Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1902. (79)

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Bei  Vornahme  der  Visitationen  durch  den  Forstinspektor  sind  von  letzterem  die  für
die  nächsten  Jahre  in  Aussicht  zu  nehmenden  wirthschaftlichen  Maßregeln  mit  dem  Wirthschaftsführer
  zu  besprechen  und  gleichzeitig  die  Ergebnisse  der  Wirthschaft  in  den  abgelaufenen
  Jahren  zu  kontrolliren.

Die  fertiggestellten  Betriebsplane  sind  den  Vertretern  der  Körperschaft  rechtzeitig  zu
übergeben.  Letztere  haben  dieselben  entweder  unterschriftlich  anzuerkennen  oder  den  Antrag
auf  Abänderung  im  Ganzen  oder  bezüglich  einzelner  Theile  in  abgesonderter  Aeußerung
zu  stellen  und  zu  begründen.  Hierauf  sind  die  Betriebsplane  dem  Wirthschaftsführer
wieder  zuzustellen.  Letzterer  hat  im  Fall  der  Beanstandung  derselben  zunächst  den  Versuch
  einer  Verständigung  mit  der  Körperschaft  zu  machen,  und  wenn  derselbe  mißlingt,
die  Betriebsplane  dem  Oberamt  zu  weiterer  Behandlung  nach  Maßgabe  des  Art.  6  Abs.  2
des  Gesetzes  zu  übergeben.

F.  16.
Vorgriffe  innerhalb  der  genehmigten  Nutzungsperiode  und  Abweichungen  vom  Wirthschaftsplan.

Gesuche  der  Körperschaften  um  Gestattung  der  Vornahme  außerordentlicher  Holzfällungen
  oder  Streunutzungen  sind  vom  Wirthschaftsführer  in  Bezug  auf  die  forstwirthschaftliche
  Zulässigkeit  zu  begutachten  und  dem  Oberamt  zur  Prüfung  in  Bezug  auf  den
Haushalt  der  Körperschaft  zu  übergeben.

Je  nachdem  diesfalls  ein  Vorgriff  mit  Wiederausgleichung  innerhalb  der  genehmigten
Nutzungsperiode  oder  aber  eine  auf  nachfolgende  Perioden  übergreifende  Ueberschreitung
des  periodischen  Nutzungsquantums  geplant  ist,  steht  im  ersteren  Falle  dem  Oberamt
unter  Voraussetzung  des  Art.  6  Abs.  5  des  Gesetzes,  in  letzterem  Fall  aber  der  Körperschaftsforstdirektion,
  welcher  die  Akten  durch  das  Oberamtvorzulegen  sind,  die  Genehmigungzu.

Ergeben  sich  außerordentliche  Materialanfälle  in  Folge  von  Naturereignissen,  so  ist
in  Absicht  auf  die  Wiederausgleichung  des  Mehrbetrags  über  die  planmäßige  Nutzung
im  Laufe  der  genehmigten  Periode  die  Vorschrift  des  §F.  12  Abs.  3  und  4  oben  maßgebend,
  während  die  Vertheilung  der  Wiederausgleichung  auf  nachfolgende  Perioden  der
Genehmigung  der  Körperschaftsforstdirektion  bedarf.

Die  Streunutzungsgesuche  sind  als  dringlich  zu  behandeln;  den  Antragstellern  ist
ein  beschleunigter  Bescheid  zu  ertheilen.