336 Erankreith. (Februar 10.)
Regierung der französischen zur Kenntnis bringen. (Eduard Vaillant:
Diese Wünsche wechseln in der Form, aber sie dauern fort.) Pichon fortfahrend:
Meine Herren, ich habe die Mitteilung aufgenommen, wie sie es
verdiente, als eine herzliche Mitteilung, die durch den Wunsch eingegeben
war, keine Schwierigkeiten zu schaffen. Von seiten Mulay Hafids war
dieser Schritt nicht überraschend, im Gegenteil; Mulay Hafid hat, wie
man gelegentlich früherer Erörterungen erzählte, seine Zeit dazu verwendet,
sich an die Mächte um Hilfe zu wenden. Er wandte sich an Deutschland,
England und Italien (Rouanet dazwischen rufend: Und an Frankreich!),
um sich Geld zu verschaffen. Die Haltung Abdul Asis', wie sie sich nach
unseren Erkundigungen darstellte, konnte dagegen befremden, und ich ließ
daher den Sultan sowie seine Vertreter in Rabat und Tanger fragen, ob
sie Gründe zu Klagen und Anlaß zur Beschwerde hätten. Sie erklärten,
daß sie nichts gegen Frankreich hätten und auch keine Klage erhoben
hätten. Versicherungen und Ableugnungen sind uns gleicherweise vom
Sultan, Ben Sliman, El Guebbas und El Torres zugegangen. Es ist
nicht im geringsten wahr, daß von der deutschen Regierung durch ihren
Gesandten in Tanger mündliche Verhandlungen mit der marokkanischen
Regierung eingeleitet worden sind. Von wo dieser Schritt ausgegangen
ist, das haben wir durch die stets courtoisievollen und freundschaftlichen
Verhandlungen erfahren, die wir mit der deutschen Regierung gepflogen
haben. Die Quelle des Zwischenfalles ist in einer Unterhaltung in Rabat
mit Ben Sliman zu suchen; dessen Partner im Gespräch war nicht der
deutsche Gesandte, sondern ein Kaufmann in Rabat, der mit den Geschäften
eines Konsularagenten betraut war und sich zum Ueberbringer des Vorschlages
machen ließ. Die uns gemachte Mitteilung ist einfach als ein
Zeichen korrekten und höflichen Verhaltens der Kaiserlich deutschen
Regierung von uns aufgefaßt worden. Die marokkanische Frage werde
zur Ehre Frankreichs gelöst werden. Er bitte die Kammer, sich nicht zu
beunruhigen aus Anlaß täglicher Vorkommnisse. (Lebhafter Beifall auf
der Linken.) Andere Mächte hätten Frankreich ein Beispiel von Takt
gegeben. Frankreich halte sich bei seinem Vorgehen innerhalb der von der
Algecirasakte vorgezeichneten Grenzen und er fordere die Kammer auf,
dieses des Landes würdige Vorgehen zu unterstützen. „Gedenken wir
achtungsvoll derjenigen, die für das Vaterland zu sterben wissen.“ (Beifall,
lebhafte Erregung auf der äußersten Linken.) Abg. Jaures: Es
habe einen wirklichen Zwischenfall mit Deutschland gegeben, und er freue
sich, daß dieser Zwischenfall keine größere Bedeutung gehabt habe. Pichon
habe aber vor acht Tagen die Kammer getäuscht, als er erklärte, er wisse
nichts von dem Interventionsgesuche des Sultans Abdul Asis. (Beifall
auf der äußersten Linken.) Pichon: Ich will Jaureèes nur ein Wort
erwidern, aber ein Wort, das ich der Kammer schuldig bin. Ich habe
bereits im Laufe der verschiedenen Debatten, an denen ich teilgenommen
habe, gesagt, daß ich hier jede mögliche Aufklärung über die auswärtige
Politik der Regierung geben würde. Daraus hat Jaures ohne Zweifel
geschlossen, daß, wenn streng vertrauliche Mitteilungen von dem Botschafter
einer Großmacht gemacht würden, ich sie dem Parlamente bekanntgeben
müßte. Das wäre eine neue Diplomatie, die vielleicht einem Jaures
gefallen dürfte und solchen, die veröffentlichen, was ihnen mitgeteilt wurde.
(Sembat: Das ist ein Geständnis! Rouanet: Reuter hat diese Mitteilungen
veröffentlicht.) Pichon (fortfahrend): Die mündlichen Mitteilungen Deutschlands
waren vertraulich. Heute ist das Geheimnis gelöst, und ich kann
offen sprechen. Ich füge hinzu, daß mir dies nicht schwer fällt, und daß.
ich es nicht bedauere, sprechen zu können.