Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

nummer  31

Dienstag,  g.  Februar  18160

 

Kollegien  an.  Sowohl  im  Stadtmagistrat  als

auch  im  Kollegium  der  Gemeindebevollmächtigten

  haben  sie  in  dieser  langen  Zeit  ihre  ganze
Kraft  in  den  Dienst  der  Stadtverwaltung  gestellt
  Daß  ihnen  die  Bürgerschaft  in  dem  verflossenen
  Vierteljahrhundert  immer  wieder  von
neuem  das  Vertrauen  schenkte,  ist  der  beste  Beweis
  für  ihr  segensreiches  Wirken  zum  Besten
der  Stadt  Rosenheim.  Aus  Anlaß  dieses  seltenen
  Jubiläums  widmete  ihnen  die  Stadt
2  Ehrenurkunden  in  künstlerischer  Ausführung.
Sie  entstammen  der  Meisterhand  des  Herrn
Kunstmalers  Licklederer  und  sind  zurzeit  unter
Glas  und  Rahmen  im  Schaufenster  der  Firma
Gietl  ausgestellt.  In  meistervoller  Ausführung
  sind  auf  den  Urkunden  mehrere  Ansichten
von  Rosenheim  verewigt,  so  das  Mittertor,  das
Bürgerspital,  die  Friedhofkapelle  usw.  Nach  dem
Wortlaut  der  Urkunden,  welche  die  Unterschriften
  des  Bürgermeisters,  Herrn  K.  Hofraies
Wüst,  und  des  1.  Vorstandes  des  Kollegiums
der  Gemeindebevollmächtigten,  Herrn  Finsterwalder,
  tragen,  spricht  die  Stadt  den  beiden  Inbilaren
  „für  25jähriges  überaus  verdienstvolles
und  ersprießliches  Wirken  in  beiden  städtischen
Kollegien  besten  Dank  und  ehrende  Anerlennung
  aus.“  Den  beiden  Jubilaren  entbieten
wir  zu  ihrem  Ehrentag  die  besten  Elückwünsche.
Möge  es  ihnen  gegönnt  sein,  nach  lange  Jahre
segensvoll  zum  Wohle  der  Stadt  und  ihrer  Einwohnerschaft
  wirken  zu  können  1

Musil  und  Theuler.

Das  Rosenheimer,  Volkstheater
hatte  am  Sonntag  wieder  einen  besonders  guten
Tag.  Nach  einer  Reihe  von  Jahren  brachte
es  wieder  ein  Stück  zur  Aufführung,  welches
namentlich  dem  Schlierseer  Bauerntheater  sets
die  schönsten  Erfolge  brachte.  Es  ist  das  oberbayerische
  Volksstück  „'s  Liserl  von  Schliersee“,
ein  Stück,  das  stets  allgemeinen  Anklang  finden
wird,  so  oft  es  auch  über  die  Bühne  gehen  mag.
Es  wurde  vom  Volistbeater  neu  einstudiert  und
erzielte  einen  beispiellosen  Erfolg.  Zwei  Vorstellungen
  waren  angesetzt,  beide  Male  gab  es
Massenandrang,  so  daß  es  nicht  möglich  war,
allen  Besuchern  noch  Plätze  zu  verschaffen.  Der

aal  zum  „Deutschen  Kaiser“  war  jedesmal
Lis  aufs  letzte  Plätzchen  besetzt,  und  gar  viele
mußten  an  der  Kasse  umlehren,  weil  weiterer
Einlaß  nicht  mehr  gegeben  werden  konnte.  Diesem
  Andrang  entsprach  das  Spiel.  Beide  Vorstellungen
  erfreuten  sich  einer  flotten  Darstellung,
  bei  der  sich  Josef  Krämers  Regie  vorzüglich
  geltend  machte.  Die  bekannten  Kräfte
unseres  Volkstheaters  teilten  sich  mit  bestem
Können  in  die  Aufführung,  alle  boten  vorzügliche
  Einzelleistungen,  durch  die  das  Gesamtspiel
  belebt  und  gehoben  rurde.  Alle  vier  Akte
trugen  ihnen  reichsten  Beifall  ein.  Der  große
Andrang  und  die  überaus  warme  Aufnahme,
welche  das  Stück  fand,  wird  wohl  eine  Wiederholung
  notwmendig  machen.  Nachmittags  und
abends,  namentlich  auch  nach  der  Abendvorsiellung
  konzertierte  unsere  Militärkapelle.

