Volltext : Geschichte des Preußischen Staates

286  Die  Bauern.

züglichen  Edikte  heißt,  „der  König  habe  in  Erwägung  gezogen,  was  es  für  eine
edle  Sache  sei,  wenn  die  Unterkhanen  statt  der  Leibeigenschaft  sich  der  Freiheit
rühmen,  das  Ihrige  desto  besser  genießen,  ihr  Gewerbe  und  Wesen  mit  um  so
mehr  Begier  und  Eifer  als  ihr  eigenes  betreiben  und  ihres  Hauses  und  Herdes,
ihres  Ackers  und  Eigentums  sowohl  für  sich  als  die  ihrigen,  für  Gegenwart  und
Zukunft  desto  mehr  gesichert  seien“.  Trotz  der  notwendigen  Beschränkung  auf
die  Domänen  mußte  aber  eine  solche  Maßregel,  ebenso  wie  die  Einrichtungen  des
Heeres,  auch  für  die  Gutsunterthanen  des  Adels  und  der  Städte  mittelbar  von
Einfluß  werden.  Soweit  es  möglich  war,  ergriff  der  König  auch  für  diese  Maßregeln,
  die  unmittelbar  zur  Besserung  ihrer  Lage  führten,  wie  er  denn  vorzüglich
  das  bekannte  Mandat  gegen  das  Schlagen  der  Bauern  erließ  (9.  April
#Us8  1738)  und  die  Uebertreter  mit  der  Karre,  ja  mit  Todesstrafe  bedrohte.  Auch
gegen  die  Ungehörigkeiten,  die  sich  die  Soldaten  auf  dem  Marsch  wie  auf  Urlaub
leicht  gegen  die  Bauern  zu  Schulden  kommen  ließen,  schritt  der  König  mit  Entschiedenheit
  ein,  bedrohte  die  Unteroffiziere  und  Gemeinen,  wie  auch  die  Offiziere,
von  denen  er  doch  „die  Meinung  habe,  daß  sie  nicht  capable  seien,  ohne  extra
ordnair  gegebene  Ursach  die  armen  Bauern  und  Unterthanen  mit  Schlägen  und
Prügeln  übel  zu  traktiren“,  mit  empfindlichster  Strafe.  Ebenso  verbot  er  das
Auskaufen  der  Bauern  auf  den  nicht  königlichen  Aemtern,  wies  die  Kammern  an,
„dahin  zu  sehen,  daß  kein  Landesvassall  von  denen  Markgrafen  an  bis  zu  dem
geringsten,  er  sei  wer  er  wolle,  sich  eigenmächtig  unterstehen  dürfe,  einen  Bauern
ohne  gegründete  raison  und  ohne  den  Hof  gleich  wieder  zu  besetzen,  aus  dem
Hofe  zu  werfen“.  So  erhielt  auch  der  Gutsbauer  die  größtmögliche  Sicherheit
seines  Eigentums,  und  war  damit  die  Hoffnung  auf  guten  Anbau  und  ordentliche
Bewirtschaftung  gegeben.  Vornehmlich  aber  mußten  die  Kammern  auf  die  Eigenschaften
  der  Domänenpächter  achten,  in  deren  Hand  das  Wohlsein  der  Amtsbauern
  wesentklich  ruhte,  und  unter  der  Aufsicht  der  Kommissariate  haben  diese
„Beamten“  oder  Oberamtleute  Hervorragendes  geleistet.  Endlich  hatte  der  König
gleich  im  Anfange  die  Leistungen  der  Bauern  auszeichnen  lassen,  die  sie  der
Gutsherrschaft  schuldig  waren,  und  so  wenig  er  diese  rechtlich  begründeten  Verhältnisse
  völlig  lösen  konnte,  so  setzte  er  der  wirtschaftlichen  Ausbeutung  der
auern  doch  durch  die  Verordnung,  daß  sie  in  der  Regel  nur  einen  Tag  in  der
Woche  zu  „scharwerken“,  d.  h.  Spanndienste  zu  thun  verpflichtet  sein  sollten,
eine  Schranke.  Allerdings  nur  allmählich  und  als  Beispiel  vermochte  der  König
hier  zu  wirken,  aber  wenn  auf  den  königlichen  Domänen  die  wirtschaftlichen  Fesseln
des  Bauern  gelöst  wurden,  so  war  dies,  da  mehr  als  ein  Drittel  des  ganzen
Grundbesitzes  Staatseigentum  war,  doch  von  durchgreifender  Bedentung.

Die  Bebauung  des  Landes  selbst  war  wieder  einer  der  Zweige,  für  die  der
große  Wirt  in  Preußen  die  volle  Sachkunde  und  die  vollste  Hingabe  hatte.  Unermüdlich
  ist  er  für  die  Verbesserung,  die  „Meliorationen“  thätig,  er  weiß,  welche
Frucht  dem  jedesmaligen  Boden  entspricht  und  sorgt  dafür,  daß  sie  gepflanzt
wird.  Die  Pflege  der  Viehzucht,  hauptsächlich  der  Pferdezucht,  die  Wiesenkultur,
die  Anlage  von  Hopfen=  und  Obstgärten,  Pflanzung  von  Maulbeerbäumen  zur
Einbürgerung  des  Seidenbaues,  der  Schutz  gegen  ausländischen  Wettbetrieb,  die
Schaffung  von  Absatzwegen,  die  Anlage  königlicher  Getreidespeicher,  die  Einwirkung
auf  die  Getreidepreise,  und  was  irgend  sonst  zur  Pflege  des  Bodens  beiträgt,  für
alles  hat  der  König  ein  offenes  Auge.  Ueber  alles  müssen  ihm  die  Amtleute  und