zeit als Minister für größeren Arbeiterschutz berufene Frhr. v. Berlepsch
und der Kultusminister Dr. Bosse entschieden auf die Seite
des Kanzlers. Nach dieser Generaldebatte nahm die Mehrheit der
Minister in einer Sitzung vom 19. Dktober den Nieberdingschen
Entwurf an. Auch der Ministerpräsident stimmte formell zu, jedoch
nur unter Einwendungen, die sich namentlich auf präventive Unterdrückung
von Versammlungen und geitungen bezogen. Der
Kanzler behielt sich vor, die Ansichten der leitenden Minister der
Bundesstaaten einzuholen, sei es der Reihe nach, sei es in einer
gemeinsamen Sitzung.
Ehe es zu der gemeinsamen Beratung der bundesstaatlichen
Minister kam, trat ein Zwischenfall ein. Am 20. Oktober, fast
zur selbigen Stunde, als Graf Caprivi aus der Hand des freisinnigen
Oberbürgermeisters Baumbach den Ehrenbürgerbrief der
Stadt Danzig als Zeichen des Dankes für die Bemühungen um
den Handelsvertrag mit Rußland entgegennahm, empfing der Kaiser
in Potsdam eine Abordnung des Bundes der Landwirte für Ostpreußen
zur Uberreichung einer Adresse, in der im Sinne der
Königsberger Rede eine Opposition des Grundbesitzes gegen seinen
Herrn und König als ein Unding erklärt und gegen die innere Fäulnis
und gersetzung des Volkes eine straffe Gesetzgebung in der
Hand einer energischen Exekutive gefordert wurde. An der Spitze
der Abordnung standen der Abgeordnete v. d. Gröben, einer der
Zwischenrufer der Rechten gegen Caprivi und Marschall im Reichstagsstreit
um die Handelsverträge, und der aus der Liste der
Gäste beim Festmahl in Königsberg gestrichene Herr v. Simpson-Georgenburg.
Bei der Uberreichung der Adresse hatten der Ministerpräsident
Graf Eulenburg und der Landwirtschaftsminister
v. Heyden Pate gestanden. Graf Caprivi fühlte sich schwer verletzt
und sandte am 23. Oktober ein schriftliches Entlassungsgesuch ab,
in dem er auseinandersetzte, daß er das Vertrauen in die Nützlichkeit
weiteren Zusammenarbeitens mit dem preußischen Ministerpräsidenten
verloren hätte. Dieser hätte zwar den Vorschlägen repressiver
Natur gegen Erzesse der Agitation der Sozialdemokratie zugestimmt,
aber nur unter Vorbehalten, die neue Schwierigkeiten
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