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Unterricht der jugend angelegen fetn ließen. Diele jagten fi in ihrem
Herzen von ber Kirche 108; Doch hielt man fi noch äußerlich zu ihr,
um fih den Zorn ber mächtigen Priefterfchaft nicht zuzugiehen; tele
verfanfen auch ganz in Unglauben und jpotteten des Heiligen. Da
fonnte Die Priefterihaft Alles dulden, jelbft die Ihmäahlichite Sitten-Iofigfeit,
wenn man nur nit ihre Saßungen angriff, bie ihr
die Schäbe zubrachten, nad) denen fie geizte. Wie einft Die Hohen:
priefter, Schriftgelehrten und Pharijüer dem heiligen Geifte wiberftrebten
und im Eifer um ihr Anjehen den Herrn und jeine Jünger haften und
verfolgten, und das Volk war, wie eine Heerde ohne Hirten, jo aud
bamald; ja, e8 wurde täglich ärger. Der fehrelendfte und betllofeite
Mipbrauch, den die Prieiterjhaft trieb, zugleich Die Wurzel vieler aıdern
Mißbräuche, war der Ablapbandbel. ES war jhon in uralter
Bett Sitte, daß, wenn Semand fich gegen firchliche Ordnungen und
Gejehe vergangen hatte, und Durch Büßungen — 3. Bd. Wallfahrten,
bejonders nah Nom, Serufalem 2, Herfagen von Pjalmen und Gebeten,
Beifteuern zur Erbauung von Kirchen, Klöftern und Heiligen:
bäuschen — die Schuld abtrug, ihm Ablaf, d. 5. Vergebung erthellt
wurde. Nllmäahlich, Jobald man die Firchlichen Sakungen ben göttlichen
Seboten gleich ftellte, wurde jener Firhliche Ablaß al8 die göttliche
Vergebung der Sünden angefehen. So riß nach und nad) Der
Wahn ein, der von der Priefterfchaft forgfältig gepflegt wurbe, Daß
man fich Durch dergleichen äußere Werfe die Gnade des Richters er:
werben fönne, der nur da8 Herz anfieht. Die Geiftlihen verlangten
zwar auch Neue und Befehrimg; aber le bewtejen duch ihr Verhalten
und durch ihr Leben, wie wentg fie darauf gaben. Auch waren gerade
die Hochmüthigften und die gottlofeften Päpfte Die eifrigiten Verkündtger
de8 AUblaifes, weil er ihnen jo viel Geld eintrug.
Der Papit Yeo X. wollte fih in dem Practbaue der Peters:
firche zu Rom Jeined Namens Denkmal ftiften und fchrieb dafür einen:
allgemeinen Ablaß aus. Der Erzbifhof von Mainz über:
nahm für die Hälfte des Ertrages das Gefchäft in Deutichland. Er
fandte nah Sachjen den Dominicanermönd Sohann Tebel au?
Leipzig. In allen Drtichaften wurde diejer al8 des Papftes Gefandter
feterlichit empfangen. Vor dem Altar In der Kirche ftellte er feinen
geoßen Geldfaften auf mit der Snfchrift:
„Sobald das Geld im Kaften Eliingt,
Die Seele au dem Fegfeuer fpringt.”
Gr pflegte zu jagen: „Der Ablaf tft Die höchfte Gabe Gotte£, das
cothe Kreuz des Papites vermag fo viel, ald das Kreuz Chrifti; ich,
Tegel, habe mit dem Ablab weit mehr Seelen errettet, ald Petrus
mit jeiner Predigt, und mag mit ihm im Himmel nicht theilen." Für
jede, jogar für Die noch zu begehende Sünde war eine Gelbtage feitgeftellt,
um die fte erlaffen würde. Die Beichtftühle wurden Ieer, und
wer noch fam, hatte fchon feinen Ahlaßzettel, und wollte von Reue und
QDuge und Glauben nicht3 willen, um vor Gott beitehen zu fünnen.