Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LX. Band. (60)

268  Entscheldungen  des  OLG.  München.

bezielt  den  Schutz  derselben  auch  unter  den  Straßen  und
innerhalb  der  in  den  Ortschaften  befindlichen  Höfe  und
freien  Plätze,  insoferne  die  Unreinlichkeit  Gefahren  für
die  öffentliche  Gesundheit  oder  Belästigungen  für  das
Publicum  nach  sich  zieht.  Es  kann  daher  zur  Fernhaltung
von  Koth  und  Unrath  auf  freien,  an  die  Straßen
grenzenden  Plätzen,  weil  hiedurch  die  menschliche  Gesundheit
  beschädigt  und  durch  deren  Anblick  das  Publicum
belästigt  wird,  ortspolizeilich  eine  Kehrpflicht  eingeführt
werden.  Die  Einschränkung  derselben  auf  freie  Plätze,
welche  mit  keiner  undurchsichtigen  Einfriedung  versehen
sind,  ist  gesetzlich;  die  Prüfung  der  Frage,  ob  eine  solche
Einschränkung  nothwendig  oder  zweckmäßig  war,  ist  nach
Art.  15  PSt  GB.  dem  Richter  entzogen.  Urtheil  vom
5.  Januar  1895.

StGB.  §  366  Nr.  10.  Ortspolizeiliche  Vorschriften
  über  Straßenverkehr.  Verkehrsstörungen
  durch  Aufstellung  von  Gegenständen
an  öffentlichen  Wegen.  8  63  der  ortspolizeilichen
Vorschriften  für  die  Stadt  K.  verbietet,  daß  an  öffentlichen
  Promenadewegen  Verkaufsläden  aufgestellt,  Waaren
jeder  Art  aufgestellt  oder  ausgelegt,  Verkaufstische  aufgestellt,
  Standorte  behufs  Verkaufs  von  Blumen  oder
ähnliche  Artikel  eingenommen  werden,  wenn  nicht  der
Stadtmagistrat  solches  besonders  bewilligt  hat.  Diese
Bestimmung  bezweckt  die  Abhaltung  von  Verkehrsstörungen.
Nach  dem  in  Ermangelung  anderer  Anhaltspuncte  allein
maßgebenden  Wortlaute  muß  daher  der  aufgestellte  Gegenstand
  entweder  in  unmittelbarer  Berührung  mit  dem
Promenadeweg  sich  befinden  oder  doch  nur  in  einem
wegen  seiner  Geringfügigkeit  bedeutungslosen  Abstande
von  demselben.  Demnach  kann  bei  einem  Zwischenraum
von  mehr  als  2  Metern  Breite  zwischen  ausgestellten
Bildern  und  einem  Promenadeweg  nicht  davon  die  Rede
sein,  daß  erstere  an  einem  Promenadeweg  sich  befinden,