 

Zur  gefl.  Beachtung!

Allen  schriftlichen  Anfragen  wegen  der
Adressen  von  Anzeigen,  welche  im  „Nosenheimer
  Anzeiger“  erschienen  sind,  ist  eine  Rückmarke
beizulegen  oder  die  Anfrage  ist  auf  einer  Postkarte
  mit  Rückantwort  zu  stellen.  Schriftliche
Anfragen  ohne  Rückmarle  bezw.  -Karte  können
nicht  mehr  beantwortet  werden.

Der  Welekrieg.

e  Spannung  zwischen  Amerika  und
Deutschland.

Neuyork,  7.  Febr.  Der  Berliner  Korrespondent
  der  Associated  Preß  hatte  eine  Unterredung
  mit  Unterstaatssekretär  Zimmermann,
in  der  dieser  die  Hoffnung  aussprach,  daß  die
neuen  Vorschläge,  die  den  Vereinigten  Staaten
bereits  vorgelegt  worden  sind,  die  Grundlage
für  eine  definilive  Regelung  geben  würden;
er  wolle  jedoch  den  Ernst  der  Lage  nicht  verhehlen.
  Zimmermanmn  sagte  weiter,  daß  Deutschland
  leine  weiteren  Zugeständnisse  machen  könne
und  leinesfalls  die  Ungesetzlichkeit  der  Kriegführung
  der  U-Boote  in  der  Kriegszone  anerlennen
  wolle.  Die  deutsche  Regierung  ist  bereit,
  alles,  wmas  in  ihren  Kräften  slehe,  zu  tun,
um  den  Wünschen  Amerilkas  entgegenzukommen
und  habe  dies  auch  schon  getan.  Aber  es  gebe
Grenzen,  bei  denen  selbst  die  Freundschaft  aufhörec.
  Er  erklärte,  er  begreife  Amerilkas  Haltung
  nicht.  Man  habe  in  Deutschland  gedacht.
daß  die  Differenzen  wegen  der  U-Boote  erledigt
seien  und  die  „Lusitania“-Frage  geregelt  werden
  würde.  Man  habe  von  deutscher  Seite  zugestimmt,
  den  Schadenersatzanspruch  zu  bezahlen,
  aber  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten
  stellte  gänzlich  neue  Forderungen,  denen
Deutschland  unmöglich  entsprechen  könnte.  Amerika
  dürfe  nicht  zu  viel  fordern  und  Deutschland
zu  demütigen  versuchen.  Auf  diese  neuen  Forderungen
  und  neuen  Instruktionen  an  Gra
Bernstorff  wünschte  Zimmermann  nicht  näher
einzugehen,  doch  ließ  er  keinen  Zweifel,  daß  die
ganze  Krise  auf  die  Forderung  Amerikas  zurüczuführen
  sei,  daß  Deutschland  die  Versenlung
  der  „Lusitania“  als  pölkerrechtswidrige
Tat  desavouieren  solle.  Deutschland  könne  die
Waffe  der  U-Boote  nicht  aus  der  Hand  legen.
Zimmermann  erklärte  wiederholt,  daß  Deutschland,
  wenn  die  Vereinigten  Staaten  es  zum
Bruche  kommen  lassen  wollten,  nichts  mehr  tun
könne,  um  dies  zu  vermeiden.  Das  Bedauernswerteste
  an  der  ganzen  Sache  würde  sein,  daß
kein  tiesferer  Grund  zu  einem  Bruche  vorhanden
sei.  Deutschland  und  die  Vereinigten  Staaten
hätten  keine  einander  widersprechende  Interessen.
  Deutschland  hoffte  sogar  auf  eine  bedeutende
  Entwicklung  des  Handels  zwischen  den
beiden  Ländern  nach  dem  Kriege.  Diese  Hoffnung
  würde  zerstört  oder  es  würde  doch  eine
solche  Entwicklung  sehr  behindert  werden,  wenn
es  jetzt  zum  Bruche  läme.  Aber  Deutschland
könne  nicht  weiter  gehen,  wie  es  bieher  gegangen
  sei.

