Full text : Die Reichsbank 1876-1900. (1)

Der  Giro-Inkassoverkehr.


56  Der  Giro-  und  Abrechnungsverkehr.

erhöht  worden;  sie  beträgt  jetzt  #16  vom  Tausend,  mindestens  jedoch  30  Pf.  auf  die
einzelne  Einzahlung.  Immerhin  stellt  sich  diese  Art  der  Zahlung  noch  billiger  als  die
umständliche  und  umwirthschaftliche  Baarsendung  per  Post  durch  Geldbrief;  auch  die
Postanweisung,  die  überdies  nur  in  mäßigen  Beträgen  möglich  ist,  stellt  sich  nur  bei
ganz  kleinen  Summen  billiger,  also  auf  einem  Gebiet,  auf  dem  die  Reichsbank  mit  der
Post  überhaupt  nicht  in  Wettbewerb  treten  will.  Die  Wirkung  der  erhöhten  Gebühr
äußerte  sich  darin,  daß  die  von  Nichtkonteninhabern  eingezahlten  Summen  sich  in  den
beiden  Jahren  1884  und  1885  nicht  wie  seither  weiter  gesteigert,  sondern  um  mehr
als  200  Millionen  Mark  verringert  haben,  während  allerdings  die  Stückzahl  der  Einzahlungen
  noch  einen  bescheidenen  Zuwachs  zu  verzeichnen  hatte;  daneben  ging  eine  gewaltige
Steigerung  der  Uebertragungen  nach  auswärts  von  Konto  zu  Konto  und  eine  beträchtliche
Vermehrung  der  Jahl  der  Konteninhaber  einher.  Die  Reichsbank  hat  mithin  ihren
Zweck  erreicht,  die  Einzahler  der  großen  Beträge  wurden  Girokunden  und  überwiesen  jetzt
auf  Grund  rother  Checks,  während  sich  freilich  die  kleinen  Einzahler  weiter  vermehrten.
Seit  1886  haben  die  Einzahlungen  der  Nichtkonteninhaber  nach  Stückzahl  und  Betrag  wieder
ununterbrochen  zugenommen.  Von  380  442  Stück  im  Gesammtbetrage  von  1  104/4  Millionen
  Mark  im  Jahre  1885  sind  sie  bis  1897  auf  733  805  Stück  im  Betrage  von
3047/1  Millionen  Mark  gestiegen.  Diese  Junahme  ist  freilich  nicht  ausschließlich  durch
die  privaten  Einzahler  herbeigeführt  worden,  sondern  zum  Theil  auch  durch  die  staatlichen
  Kassen  in  der  Provinz,  welche  ihre  entbehrlichen  Bestände  auf  diesem  Wege  den
ihnen  übergeordneten,  namentlich  aber  den  zentralen  Kassen  in  Berlin  zuführten.  Dies
zeigt  sich  darin,  daß  im  Jahre  1898,  nachdem  der  Anschluß  ganzer  Systeme  von  staatlichen
  Kassen  an  den  Giroverkehr  erfolgt  war  (vergl.  S.  61  und  187  ff.),  die  Einzahlungen
von  Nichtkonteninhabern  auf  2777)2  Millionen  Mark  zurückgingen  und  daß  der  Rückgang
im  Jahre  1900  sich  weiter  auf  1  545),9  Millionen  Mark  fortsetzte.

Gleich  der  Einrichtung  der  Einzahlung  von  Nichtkonteninhabern,  hatte  auch
die  kostenfreie  Einziehung  von  Wechseln,  Checks,  Anweisungen  2c.  am  Platze  für
Rechnung  der  Girokunden  (Giroeinzugswechsel,  vergl.  Tab.  56)  der  Hauptsache  nach
eine  Erleichterung  des  Zahlungsverkehrs  zum  Jweck.  Bald  nach  der  Reorganisation
des  Giroverkehrs  wurden  jedoch  Klagen  über  die  mißbräuchliche  Ausnützung  dieser  Einrichtung
  laut.  Es  wurden  der  Reichsbank  große  Mengen  kleiner  und  kleinster  Wechsel
als  Giroeinzugswechsel  übergeben,  deren  Verbundene  für  die  Reichsbank  meist  nur  von
geringem  Interesse  waren,  und  deren  Einziehung  eine  unverhältnißmäßig  große  Mühewaltung
  verursachte.  Judem  wurde  ein  erheblicher  Prozentsatz  dieser  kleinen  Wechsel  bei
der  Präsentation  nicht  sofort  eingelöst  und  mußte  den  Einreichern  zurückgegeben  werden.
In  diesem  Punkte  konnte  eine  Restriktion  Platz  greifen,  ohne  daß  dadurch  der  Grund-