Volltext : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1881. (8)

Mba.  1203

werden  die  Landesregierungen  mit  hinreichender  Rechtskenntniß  und  Geschäftskenntniß  ausgestattete
  Beamten  auswählen  und  denselben  im  Bedürfnißfalle  einen  Gehülfen  beiordnen.

Die  im  F.  27  Absatz  2  bezeichneten  Anstalten  sind  bis  auf  weiteres  jährlich  mindestens
zweimal  der  Revision  zu  unterwerfen.  Die  letztere  ist  in  unregelmäßigen  Zwischenräumen
ohne  Anmeldung  vorzunehmen.

Die  revidirenden  Beamten  haben  sich  aus  den  veröffentlichten  Geschäftsberichten  und
Bilanzen,  aus  Statuten  und  ähnlichen  Materialien  vorher  eine  möglichst  sichere  und  eingehende
  Kenntniß  der  Art  und  des  Umfangs  der  Geschäfte  der  einzelnen  Anstalten  zu  verschaffen.
  Sie  dürfen  sich  bei  der  Revision  nicht  darauf  beschränken,  die  ihnen  von  den
Betheiligten  als  stempelpflichtig  bezeichneten  Schriftstücke  zu  prüfen,  sondern  haben  nach  ihrer
allgemeinen  Geschäftskenntniß  und  der  über  den  Geschäftsbetrieb  der  revidirten  Anstalten
erlangten  Kenntniß  selbst  die  Korrespondenzen,  Beläge  und  sonstigen  Schriften  zu  bezeichnen
und  zu  fordern,  in  denen  slempelpflichtige  Schriftstücke  der  unter  Nummer  4  des  Tarifs
bezeichneten  Art,  oder  die  Ausweise  über  die  Versteuerung  der  emittirten  Werthpapiere  und
dergleichen  vermuthlich  enthalten  sind.  Geschäftsjournale,  Verzeichnisse  der  abgeschlossenen
Verträge,  Terminkalender  und  ähnliche  Register,  auch  die  Geschäftsbücher  bieten  Anhaltspunkte,
  um  die  seit  der  letzten  Revision  eingelaufenen  stempelpflichtigen  Schriftstücke  mit
Erfolg  aufzusuchen,  selbst  wenn  die  Absicht  vorhanden  sein  sollte,  sie  dem  revidirenden  Beamten
  vorzuenthalten.  Schlimmstenfalls  sind  auf  Grund  des  KF.  23  des  Gesetzes  Strafanträge
  zu  stellen.

Auch  die  Einsicht  der  im  Tresor  befindlichen  Werthpapiere  ist  statthaft.  Die  Revision
ist  soweit  auszudehnen,  bis  der  revidirende  Beamte  die  begründete  Ueberzeugung  erlangt  hat,
daß  die  vorhandenen  stempelpflichtigen  Schriftstücke  regelmäßig  dem  Gesetze  gemäß  versteuert
worden  sind  oder  daß  er  anderenfalls  die  Mehrzahl  der  unterlassenen  Versteuerungen  ermittelt
  hat.  Namentlich  ist  die  Beachtung  der  in  der  Tarifnummer  4  und  den  §§.  6  bis
11  des  Gesetzes  enthaltenen  Vorschriften  eingehend  zu  prüfen.

Wegen  der  bei  der  Rewvision  einer  Anstalt  oder  juristischen  Person  gefundenen  Gesetzwidrigkeiten
  sind  Strafanträge  nur  ausnahmsweise  und  insbesondere  dann  zu  stellen,  wenn
die  Ueberzeugung  besteht,  daß  vorsetzlich  Stempelhinterziehungen  begangen  sind.

Ueber  den  Verlauf  der  Revision  ist  ein,  von  den  Revidirten  nicht  zu  unterzeichnendes
Protokoll  und  in  demselben  alle  Erinnerungen  unter  genauer  Bezeichnung  der  Schriftstücke,