Aus  Kamerun.

Madrid,  7.  Febr.  Amtlich  wird  gemeldet:
14.000  Eingeborene  und  9000  Deutsche  aus  Kamerun
  flüchteten  sich  nach  Spanisch-Gninea.
Ihre  Ernährung  bildet  ein  schwieriges  Problem.

.  3.)
3  Millionen  Verluste  der  Russen.

Köln,  7.  Febr.  Amerikanische  Sanitätsleute,
die  aus  Rußland  in  Kergen  eingetroffen  sind,
erzahlen  laut  „Köln.  —  :  Petersburg  gleicht
einem  einzigen  riesigen  Laherer  Die  Straßen
sind  von  Verwundeten  überfüllt.  Die  Militärbeehen
  erllären,  daß  die  russischen  Verluste

3  Millionen  Mann  an  Toten,  Verwundeten  und
Vermißten  betragen.  (3.)

Russische  Ministersorgen.

Kopenkagen,  7.  Febr.  Die  Einberufung
der  Duma  wurde  nach  einem  Ministerrat,  dessen
  Vorsitz  zum  erstenmale  der  neue  Ministerpräsident
  Stürmer  führie,  auf  den  22.  Februar

alten  Stils  vertagt.  Der  Präsident  der  russischen
  Staatsschuldenverwaltung,  Charitonow,
wurde  verabschiedet.  Der  Rücktritt  des  Finanzministers
  Bark  wird  täglich  erwartet.  (3.)

Die  Kohlennot  in  Rußland.

Petersburg,  7.  Febr.  Infolge  der  überall
  herrschenden  starken  Kohlennot  mußten  viele
Fabriken,  auch  sol  die  mit  der  Herstellung
von  FHriegsmaterial  beauftragt  sind,  den  Betrieb
  leilweise  ganz  einstellen,  leilweise  stark  einschränken.
  Um  einer  Arbeiterbewegung  entgegenzuarbeiten,
  beschloß  man,  den  Arbeitern
den  Lohn  weiter  auszubezahlen.  (Z.)

Rußland  und  England.

Stockholm,  7.  Febr.  „Birschewjia  Wiedomosti“
  meldet:  Das  ganze  Eigentum  der  russischen
  Handelskammer  in  London,  die  auf  Veranlassung
  des  früheren  englischen  Parlamentsmitgliedes
  Sinkles  begründet  wurde  und  die
Verbesserungen  der  englisch-russischen  Handelsleziehungen
  zum  Hauptziel  hatte,  wurde  auf
Veranlassung  des  Untersuchungsrichters  beschlagnahmt.
  Als  Grund  werden  große  Bestechungen
  und  Unterschleise  angegeben.  Die  vornehmsten
  englischen  Firmen  gehörten  als  Mitglieder
der  Handelskammer  an.  (3.)

Bewaffnete  italienische  Handelsdampfer.


GEenua,  7.  Febr.  18  große  italienische  Handelsdampfer
  sind  jetzt  mit  Geschützen  ausgerüstet.
Die  Dampfer  haben  zum  Teil  auch  mobile  Deckpanzerung
  erhalten.  (Z.)

Korfu  abgesperrt.

Athen,  7.  Febr.  Die  Kaufmannschaft  von
Korfu  richtete  an  die  griechische  Regierung  telegraphisch
  einen  Protest  gegen  die  vollständige
Isolierung  der  Insel  durch  die  Entente.  Die
Flotte  der  Entente  habe  tatsächlich  Korfu  von
dem  übrigen  Griechenland  abgesperrt  u.  selbst
den  regelmäßigen  Passagierdampfern  verboten,
anzulegen.  Handel  und  Verkehr  der  Insel  sei
dadurch  lahm  gelegt.  (3Z.)

die  Gallipoli-Trupy#
in  Mesopatimien.

