286 Bayern unter Maximilian II Emanuel.
wie Gefangene gehalten und dann nach Gratz in Steyermark
gebracht wurden. Ihr einzige Schwester, Maria Anna Karolina,
sperrte man in das Kloster zur hl. Klara am Anger in
München; die drei jüngeren Brüder, Johann Adolf, Johann
Theodor und Maximilian Emanuel, übergab man der
vormaligen Oberhofmeisterin der Kurfürstin, dem Fräulein von
Weichs, in München zur Erziehung. Ueber Mar II Emanuel
und seinem Bruder, den Erzbischof Joseph Clemens
von Köln, sprach der Kaiser am 29. April 1706 die Reichsacht
aus und nahm und verschenkte von Bayern, wie und was ihm
beliebte. Die Oberpfalz sammt der Grafschaft Cham und
den böhmischen Lehen, und ebenso die Kurwürde kam an
den Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg
(1706—1714). Die Herrschaft Mindelheim erhielt Herzog
Marlborough, die Grafschaft Hals wurde als eine immediate
Herrschaft dem Grafen von Seizendors, die Stadt Dietfurt
und der Markt Riedenburg dem Reichsvicekanzler Grafen
von Schönborn eingeräumt; Mauerkirchen nebst dem Landgerichte,
dem Wetthalterforste und dem Kastenamte Burghausen
wurde dem Fürsten von Löwenstein als eine unmittelbare
Herrschaft geschenkt; der Markt Utendorf mit Gericht
und dem weißen Bräuhause bekam der Kammerpräsident Graf
von Stahremberg; die Pflege Wildshut und Friedburg
wurde dem Oberstkanzler Freiherrn von Sailern als unmittelbare
Herrschaft zu Theil; die Stadt Abensberg sammt
Gericht wurde dem Grafen von Braun zugesprochen; Stadtamhof
kam an die Reichsstadt Regensburg; die Stadt Wemding
mit dem Landgerichte wurde dem Fürstenhause Oettingen
verabfolgt; St. Nikolaus fiel an das Stift Passau, die
zerstörte Festung Rothenberg nebst dem Schlosse Hartenstein
ging in den Besitz der Reichsstadt Nürnberg über; Donauwörth
wurde wieder als deutsche Reichsstadt anerkannt,
die Stadt Braunau mit dem Gerichte Schärding, die Märkte
Altheim und Ried sammt ihren Gerichten und Kastenämtern
wurden mit Oesterreich ob der Ens vereinigt; der Reichsstadt
Augsburg wurden die Stadt Schongau und die
Dörfer zwischen Lech und Wertach nebst dem Dorfe Lechhausen
zugetheilt, dem Hochstifte Augsburg die Herrschaften
Schwabeck und Hohenschwangau nebst dem zwischen Lech
und Wertach gelegenen Territorium, der Lechrain genannt, mit
Ausnahme der zwei nächst der Reichsstadt Augsburg gelegenen
Meringer Auen zugewendet, wofür das Hochstift auf seine
Ansprüche an Mindelheim verzichten mußte; die zwei Drittel
der Herrschaft Wiesensteig wurden Württemberg zugesprochen,