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Biarrits zo. Aug. 62.1)
Mein liebes Serz
ich bin in Biarrits hängen geblieben, an der Schwelle der
Pyrenãen, die ich vielleicht noch betrete. Das Seebad bekam
mir zunächst so ausgezeichnet, daß ich die Abreise von einem
Tage zum andern aufschob, obschon ich mich etwas einsam fühlte.
Seit die Orlows?) gekommen sind, lebe ich mit ihnen, als ob
wir allein auf dem lande wären, und habe mich etwas in die
niedliche principesse verliebt. Du weißt, wie mir das gelegentlich
zustößt, ohne daß es Johanna Schaden thut. Wir baden
des Morgens, gehn dann in die Klippen, frübstücken in einer
entlegnen Schlucht hinter dem Leuchtthurm, wo ich augenblicklich
neben einer gelb und blauen Robe auf dem Rasen sitze, zwischen
zwei haidebraunen Felsen, auf grüne ellen und weißen
Schaum blickend, diese Zeilen schreibe; große weiße Möven mit
schwarzen Flügeln schweben und kreischen in der Höhe, und die
allgegenwärtige Tamarinde s) beschattet uns ausreichend gegen
die glühende Sonne eines „schönen Wetters“, d. h. 250 im
Schatten, nur hier nicht, wo die See-Brise kühlt. Einige Birnen,
Pfirsich und Sunde liegen neben uns, Orlow (Du kennst ihn
doch, mit der schwarzen Binde auf dem Auge, der Gesandte in
Brüssel) sitzt rauchend und lesend, seine Frau schreibt wie ich.
Sie würde auch Dir sehr gefallen. §igur und Aeußeres etwa wie
die Troy“"), dabei sehr originell, gescheut und lustig, etwas er-1)
Ju vgl. Briefe Bismarcks an die Gattin, 4. Aufl. Trr. 307—376.
") Järst Nikolai Alexejewitsch Orlow, russischer Gesandter in Brüssel, und
seine Gattin Ratharina, geb. Trubetzkoi.
*) Wuß beißen: Tamariske.
"/) Matalie, geb. Sörstin von Ligne, Gattin des Herzogs Nudolf von Croy.
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