London,  7.  Febr.  Ein  Teil  der  von  Gallipoli
  abtransportierten  Truppen  ist  bereits  in
Mesopotamien  eingetroffen,  was  sich  aus  den
amtlichen  Verlusten  ergibt.  (Z.)

Japanische  Unte  rleebonte  für  den
Suezka

Geuf,  7.  Febr.  Der  r  voner  „Nouvellist"

meldet  aus  Athen,  dahß  s  tatsächlich  11  japanische

  Unterseeboote  im  Suezkanal  unter  Leitung

  eines  japanischen  Admirals  befinden,  um

an  der  Verteidigung  des  Kanals  teilzunehmen.

»  ,  )
Die  Revolten  in  China.

Paris,  7.  Febr.  Die  „Agence  Havas"
meldet  aus  Peking:  In  Schanghai  ist  eine
neue  Meuterei  ausgebrochen.  (3Z.)

London,  7.  Febr.  Reuters  Bureau  meldet:
  Der  Zustand  in  der  Provinz  Kweitschu
ist  sehr  ernst.  Die  Gouverneure  sollen  ihre
Possen  verlassen  und  sich  den  Aufftändischen
angeschlossen  haben.  Es  wurde  wiederum  eine
Verschworung  gegen  das  Leben  Bnanschikais
aufgedeckt.  Die  Verschwörer,  an  deren  Spitze
ein  Sekretär  des  Präsidenten,  zwei  frühere  Minister
  und  ein  Zeremonienmeister  der  entthronten
  D  onasiie.  siehen,  hätten  die  Absicht,  e  Regierung
  in  die  Hände  der  aus  der  revolulionären
  Provinz  Münan  angekommenen  Agenten  zu
legen.  (3.)

 

Englische  Offiziersverluste.
Basel,  7.  Febr.  Laut  „Baseler  Nährichten“
sind  bei  den  Kämpfen  zum  Entsatz  von  Kut  el
Amara,  wie  aus  den  englischen  amtlichen  Ver.
lustlisten  zu  entnehmen  ist,  18  Regiments.
kommandeure  gefallen.

——
□—  bes  M.
#i##ung  des  ees

29.  Januar  1916.

In  Anwendung  des  8  1  der  Bundesraksbe.
lanntmachung  vom  23.  Nov.  1915  betr.  Fern.
haltung  zunuverlssiger  Personen  vom  Handel,
  und  §  om  26.  Juni  1915  über
den  Ver#ehr'  mit  Brotgeneeide.  und  Mehl  wird
wegen  grober  Verfehlungen  gegen  das  Verbon
der  Brotabgabe  ohne  Marken  der  Brotverkäuferin
  Katharina  Högn,  Ludwigsplatz  Sa,  der
Brotverkauf  untersagt.

Die  Eingabe  des  Arbeitersekretariats  Stern,
garten  um  Gewährung  des  unentgeltlichen
Bürgerrechtes  an  Kriegsteilnehmer  auch  wäh,
rend  des  Krieges  wird  zur  Vorberatung  an  die
Finanzkommission  überwiesen,  welche  den  Antrag
in  Verbindung  mit  dem  neuen  Bürgerrechtsregu,
lativ  behandeln  möge.

Nach  Kenntnisnahme  der  Anträge  der  Lebensmittellommission
  wird  die  im  Bureauweg  erlassene
  Verfügung  bestäligt,  nach  welcher  auf
Grund  des  Höchstpreisgesetzes  die  hiesigen  Kar.
loffelhändler  ausgesordert  sind,  ihre  sämtlichen
im  Stadtbezirk  Nosenheim  lagernden  Kartof.
selvorräte  zum  Preise  von  3.25  Mark  binnen  3
Tagen  an  die  Stadtgemeinde  Rosenheim  zu
überlassen.  Mit  dem  Ankauf  von  Kartoffeln  für
die  Stadtgemeinde  zur  direkten  Abgabe  an  die
Einwohnerschaft  erklärt  sich  der  Magistrat  ein.
verstanden.

