; in einer Redensart: kommt eben so wohl
als jenem .. zu haus und zu hofe (zu Gute) Lohenstein
Arm. 2, 778b; haus in andern sprichwörtlichen
Wendungen: auf einen häuser bauecn, festes Vertrauen
setzen; einfälle haben wie ein altes haus; schreien dass
mans über neun häuser hört; mit der thür ins haus zu
Heyses, 377; in Vergleichen:
ein kind wie cine mausz macht einen hader wie ein
hausz (so groß) Pistorius 6, 31, u. a. 2) in verengtem
Sinne, bezogen auf gewisse Hausarten: haus des herrn,
haus gottes, Tempel, Kirche; haus für adeliches Schloß,
Burg, in älterer Spr. häufig, in Nürnberg hieß haus
auch das Rathaus (Tucher Baumeisterb. 270, 12);
Theater; Versammlungsgebäude der Landboten;
Tagegebäude eines Bergwerks; auch nur — Hausflur,
im Gegensatz zu den Zimmern: er ging in die stube,
ich blicb im hause Steinbach; — freier vom Grabe,
Hauptzweck — Haus.