68 9. Gesetz, betr. die Errichtung öffentlicher Schlachthäuser.
Schlachthauszwang unterliegen alle in das öffentliche Schlachthaus
gelangenden Tiere vor und nach der Schlachtung einer amtlichen
Untersuchung, auch insoweit nach dem Reichsgesetz und den Ausführungsbestimmungen
des Bundesrats ein Untersuchungszwang
nicht besteht.“
Die Anordnung, daß alles in das Schlachthaus gelangende
Schlachtvieh dort auch geschlachtet werden müsse, kann durch Gemeindebeschluß
nicht getroffen werden, wohl aber die Bestimmung,
daß kranke oder krankheitsverdächtige Tiere nicht in den allgemeinen
Schlachthallen geschlachtet werden dürsen, vielmehr nach Anweisung
der untersuchenden Beamten entweder in den Stall oder in den
Schlachtraum für krankes Vieh geschafft werden müssen, Ihrb. 14
S. 263.
Hier greift ein § 5 des AG. z. Schlachtvieh= und Fleischbeschauges.
vom 28. Juni 1902 (GS. S. 229), welcher mit dem ihm durch
Gesetz vom 23. September 1904 (GS. S. 257) gegebenen Zusatz
lautet: „Frisches Fleisch, welches einer amtlichen Untersuchung
durch approbierte Tierärzte nach Maßgabe der 88 8—16 des Reichsgesetzes
unterlegen hat, darf einer abermaligen amtlichen Untersuchung
auch in Gemeinden mit Schlachthauszwang nur zu dem
Zweck unterworfen werden, um festzustellen, ob das Fleisch inzwischen
verdorben ist oder sonst eine gesundheitsschädliche Veränderung
seiner Beschaffenheit erlitten hat.
Die Vorschriften im Art. 1 §J 2 Abs. 1 Nr. 2 und 3 des Gesetzes
zur Abänderung und Ergänzung des Gesetzes vom 18. März 1868,
betr. die Errichtung öffentlicher ausschließlich zu benutzender
Schlachthäuser (GS. 1868 S. 277) vom 9. März 1881 (GE. S. 273)
und die auf Grund dieser Vorschriften gefaßten Gemeindebeschlüsse
finden auf das vorstehend bezeichnete frische Fleisch keine Anwendung.
Eine doppelte Untersuchung auf Trichinen ist in allen Fällen
ausgeschlossen.“
* Unter Fleisch im Sinne des Schlachthausgesetzes und der
darauf beruhenden Gemeindebeschlüsse sind alle diejenigen Teile
des Schlachtviehs zu verstehen, die zum menschlichen Genusse
geeignet sind, also auch das Fett (Flomen), Ihrb. 26 C S. 77.