Das  Gesuch  des  Händlers  Anton  Mösl.
hofer  um  die  Genehmigung  zum  Betrieb  eines
gia  tspieltheaters  im  Anwesen  Max-Josephplat
Nr.  9  wird  in  siels  wiederruflicher  Weise  unter
den  vom  Stadtbauamt  und  der  Baukommission
vorgeschlagen  Auflagen  und  den  sorst  übli.
chen  Bepingungen  genehmigt.

Der  Antrag  des  Stadtbauamtes  bezw.  der
Baulommission,  die  Münchenerstraße  zwischen
dem  Anwesen  des  Kaufmanns  Groß  und  dem
Hauptzollamtsgebände  mit  einer  neuen  Fahr.
bahndecke  aus  Teermakadam  zu  versehen,  wird
der  Finanzlommission  zur  Vorberatung  überwiesen.


Nach  Antrag  der  Lebenemittelkommission  wer.
den  die  bei  einigen  Geschäften  hier  vorhande,
neu  geringfügigen  und  beschlagnahmten  Vorräte
  an  Hülsenfrüchten  unter  einem  Doppel.
zentner  diesen  Geschäften  zum  freihändigen  Verlauf
  unter  der  Bedingung  überlassen,  dah  für
1  Pfund  Erbsen  oder  Vohnen  nicht  Gehr  al:s
50  Pfg.  verlangt  und  die  weiteren  Auflägen  ein-.
gehalten  werden.

Rriegshumor.

Bunte  Gesellschaft.  „Warum  ist  denn
gerade  dieses  Bild:  „Gefangenenlager  in
Deutschland“  so  teuer?"  „Weil  ich  zu  diesem
Bild  zu  viel  Farben  nehmen  mußte.“

Vor  der  Nitterrüstung.  Zwei  Leicht.
verwundete  aus  dem  Osten  stehen  im  Berliner
Zeughaus  vor  einer  Ritterrüstung.  #  ne  unpral.
tische  Kiste!  Wenn  dir  da  ’ne  Laus  beißt,  Willem,
  wie  willst  de  dir  da  jucken?“

 

 

 

Wetterbericht  für  Dienstag,  den  8.  Februar:
Wechselnde  Bemölkung,  zeitweise  Niederschläge.

 

gemeinen  Richtung  nach  Südost.  Wenige  Kilometer
  hinter  Nisch  rritt  der  hochalpine  Charal-=ter
  des  Nischawa-Tales  hervor.  Massige  Granitfelsen,
  durch  Kreideformationen  unterbrochen,
bilden  eine  enge  Schlucht.  Phantastisch  geformie
Felsblöcke,  in  denen  gew  altige  Höhlen  hoch  oben
oder  am  Fuße  ausgewaschen  sind,  in  das  Gestein
  von  den  Wassermassen  geschlisfene  Stufen,
  an  den  zahlreicken  Windungen  des  Flußlaufes
  malerische  Talschlüsse:  das  alles  ist  von
mächtiger  Wirkung.  Aus  dem  Geröll,  das  sich
in  dem  Flußbeite  abgelagert  hat,  ist  zu  schliewhen,
  daß  die  Rischawa  zu  Zeiten  große  Wassermengen
  führt.  Bei  unserer  Durchfahrt  gab  sie
sich  recht  zahm,  wenn  sie  auch  hier  und  da
gegen  ihr  entgegentretende  Hemmnisse  sich  schäumend
  aufbäunne.  Sormeit  wir  erkennen  lonnten,
  lag  nicht  viel  Schnee  auf  den  Hohen;  vielleicht
  war  das  verhältnismäßig  ruhige  Gebaren
der  Nischawa  dem  Umstande  zuzuschreiden,  daß
die  Schneeschmelze  bisher  nicht  sehr  ergiebig  war.
Das  packende  Bild  der  wildromantischen  Landschaft
  regt  den  Wunsch  an,  dieses  einsame  Tal
einmal  zu  Fuß  zu  durchwandern  und  es  in
seinen  eiwaeiheher  zu  schauen.  Ueber  Pirot  erreichten
  wir  Zaribrod  an  der  ehemaligen  bulgarischen
  Grenze.  Von  einer  der  hier  aufragenden
  Höhen  soll  man  einen  prachtvollen  Rundblick
  über  das  ganze  Balkangebirge  geniehen
können,  ähnlich  wie  vom  Rigi  aus  über  die
Alpenwelt  der  Schweiz.

