Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1889. (23)

Oberamt  Brackenheim.  105

Lettenkohlensandstein  betrieben  werden,  so  gehört  das  geschichtete  Gebirge  des  Bezirks
ausschließlich  dem  Keuper  an.  Der  Lehm  des  Zabergäus  liegt  größtentheils  auf  den
Gypemergeln  des  Keupers.  Die  massenhaften  Geschiebe  am  Thalrand  des  Neckars
von  Bönnigheim  bis  Klingenberg  treten,  wie  es  scheint,  im  Zabergäu  nicht  mehr  auf;
die  Zaber  und  die  zahlreichen  Nebenflüsse  derselben  stammen  daher  alle  aus  dem
Kenper.  Die  „Brunnen“  treffen  wir  erst  außen  im  Gebiet  der  Kiese  (Saubrunnen,
Erlenbrunnen  bei  Bönnigheim  2c.)  Was  im  n.  Theil  des  Bezirkes  bei  Massenbach,
Massenbachhausen  und  Schwaigern  liegt,  ist  Löß  und  hat  meist  Geschiebe  zur  Unterlage,
wie  man  sich  in  den  tiefeingeschnittenen  Hohlwegen  und  den  Thälern  überzeugen  kann,
die,  wie  im  Zabergäu,  auf  den  5.  Thalseiten  meist  anstehendes  Gebirge  zeigen,  während
auf  der  w.  Seite  Löß  und  Lehm  bis  in  das  Thal  herabreichen.  Aus  den  Geschieben
kommen  zahlreiche  Quellen  mit  vorzüglichem  Trinkwasser,  das  aber  in  Berührung  mit
Gypemergelnu#schlecht  wird  (Teufelsbrunnen  bei  Massenbachhausen).

Die  Keuperformation  mit  ihrem  regelmäßigen  Wechsel  von  3  Mergel=  mit  3
Sandsteinbildungen  erhebt  sich  260  m  mächtig,  horizonral  gelagert,  in  scharf  hervormetenden,
  von  den  Sandsteinen  gebildeten  Terrassen  über  die  Ebene.

Die  Gipemergel  (100  mw)  enthalten  Gips  bei  Brackenheim  (Galgenberg  und
Burg),  Neipperg  (Hörnle),  Dürrenzimmern  (12  m),  bei  Stetten,  Nordhausen  u.  s.  w.

Der  Schilfsandstein  bildet  das  Plateau  Leonbronn-Ochsenberg-Riesenhof,  des
Heuchelbergs  mit  dem  Wartthurm,  Mönchs=  und  Heidelberg,  Burg  Neipperg,  Schloß
Stockoberg,  Spitzenberg  bei  Zaberfeld  und  die  5.  Vorterrasse  des  Strombergs:
Katharinenplaisir  und  Schloß  Magenheim.  Bis  zu  12  m  mächtig,  keilt  er  sich  bei
Erlenbach  und  Ochsenbach  aus  und  ist  dort  nur  durch  Sandmergel  vertreten.  Die
mittleren  Mergel  sind  am  Stromberg  besonders  mächtig  (60  m)  entwickelt,  weniger
der  zwischen  bunten  Mergeln  gelegene  Kieselsandstein  (Einsattlung  westlich  vom  Michelsberg)
  mit  den  Afterkrystallen  nach  Steinsalz.

Der  weiße  Sandstein  ist  in  technischer  Beziehung  das  wichtigste  Glied.  Unten
Bausandstein  (Ochsenbach,  Hohenhaslach),  der  nach  oben  Platten  liefert,  mit  Fischen
(semionotus  Bergeri);  darüber  meergrüne,  rothe  u.  a.  sandige  Mergel,  Konglommerate,
  Steinmergelbänke  (Cyclas  keuperina,  Anodonta  dubis,  Gasteropoden
euberhalb  Ochsenbach,  Erlenbach  und  dem  Hohlweg  über  der  Ruine  Blankenhorn).
Das  Plateau  dildet  grober  weicher  Stubensandstein  (Fegsand)  mit  lichtblauen  Letten
(Hafnererde).  Von  dem  Plateau  abgetrennte,  isolirte  Höhen  sind:  der  Michelsberg
und  Ruine  Blankenhorn.  Zwei  tiefer  liegende  Höhen  südlich  von  Eibensbach  werden
von  abgerutschten  Sandsteinbänken  gebildet.  Ueber  das  Plateau  des  Strombergs  und
des  s.  angrenzenden  Höhenzugs  zwischen  Kirbach  und  Metter  erheben  sich  die  rothen
Kaollenmergel  mit  dem  Bonebed  Sandstein  (60  m)  im  Schlierberg  (454,5)  Steinehan
(472,6)  und  Baiselsberg  (468,  4).  Der  Sandstein  enthält  Muscheln,  das  Bonebed
oben  fehlt.  —  Gesamtfläche  223,85  qkm,  hievon:  Muschelkalk  O41  =  0,18%,  Lettenkohle
  3,02  =  1,35%  ,,  Keuper  129,84  =  58,00  %  ,  Diluvium  76,95  =  34,38%,
Auvium  13,63  =  6,09%⅝%.  (Bl.  Besigheim  v.  Paulus  und  Bach  1865.  Jsh.  XIV.
22,  XVII.  198,  XII.  57.)

Flora.  Viele  Unterlandepflanzen  (I.  471)  mit  einigen  Pflanzen  des  Rheinthals,
aber  auch  Gewächse  des  Hügellands  und  der  untern  Bergregion.  In  den  Berggegenden
Kenperflora;  auch  mehrere  seltenere  Sandpflanzen.  Der  Wald  bestand  wohl  früher
vorherrschend  aus  den  beiden  Eichen  (übrigens  Rothbuchen  nicht  selten);  nun  aber  sind
euch  viele  Nadelholzpflanzungen  vorhanden.  Vgl.  Karrer  in  der  O.  A.  Beschr.  S.  41  ff.
und  Jeh.  XXXI.  866,  XXXVIII.  263  ff.