Full text : Volkstümliches aus dem Königreich Sachsen auf der Thomasschule gesammelt. Zweites Heft. (2)

130  Volkstümliches  aus  dem  Nachlasse  von  Rudolf  Hildebrand.

4.  Napoleon,  du  Schustergeselle,.)
Du  saßest  nicht  fest  auf  deinem  Thron,
In  Deutschland  da  warst  du  so  strenge,
Und  in  Rußland  bekamst  du  deinen  Lohn.

5.  Ach  hättest  du  nicht  an  das  Rußland  gedacht,
Und  hättest  du  den  Frieden  in  Deutschland  gemacht,
So  wärest  du  Kaiser  geblieben,

Und  du  hättest  den  allerschönsten  Thron.

Außerdem  bemerkt  Hildebrand:

„Schröer  hörte  1860  einen  österreichischen  Soldaten,  der
aus  Italien  kam,  singen:  Wir  sitzen  so  fröhlich  beisammen,
die  ersten  2  Strophen,  danach:

Die  Deutschen,  die  stehn  wie  die  Mauern,
Die  haben  gar  lustigen  Sinn.

O  Franzosen,  ihr  seid  zu  bedauern,

Wir  legen  die  Waffen  nicht  hin.

Wir  legen  die  Waffen  nicht  nieder,

Bis  Italien  gibt  einen  (sol)  Ruh,

Bis  die  Lumpen  Franzoselein  laufen,

Mit  Schimpf,  ohne  Strümpf,  ohne  Schuh.

„So  singen  wir  jetzt  in  Italien“,  sagte  er  dann,  lautes
Bravo  erscholl,  und  er  mußte  das  Lied  wiederholen.
(Lpz.  Tagebl.  1860  Nr.  50,  S.  748.)

26.  1,  2,  3,  20,
Die  Franzosen  gingen  nach  Danzig,
Danzig  das  ist  abgebrannt,
Die  Franzosen  sind  fortgerannt.  (Lpz.)

*)  Hildebr.  verweist  auf  ein  in  denselben  Coll.  stehendes  Lied  aus
Prutz'  dtsch.  Mus.  1857,  worin  es  unter  anderem  heißt:

Napoleon  ist  nicht  mehr  stolz,

Er  handelt  jetzt  mit  Schwefelholz,

Er  läuft  die  Straßen  auf  und  ab,

Ihr  Leut'  kauft  mir  mein  Schwefelholz  ab.