Weiterhin  gebirgiges  Gelände,  aber  auch
fruchtbares  Land  durcheilend,  gelangten  wir  in
späler  Abendstunde  nach  Sosia.  Auf  dem  B
hatte  sich  Prinz  Kyrill  von  Bulgarien  eingefunden,
  um  den  Zug  in  Augenschein  zu  neh- 



Zahl  waren  auch  unsere
Landsleute  erschienen,  die  in  der  bulgarischen
Hauptstadt  ihren  Wohnsitz  haben.  Mit  großer
Freude  begrüfften  sie  das  punktliche  Eintreffen
des  eriten  Balkanzuges.

Dann  ging  die  Fahrt  über  die  Hochebene  von
Sosia  dem  Paß  entgegen,  durch  den  wir  das
nach  Ost-Rumelien  abfallende  Gebirge  zu  durchqueren
  hatten.  In  ruhigem  Gange  legte  der
Zug  die  zahlreichen  Windungen  zurück;  die
mondbeschienene  Landschaft  leuchtete  in  der  llaren
  Winierlust.  Als  das  Morgenlicht  durchbrach,
  lonnten  wir  einen  Blick  auf  die  berühmte
Moschee  Sultan  Selims  II.  in  Adrianopel  werfen.
  Von  der  Stadt  ist  aus  der  Ferne  nicht  viel
zu  sehen.

Hinter  der  Maritza  dehnt  sich  leicht  gewelltes
Land  aus,  das  große  Einsamkeit  atmet.  Sellen
lauchen  ärmliche  Siedelungen  auf,  die  mehr  vorübergehend
  eingenommenen  Standplätzen  als
dauernden  Wohnstätten  gleichen.  Weithin  bis
an  die  Grenze  des  Gesichtskreises  meistens  brach
liegendes  Land.  Hier  gewinnt  der  Reisende  zuerst
  den  Eindruck  der  Weiträumigkeit  des  türkischen
  Reiches.  Außerordemlich  große  Flächen
ackerfähigen  Bodens  harren  der  weckenden  Arbeit.
Offensichtlich  steht  hier  der  wirsschesilichen  Betätigung
  der  Türkei  noch  ein  weites  Feld
offen,  und  wie  hier  sicherlich  v0,  in  höherem
Grade  in  vem  saatischen  Besitztümern  der  Osmanen.
  t  flũchtige  Augenschein  lehrt,
daß  das  -  *  Vielfaches  der  heutigen  Bevöllerung
  erndhren  könme.  Für  die  türrische
Negierung  eröffnet  sich  die  dankbare  Aufgabe,
aue  den  an  Nomademland  erinnernden  Gebieten
wirklichen  Ansiedlungsboden  zu  schaffen.  Durch

men.  In  größerer

 

eine  gesunde  Steuerpolitil,  die  die  Bebauung
des  Landes  anregte,  statt  sie  zu  hemmen,  könnten
  dem  osmanischen  Reiche  ungeahnte  Quellen
neuer  Blüte  erschlossen  werden.  Auch  der  Armut
an  Holz  wäre  unschwer  abzuhelsen.  Wenn  man
sieht,  wie  weite  Flächen  mit  zwerghaften  Eichen
für  Kohlengewinnung  bepflanzt  werden,  so  ergitt
  sich  von  selbst,  daß  hier  Nadelwald,  mit

Laubholz  untermischt,  prächtig  gedeihen  mürde.
Alles  warlet  nur  auf  die  bessernde  Hand.

