Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

schluß  an  Deutschland  entschleden  hatte,  zu  verzichten  und  eine  neue  Voltsbefragung
  vorzunehmen.  Allerdinge  verlangte  es,  daß  dlese  stattfünden  solite,
während  die  deutsche  Besatzung  noch  im  Lande  bliebe.  Trotzki  forderte  dagegen
  die  vorherige  Räumung  der  Länder.  Hinter  dleser  Forderung  steckte
Trotzkis  Entschluß,  dle  von  Rußland  wegstrebenden  Landesteile,  allem  Selbstbestimmungerecht
  zu  Crotz,  mit  Gewalt  unter  das  bolschewistische  Regime  zu
zwingen,  wie  er  glelches  auch  bereite  gegen  die  Mralne  eingeleitet  hatte.

Osterreich  verlangte  die  Befreiung  Polene  —  in  der  Absicht,  es  dann  durch
die  „austro-polnische  Lösung“  an  die  Doppelmonarchie  zu  ketten.  Dlie  Türken
verlangten  Rückgabe  der  ihnen  1878  im  Berllner  Frieden  entrissenen  armenischen
Distrikte  Batum  und  Kars.

Krotzki  dachte  gar  nicht  daran,  sich  auf  alle  dlese  Ansprüche  zu  erklären.  Er
bielt  unentwegt  bolschewistische  Agltatlonsreden  zum  Fenster  binaus  und  nahm
den  Mittelmächten  gegenüber  einen  Ton  an,  „als  ständen  Sowietheere  vor  den
Toren  Berlins“.

Schließlich  wurde  nicht  nur  den  Mllitärs,  sondern  auch  den  Olplomaten
der  Verbündeten  die  Sache  zu  dumm.  Sie  beauftragten  den  General  Hoffmann,
einmal  „auf  den  Tisch  zu  hauen“.

Oer  redete  nun  endlich  Fraktur.  Das  hatte  elnen  unerwarteten  Erfolg.
Nicht  etwa  bel  dem,  gegen  den  sie  gemünzt  war  —  bei  Trotzki.  Aber  bel  demjenlgen
Teil  der  deutschen  und  österreichischen  Presse,  die  für  Verständlgung  um  jeden
Preis  war.  Sie  fabelte  den  moralischen  Faustschlag  auf  den  Tisch  in  einen
phoyslschen  um  und  beschuldigte  den  Vertreter  der  O.  H.  L.,  durch  selnen  hochfabrenden
  Ton  Trotzki  gereizt  und  frledensunwillig  gemacht  zu  haben.

Am  18.  Januar  verschwand  Trotzki  nach  Petersburg  und  vollzog  dort  einen
neuen  Staatestreich.  Seine  Roten  Garden  trieben  die  zum  Aufbau  der  republikanlschen
  Verfassung  des  neuen  Rußland  zusammengetretene  „Constltuante“
auselnander.  Der  kommunistische  Terror  begann  In  gräßlichster  Gestalt  gegen
das  ganze  russische  Bürgertum  zu  wüten.  Trotzkl  aber  ließ  die  Deleglerten  in
Breft  warten.  Statt  nach  sechs  Tagen,  wie  er  versprochen  hatte,  kom  er  erst  am
30.  Januar  siegesgeschwellt  zurück.  Er  begann  aufs  neue  im  alten  Ton  zu
„verhandeln“.

7.

Inzwischen  hatte  die  O.  H.  L.  in  Berlin  erklärt,  sie  könne  sich  unter  keinen
Umständen  auf  weltere  Verschleppungen  einlassen.  Sie  brauche  ihre  Truppen
im  Westen.  Komme  man  mit  den  Russen  noch  lmmer  nicht  zum  Schluß,  so
müsse  man  die  Verhandlungen  abbrechen  und  dle  Feindseligkeiten  aufe  neue
einieiten.

Oie  Diplomaten  fanden  aber  noch  immer  nicht  die  Kraft  zu  einem  entschlossenen
  Kon.  Zwar  patten  sie  inzwischen  ein  Mittei  gefunden,  das  Trotzki
vielleicht  doch  zu  einer  anderen  Haltung  bewegen  würde.  Sie  hatten  es  unternommen,
  die  Gegner  zu  spalten:  sie  waren  in  gesonderte  Verhandlungen  mit
den  Ukrainecn  elngetreten.

Freilich  gingen  auch  diese  keineswegs  glatt  vorwärts.  Da  dle  Mrainer  auch
österreichische  Gebletstelie  beanspruchten,  mußte  ihnen  erst  in  derber  Welse

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