ll. Die Legende in der preußischen (eschichte. 35
gänger des Kaisero und der Katholiken verschrieen, ist letzterer
durch die neuere Forschung als ein würdiger Zeitgenosse Richelieus
erwiesen worden. Im Kampf mit den Ständen, die ein
landesherrliches Recht nach dem anderen an sich gebracht oder
entwertet hatten, versuchte er für Brandenburg die erste Bedingung
einer selbständigen Politik zu schaffen, ein stehendes
Heer, und war dem Ziele ganz nahe, als der Tod des ihm unbedingt
vertrauenden Georg Wilhelm einen jähen Umschwung
herbeiführte. Persönlich gegen Schwartzenberg erbittert, schlug
sich der junge „neue Herr“ auf die Seite der Stände und versuchte
es mit der von ihnen gewollten Neutralität, ohne den
Rückhalt eines schlagfertigen Heeres, um sich nach drei Jahren
verzweifelten Ringens von ihrer Unmöglichkeit zu überzeugen
und durch die Rückkehr zu dem System des verhaßten väterlichen
Ministers Rettung zu suchen und zu finden. Inzwischen
aber war unter eifriger Mitwirkung der Stände, die, eben
noch dem Erliegen nahe, über Schwartzenberg triumphiert-hatten,
und nicht zuletzt durch amtliche Aeußerungen über diesen die
politische Legende konstruiert und in Umlauf gebracht, die jetzt
erst von seinem Andenken genommen wird. Es braucht kaum
noch hervorgehoben zu werden, wie anders sich nun auch das Bild
von den gemeinhin stark verzeichneten Anfängen des Großen
Kurfürsten gestaltet. Auch der Ausgang von dessen Regierung
ist legendarisch ausgeschmückt, wenn im Dienst einer seine Zeit
erfüllenden politischen und konfessionellen Tendenz behauptet
und lange geglaubt worden ist, brandenburgische Truppen
hätten Wilhelm von Oranien auf seinem die Freiheit Europas
und die Reformation rettenden Zuge nach England begleitet:
nur um eine Deckung der Niederlande in seiner Abwesenheit
gegen einen französischen Gewaltstreich handelte co sich bei dem
betressenden Abkommen.
Ein Seitenstück zu der Schwartzenberglegende bietet in gewisser
Hinsicht die traurige Geschichte der Jahre 1805 und 1806.
Während für die widerspruchovolle und unredliche Politik, die
Preußens Verhängnis beschleunigte, nach der herkömmlichen
Auffassung die Unfähigkeit und Eigenmächtigkeit von Haugwitz
verantwortlich gemacht wurde, dessen Namen in den Angen der