Wenige  Stunden  vor  Konstantinopel  durchqueren
  wir  die  berühmte  Utschataloscha-  Linie,
an  der  sich  oie  michtigsten  Kämpfe  im  letzten
Ballankriege  abgespiolt  haden.  Einander  gegenüberliegende
  Höhenzüge  lassen  links  und  rechto
die  bulgarischen  und  türlischen  Stellungen  erkennen.
  In  einer  Senke  linls  der  Bahn  wird  eine
kleine  Moschee  sichtbar,  an  der  die  Oberlo  „mandicrenden
  der  beiden  Gegner  von  dam  ius,  Ceneral
  Sawoff  und  Nasim-Pascha,  zusammentrasen,
  um  über  einen  Waffenstillstand  zu  verhaudeln.
  Das  alles  gehört,  wie  man  annehmen
darf,  für  immer  der  Vergangenheit  an.  Bulgarien
  und  eine  erstarkte  Türkei  können  im
Bunde  miteinander  und  gestützt  auf  die  Mittelmächte
  jedem  möglichen  Gegner  Trotz  bieten  und
für  alle  Beiten  ihren  Vollei  aufsteigende  Wohlfahrt
  si

Der  19  nähert  sich  dem  Marmor-Mieer,
das  im  Dunkel  nur  hier  und
aufschimmert.  Bei  der  Haltestelle  schale
Tschekmedsche  erreicht  er  den  Strand.  Der  "
hält.  und  wir  verlassen  ibn  für  kurze  Zeit,
uns  Flam  1□  u  dah  eine
nung  d  er  Behorden  und  der
haea  iente  uns  bis  hierher  entgegengefahren

abends  des  Tags

—s  und  hatte  leinem

 

war,  um  uns  seierlich  zu  begrüßen.  Es  werden
freundlich  gestimmte  Ansprachen  gewechselt.  Im
Namen  der  anwesenden  sieben  Vertreter  der
deutschen  Presse  dankte  der  Hauptschriftleie
des  „Hamburger  Fremdenblatts“.  Außer  den
deutschen  Journalisten  befanden  sich  vier  Berliner
  Vertreter  der  neutralen  Presse  in  der
Reisegesellschaft.  Die  Weiterfahrt  bis  Konstantinopel
  glich  einem  Triumphzuge.  Mit  einer
  jubelnden  Begeisterung,  die  wir  dem  ruhi.
gen  Temperament  des  türkischen  Volles  kaum
zugetraut  hätten,  begrüßte  die  nach  Tausenden
zählende  Menge  den  vorüberfahrenden  Zug.
änner,  Frauen  und  Kinder  beteiligten  sich
an  den  Kundgebungen.  Bei  der  Einfahrt  in
den  Hauptbahnhof  fanden  wir  Minlster  und
andere  hohe  Mitglieder  der  amtlichen  türtischen
  Kreise  zu  unserem  Empfange  versammet..
Unter  den  Klängen  der  Nationalhymne  der
vier  verbündeten  Mächte  und  unter  brausenden
Rufen  der  herbeigeströmten  großen  Scharen
durchschritten  wir  den  mit  Fahnen  in  türkischen,
deutschen,  österreichischen,  ungarischen  und  bun
garischen  Farben  geschmückten  Bahnhof  zu
Warteräumen,  in  denen  die  türkischen  *
träger  uns  den  Willkommensgruß  darboten.
Dann  ging  die  Fahrt  durch  die  Straßen  Stambuls
  nach  Pera  hinauf.  Die  Suhen  zeigim
durch  Fahnenschmuck  und  durch  die  leleuchtung
  der,  Minaretts,  die  anläßlich  des  Vot-1
  Gtburt  des  Propheten
ktattfand,  en  festl

**
deutscher  Pänlichten  war  der  Zug  ein
assen  zu  genußund
  lehrreichen  Tagen  n  em  der  herrlichsten
  Punkte  der  Welt  Felrachl.“,  O.  R.